Kiezbox 2.0
Wie sieht die resiliente Stadt von morgen aus? Das zeigt das Modellprojekt Kiezbox 2.0. Mit einem alternativen stromautarken Kommunikationsnetzwerk will das Projekt kritische Kommunikationsinfrastruktur im Krisenfall aufrecht erhalten – und so die Resilienz der Smart City stärken.
Was ist die Kiezbox 2.0?
Die Kiezbox 2.0 ist eine Pilotmaßnahme der Strategie Gemeinsam Digital: Berlin (GD:B) und zeigt prototypisch, wie ein alternatives stromautarkes Kommunikationsnetz für Krisenfälle aussehen kann.
In Zeiten von Extremwettersituationen, politisch motivierten Angriffen und erhöhten Katastrophenschutz testet das Modellprojekt das Szanario eines Stromausfalls, um daraus Handlungsempfehlungen für die krisensichere Stadt von morgen abzuleiten.
Was würde im Krisenfall alles nicht funktionieren? Wenn ein starker Sturm zum Beispiel Bäume zum Umfallen bringt und Stromleitungen beschädigt, Menschen verletzt werden und nicht versorgt oder vorgewarnt werden können? Bei lang anhaltendem Stromausfall würden Mobilfunk und andere strombasierte Kommunikationsnetze nicht mehr zuverlässig funktionieren. Der Zugang zu kritischen Infrastrukturen, etwa Notruf und Krisenkommunikation, muss aber vor allem in solchen Extremsituationen gewährleistet sein.
Mit der Kiezbox 2.0 soll unter anderem ein Notfall-WLAN bereitstehen, über das Bürger:innen zum Beispiel textbasierte Notrufe an die Feuerwehr absetzen oder krisenrelevante Informationen über datenarme Webseiten abrufen können. Im Regelbetrieb sammeln die Boxen hingegen wichtige Umweltdaten, die die Stadtgesellschaft oder andere städtische Akteur:innen nutzen können.
Wie funktioniert die Kiezbox 2.0?
Die Kiezbox 2.0 basiert auf der Idee eines hyperlokalen Netzwerks und zwei grundlegenden Szenarien:
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Im Regelbetrieb nehmen die Kiezboxen mit Hilfe verschiedener Sensoren lokale Messungen vor (z.B. zu Luftqualität). Damit können u.a. verschiedene Daten für die Smart City erfasst werden. Gleichzeitig wird die Funktionalität der Boxen überwacht und für den Krisenfall sichergestellt.
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Im Krisenfall (z.B. Stromausfall) dienen die Kiezboxen als Hotspots für ein Notfall-WLAN. Damit werden der Bevölkerung Informationen zum Verhalten im Krisenfall und ein Kommunikationsweg zum Rettungsdienst zur Verfügung gestellt.
Die Kiezbox setzt sich aus folgenden zentralen Komponenten zusammen:
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Im Kern besteht die Kiezbox aus einem Banana Pi-Computer, WiFi-Kommunikationsmodulen und der energieeffizienten Funktechnologie LoRa für die Übertragung der Sensordaten.
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Dazu kommen Sensoren, um im Regelbetrieb Messungen vorzunehmen (z.B. zu Temperatur, Feuchtigkeit oder Lautstärke) und so ein permanentes Monitoring der Umgebung sicherzustellen.
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Alle internen Komponenten sind platzsparend in einem widerstands- und outdoorfähigen Gehäuse integriert, das auf Dächern angebracht werden kann.
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Außerhalb des Gehäuses stellt ein Solarpanel sicher, dass die Batterie im Gehäuse geladen wird. Ein weiteres externes Element sind Antennen für die Optimierung der Reichweite.
Wie geht es weiter mit der Kiezbox 2.0?
Seit dem offiziellen Start im Februar 2023 versammelt und testet das Team um die Kiezbox 2.0 diverse Anwendungsfälle.
Während des Auftaktworkshops zur Entwicklungsphase der Strategie Gemeinsam Digital: Berlin wurde hervorgehoben, dass nicht nur in Krisensituationen, sondern auch im Alltag wichtige Informationen über das Leben im Kiez für die Bewohner:innen zugänglich sein sollten. Befragungen von Besucher:innen auf Veranstaltungen wie der Langen Nacht der Wissenschaften 2024 und der Smart Country Convention 2024 zeigten, dass insbesondere Umweltdaten mit Auswirkungen auf die Gesundheit von großem Interesse für die Öffentlichkeit sind. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird derzeit ein flexibles Sensormodul entwickelt, das im Stadtraum eingesetzt werden kann, um Messdaten zu Luftqualität und Lärmbelastung über das Kiezbox-eigene LoRa-Mesh bereitzustellen.
Kiezbox-Krisenübung: Blackout-Szenarien in der Grunewaldstraße
Wie verhält sich eine Kiezbox im Ernstfall? Um genau das herauszufinden, wurde im Juni 2025 ein Blackout simuliert – direkt vor der Technologiestiftung in der Grunewaldstraße. Ziel der Krisenübung war es, die technische Belastbarkeit und Nutzer:innenfreundlichkeit der Kiezbox-Prototypen unter realitätsnahen Bedingungen zu testen.
Ein Team aus Statist:innen spielte drei voneinander unabhängige Krisenszenarien durch – darunter etwa ein längerfristiger Stromausfall und der Ausfall klassischer Kommunikationskanäle. Parallel wurde die Funktionalität des digitalen Kiezbox-Portals auf die Probe gestellt.
Begleitet wurde die Übung durch die Berliner Feuerwehr, die das Szenario mit Einsatzfahrzeugen und realistischer Inszenierung unterstützte. Alle Szenarien wurden live in das Audimax der Technologiestiftung gestreamt. Moderiert von Julia Zimmermann, konnten Vertreter:innen der Berliner Polizei, der Feuerwehr, des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg sowie verschiedener Senatsverwaltungen das Geschehen mitverfolgen und sich ein konkretes Bild vom Einsatzpotenzial der Kiezbox machen.
Die Übung lieferte wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Prototyps – insbesondere im Hinblick auf Nutzer:innenführung, Systemstabilität und den Einsatz in Krisensituationen.
Mit der erfolgreichen Durchführung der Krisenübung ist die Machbarkeitsprüfung der Kiezbox abgeschlossen. Nun geht es darum, geeignete Einsatzszenarien im Realbetrieb auszuloten und nächste Umsetzungsschritte vorzubereiten.
Aktuelles und mehr Informationen hier.
Stand: August 2025
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