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Wie Linked Open Data für mehr Transparenz bei Haushaltsdaten sorgt – Interview mit Julia Schabos

  • Rubrik Interview
  • Veröffentlichungsdatum 11.01.2024
Anna Hantelmann

Den Durchblick bei den Haushaltsausgaben behalten? Das geht. Mit offenen Daten, die visualisiert und durchsuchbar sind – so der Ansatz der interaktiven Webseite Berliner Haushaltsdaten. Diese Visualisierung soll jetzt wachsen, damit die bisher manuell aufbereiteten Daten am Ende automatisiert identifiziert und verknüpft werden können. Wie Linked Open Data zukünftig Transparenz, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe fördern soll, erzählt uns Julia Schabos von der Berliner Finanzverwaltung im Interview. 

Gemeinsam mit der Open Data Informationsstelle (ODIS) haben Sie 2022 eine Visualisierung zum Berliner Doppelhaushalt veröffentlicht. Wie kam es zu dem Projekt und warum ist es so wichtig, diese Informationen als offene Daten zur Verfügung zur stellen?

Die jüngste Debatte rund um die öffentlichen Haushalte auf Bundes- und auf Länderebene zeigt, wie relevant eine verständliche Aufbereitung von Haushaltsdaten ist. Mit der Visualisierung der Berliner Haushaltsdaten wollten wir einen leichten und transparenten Einstieg in den Berliner Landeshaushalt bieten.

Gemeinsam mit der ODIS und dem CityLAB Berlin haben wir in einem intensiven Software-Sprint unsere Ziele definiert und ausgearbeitet. Dabei hatten wir als Designer:innen, Entwickler:innen und Verwaltungsmitarbeitende zwar sehr unterschiedliche Perspektiven, aber ein gemeinsames Anliegen: eine Plattform zu schaffen, auf der Berliner:innen einfach und intuitiv nachvollziehen können, wie die öffentliche Hand ihre Ressourcen einsetzt.

Durch Features wie Filteroptionen und Stichwortsuche bietet die Visualisierung der Daten einen benutzerfreundlichen Einblick in den Berliner Haushalt.

Eine Frau lächelt in die Kamera, sie sitzt vor einem Fenster.

Julia Schabos :
Berliner Finanzverwaltung

Wir werden das Projekt kontinuierlich weiterentwickeln, wobei wir als Open-Source-Projekt großen Wert auf einen offenen und partizipativen Prozess legen.

2023 startet nun die Umsetzung der Haushaltsdaten als Linked Open Data. Das heißt: die bereits offenen Haushaltsdaten werden nun auch in einem standardisierten Dateiformat veröffentlicht, das es erlaubt, Verbindungen zwischen anderen Datensätzen herzustellen. Damit ist Berlin Vorreiter in Sachen Linked Open Data. Wie ist die Idee entstanden und was hat Sie im Projekt motiviert, Linked Open Data zu veröffentlichen?

Die Idee, die Berliner Haushaltsdaten als Linked Open Data zu veröffentlichen, kam ursprünglich aus der Community. Nach der Finalisierung unserer Haushaltsvisualisierung kam die Frage auf, warum diese Daten nicht auch als Linked Open Data bereitgestellt werden.

Unsere Recherche ergab, dass dies bereits erklärtes Ziel in den Strategiepapieren der Berliner Verwaltung war, allerdings noch nicht umgesetzt wurde. Mit Unterstützung sowohl seitens der Verwaltung als auch durch externe Partner:innen – wie der Open Knowledge Foundation Deutschland – arbeiten wir nun sehr intensiv daran, dieses Ziel zu realisieren. Dabei möchten wir weniger ein Vorzeigeprojekt schaffen, als vielmehr eine Basis legen – für weitere Linked Open Data Datensätze im Land Berlin.

In Zusammenarbeit mit der Staatskanzlei Schleswig-Holstein entwickeln wir dabei im Rahmen des 4. Nationalen Aktionsplans des Bundes ein gemeinsames Vokabular für Haushaltsdaten, um somit eine effektive Verknüpfung unserer Datensätze zu ermöglichen.

Linked Open Data soll die Datenqualität erhöhen und es erlauben, Datensätze leicht weiterzuverwenden und automatisch mit weiteren Datensätzen zu verknüpfen. Wo sehen Sie generell den Mehrwert von Linked Open Data – aus Sicht der Bürger:innen und aus Sicht der Verwaltung?

Linked Open Data bietet großes Potenzial, um den Datenaustausch zu vereinfachen und datenbasierte Entscheidungsgrundlagen zu fördern. In den letzten Jahren wurden im Land Berlin die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für offene Verwaltungsdaten geschaffen. Mit der kürzlich beschlossenen Open Data Strategie konzentrieren wir uns nun darauf, qualitativ hochwertige Verwaltungsdaten in Form von Linked Open Data bereitzustellen.

Aus Verwaltungsperspektive verbessern verknüpfte Daten vor allem die Effizienz und Qualität der Datenverarbeitung im Sinne eines einheitlichen Datenmanagements. Darüber hinaus bieten der verbesserte Datenzugang und einheitliche Standards auch für Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ein enormes Innovationspotenzial, z.B. im Bereich der Künstlichen Intelligenz und dem maschinellen Lernen. Dieses Potenzial bietet sich natürlich auch dem Öffentlichen Dienst, beispielsweise für die Entwicklung schneller und passgenauer Dienstleistungen.

Erhebliche Vorteile gewinnen dadurch sowohl Datenexpert:innen als auch Bürger:innen: Die Bereitstellung von Verwaltungsdaten als Linked Open Data fördert Transparenz, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe. Mit unserem Vorhaben greifen wir diese Aspekte auf und leisten wertvolle Grundlagenarbeit im Land Berlin.

Die Bereitstellung von Verwaltungsdaten als Linked Open Data fördert Transparenz, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe.

Eine Frau lächelt in die Kamera, sie sitzt vor einem Fenster.

Julia Schabos :
Berliner Finanzverwaltung

Die Senatsverwaltung für Finanzen arbeitet nicht allein an dem Projekt und hat bereits ein Barcamp zum Thema veranstaltet. Was macht dieses Format so besonders und wie profitieren Sie von der Zusammenarbeit mit anderen Akteur:innen?

Das Barcamp, initiiert von der Open Knowledge Foundation, war für uns ein echter Gewinn. Hier trafen Akteur:innen aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Gemeinsam haben wir die Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Veröffentlichung der Berliner Haushaltsdaten als Linked Open Data ausgelotet. Dieses offene und explorative Format war ideal für den informellen Wissensaustausch und die Netzwerkbildung.

Ergänzend zu den Sessions haben wir daher im Nachgang einen zusätzlichen, offenen Kommunikationskanal geschaffen, um eine anhaltende Vernetzung und Beteiligung zu unterstützen. Das Barcamp hat uns wichtige Impulse gegeben und unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht, die das Projekt enorm vorangebracht haben. Es war genau der Schub, den wir brauchten, um jetzt im neuen Jahr durchzustarten.

ODIS

Ein geöffneter Laptop auf dessen Bildschirm eine digitale Grafik zu sehen ist.

Die Open Data Informationsstelle (ODIS) ist ein Projekt in Zusammenarbeit zwischen der Senatskanzlei Berlin und der Technologiestiftung Berlin, um das Open Data-Angebot in Berlin weiterzuentwickeln. ODIS unterstützt die Berliner Verwaltung im Umgang mit und der Bereitstellung von offenen Daten.


Zielgruppe

Verwaltung