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  • Thema Neue Technologien

LoRaWAN- & TTN-Treffen, erstmals virtuell

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  • Veröffentlichungsdatum 24.09.2020
Dr. Christian Hammel

Am Freitag, den 18.09., fand das 12. LoRaWAN-Treffen statt. Diesmal nicht in der Technologiestiftung, sondern im Cyberspace.

Die Tagesordnung stand in der Einladung. Links zu einzelnen Punkten stehen im Blog der Community von TTN Berlin. Deshalb hier wie immer nur einige Punkte als Fazit und Kommentar herausgegriffen.

1. Der Cyberspace hat auch Vorteile.

Wer kennt es nicht: Manchmal verwandeln sich Videokonferenzen in Ruckeln und Knarzen, weil den Servern oder den Leitungen die Puste ausgeht. Das ist auch kaum zu steuern, weil das Internet bekanntlich aus vielen shared media besteht.

Mit IT-affinen Teilnehmern konnte das aber spontan gelöst werden, ohne allzu viele Teilnehmer zu verlieren. In unserem Fall durch einen spontanen Umstieg auf die offene jitsi-Instanz von Freifunk München. Danke an Freifunk München aus der Rivalen-Metropole.

Da niemand anreisen musste, hatten wir diesmal auch TTN’ler*innen aus Wiesbaden und Passau dabei. Das erweitert den Horizont merklich – Tipps und Tricks der eigenen peergroup kennt man ja schon.

2. Politik und Verwaltung beginnen, LoRaWAN für sich zu entdecken.

In den Bezirken haben FDP und Grüne in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Pankow das Thema als erste aufgegriffen. Die IHK hat mit ihren „10 Thesen für eine zukunftsorientierte Berliner IoT-Infrastruktur“ den nächsten Schritt gemacht. Und auch das Abgeordnetenhaus hat das Thema bereits diskutiert. Nun gibt es aus der BVV Pankow den ersten Beschluss für ein konkretes Projekt. Es geht um Verkehrszählung. Konkret soll das Ausmaß unerwünschter Ausweichverkehre in Nebenstraßen erfasst werden. Innovativ ist das allemal. Bisher werden Verkehre nämlich mit viel Aufwand von menschlichen Verkehrszähler*innen erfasst und Bezirke warten sehr lange, bis diese Zählungen durchgeführt werden. Letztlich ist das die Smart City der kleinen konkreten Schritte. Davon bitte mehr!

3. Daten müssen auch richtig sein.

Ob die vorgenannten Verkehrsdaten aus Nebenstraßen, Fahrradzähler oder das Herzensthema Stadtbäume: Mit LoRaWAN kann man Sensordaten übertragen. Für Smart City-relevante Daten dürfte LoRaWAN auch eine der Übertragungstechniken der Wahl sein. Dazu, wie man das bewerkstelligt, kann die Community weiterhelfen, soweit dies ehrenamtlich geleistet werden kann. Ob die Daten der Sensoren auch richtig sind oder ob ein konkreter Sensor überhaupt geeignet ist, den Zustand der realen Welt zutreffend zu beschreiben, kann eine LoRaWAN-Community allerdings nur eingeschränkt beantworten – von der Post würde man das auch nicht verlangen.

Die Diskussion, wie man selektiv Fahrräder zählen (Kamera mit Bilderkennung? Ultraschall? Lidar oder Radar?) oder den Wasserbedarf von Bäumen ermitteln kann (Leitfähigkeit? Kapazitativ? Lidar? Doppler-Ultraschall? Tensiometrie?) hat mir Spaß gemacht, endete aber erwartungsgemäß nicht mit Ideallösungen, sondern mit guten Gründen, vollmundige Aussagen zu hinterfragen und sich an der Wissenschaft zu orientieren.

Die Technologiestiftung hat sich übrigens etwas dabei gedacht, dass Gieß den Kiez auf Art und Alter der Bäume und den Wetterdaten beruht, statt als ersten Schritt stadtweit Sensoren mit fraglicher Aussagekraft zu vergraben.

Auch wenn manche solche Techie-Diskussionen langweilig finden: Nötig sind sie allemal, damit als groß angekündige Lösungen sich nicht als Scheinriesen entpuppen.

4. Die Zugänglichkeit von (Sensor-) Daten muss besser werden.

Ob IoT-Daten von Bürgern, die Sensoren betreiben, oder von Unternehmen, die bereit sind, Daten, die ohnehin anfallen: Die Bereitschaft, solche Daten der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, ist durchaus vorhanden. Auf www.ich-habe-jetzt-auch-irgendetwas-im-internet.de wird diese Daten aber niemand suchen, geschweige denn finden. Funktionierende Plattformen für Spenden von Live-Daten gibt es bisher nur wenige, was im Prinzip gut, weil auffindbar, ist. Diese sind allerdings auf bestimmte Daten, meist Umweltdaten, spezialisiert und optisch sehr an klassische Kartografie angelehnt, z.B. luftdaten.info oder die opensensemap.

Öffentliche Server, über die Willige ihre Daten mit einfachen Mitteln teilen können, sind bisher selten. Ein lösbarer Engpass. Für regionale LoRaWAN-Daten ist https://lorapark.de/ der Initiative https://lora.ulm-digital.com/ hinter der die Ulmer LoRaWAN-Community, die Stadt, eine Initiative der regionalen Wirtschaft und weitere stecken, ein schönes Beispiel.

Wenn Berlin daran arbeitet, seine Infrastruktur-Unternehmen dazu zu bringen, öffentlich relevante live-Daten auch öffentlich zur Verfügung zu stellen und dies auch auf einer gemeinsamen Plattform zu bewerkstelligen, wäre der nächste Schritt, diese Plattform auch für Datenspenden der Bürger zu öffnen. Wenn es sie denn endlich gäbe. Die LoRaWAN-Community würde es wohl begrüßen.