Wie smart werden wir morgen wohnen?

Wohnungen, Häuser, Kieze: Alles wird smart, aber wozu das Ganze? Und: Wie geht das? Was hat sich getan, seit unser Smart-Home-Report erschienen ist?

Musterwohnungen gibt es in Berlin einige. Projekte, die smarte Produkte oder Assistenzsysteme im wahren Leben (Neudeutsch: Living Lab) testen, sind eher selten. Warum ist das so schwierig? Die Akzeptanz der Nutzer ist häufig sehr gering, weil weder die Produkte bekannt, noch deren Nutzen oder Finanzierung geklärt sind. Dazu kommt ein mangelhaftes Wissen über Einbau und Betrieb der Technik. Wer kennt sich aus und wer ist überhaupt zuständig für diese neue Smart Home Welt? Der Hausmeister, der Elektriker, der Architekt oder gar der Mieter.....? Diese Fragen bewegen kommunale Wohnungsbauunternehmen, Krankenkassen, Bildungseinrichtungen, Verbände und Netzwerke. Einige haben sich auf den Weg gemacht, um mit smarten Ideen und Produkten die Zukunft des Wohnens zu gestalten.

Eröffnung der Musterwohnung des Projektes Pflege@Quartier

Noch eine Musterwohnung? Und dann auch noch im Märkischen Viertel? „Hier geht es um mehr als einen weiteren Showroom für Smart Home Technologien“, erklärt mir Helene Böhm von der GESOBAU. Diese Wohnung ist nur der Anfang eines Projektes, das 30 Wohnungen für ältere und pflegebedürftige Bewohner mit Assistenzsystemen ausstattet und diese in bewohnten Wohnungen testen wird. Zusammen mit der AOK Nordost, Prof. Birgit Wilkes von der Technischen Fachhochschule Wildau und Partnern aus Technik und Handwerk werden diese Wohnungen bedarfsgerecht ausgestattet. Die Bewohner haben die Gelegenheit, technische Unterstützung in ihrem normalen Alltag auszuprobieren. Anders als in anderen Projekten wird die hier verbaute Technik nach Projektende 2018 nicht wieder ausgebaut. Im Gegenteil. Die Betreiber setzen darauf, dass sich Vorteile und der Nutzen im Quartier herumsprechen und weitere Interessenten,nicht zuletzt durch einen Besuch der Musterwohnung ihre Wohnung smart gestalten möchten.  Der Nutzten liegt auf der Hand: Die Mieter können länger unabhängig und selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden wohnen. Ungeklärt bleibt jedoch die Finanzierung. „Neue Geschäftsmodelle für den Einbau und Betrieb von Assistenzsystemen, das wird das Projektteam in den nächsten Monaten intensiv beschäftigen“, so die abschließenden Worte von Gabriela Seibt-Lucius des GVK-Spitzenverbandes (Projektförderer) bei der Eröffnung der Musterwohnung. Wir sind gespannt!

Mehr zur Wohnung

Veranstaltungstipps

  • Am 30.05.2017 eröffnet die Senatorin Ramona Pop den Smart Home Deutschland Award. Für Berlin gehen Kevin Willers und  Jonas Trepsdorf von der HTW Berlin mit ihrem Projekt  "Smart Camping" an den Start. Sie zeigen wie auch im Wohnmobil oder Campinganhänger smart gewohnt werden kann.
  • Das Wohnungsunternehmen Degewo AG sucht smarte Ideen für Ihre Liegenschaften und hat dazu den Wettbewerb Smart Up Your City  ausgeschrieben. Bewerbungen sind bis 11. August 2017 einzureichen.
  • Das Projekt Future Living Berlin geht in die heiße Phase. Für Ende Juli ist der Baubeginn geplant mit einem Spatenstich des Regierenden Bürgermeisters.

Wie weiter in die smarte Welt des Wohnens?

Jeder technikinteressierte Wohnungsbesitzer oder Mieter kann sich bereits heute seine eigenen vier Wände smart gestalten. Bau- und Elektromärkte sind voller Angebote. Aber Angebote, die über Komfortbedürfnisse hinausgehenden Nutzen anbieten, sind weniger präsent. Damit sind Lösungen gemeint, die helfen alltägliche Probleme zu lösen.  
Beispiele für nützliche Anwendungen:

  • Pflege- und hilfebdürftige Bewohner unterstützen
  • Energieverbräuche monitoren und senken
  • Wartung und Instandhaltung managen
  • Sicherheit vor Einbrüchen oder Brandschutz verbessern

Dass Berlin eine Mieterstadt ist (und nicht immer allein der Mieter den Nutzen hat), erschwert die Frage nach den Zuständigkeiten rund um die Wohnung. Für den Einbau und den Betrieb sind zudem Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt, die sogar erfahrenen Handwerkern und Fachplanern fehlen, da sie in den klassischen Lehr- und Ausbildungsplänen wenig Raum finden.

Es ist mehr als begrüßenswert, wenn sich kommunale Wohnungsunternehmen, Versicherungen, Planer und Handwerker auf den Weg machen, in die neue und digitale Welt des Wohnens.

Unser Smart-Home-Report