Transparenz in digitalen Zeiten: Die Möglichkeiten sind gestiegen, die Ansprüche aber auch

Transparenz und Offenheit sind uns wichtig. Deshalb haben wir uns der Initiative Transparente Zivilgesellschaft angeschlossen. Seither finden die Besucher*innen unserer Seite zehn wichtige Informationen zur Stiftung auf einen Klick. Mit Jörg Mühlbach, der bei Transparency International Deutschland die Initiative Transparente Zivilgesellschaft koordiniert, sprachen wir über die Bedeutung von Transparenz und Offenheit für unser Zusammenleben und darüber, wie man diese Werte mit Leben füllen kann. 

Portrait Jörg Mühlbach von Transparency Deutschland

Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft wurde von Transparency Deutschland ins Leben gerufen. Was hat Sie dazu veranlasst, die Initiative zu starten und welche Ziele verfolgen Sie damit? 

Der Grund ist, dass es in Deutschland keine ausreichenden gesetzlichen Pflichten zur Veröffentlichung im gemeinnützigen Sektor gibt. Ein Verein beispielsweise muss lediglich einmal im Jahr seinen Mitgliedern berichten. Das ist auch mündlich möglich. Das ist eine Situation, die für einen Kleinstverein sicher zweckmäßig ist. Eine Überlastung mit administrativen Pflichten schadet dem oft ehrenamtlichen Engagement. Der gemeinnützige Sektor in Deutschland macht jedoch rund 89 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die größten Arbeitgeber hierzulande sind gemeinnützige Organisationen und die vorherrschende Rechtsform ist die des Vereins und der Stiftung.

Die Größenverhältnisse machen deutlich, dass es eine nicht zeitgemäße Lücke gibt, die es zu schließen gilt. Auf diese Lücke wird der gemeinnützige Sektor besonders dann hingewiesen, wenn etwas schief läuft. Dieses Schieflaufen führt die Öffentlichkeit allerdings nicht auf den konkreten Fall zurück, sondern auf den gesamten Sektor. Damit geht Vertrauen verloren.

Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft hat zehn Grundanforderungen an Transparenz in gemeinnützigen Organisationen definiert, die freiwillig auf der eigenen Website veröffentlicht werden können. Organisationen, die das tun, können nach Prüfung das Logo der Initiative nutzen. Die Anforderungen sind bewusst gering gehalten. Auch kleine und mittlere Organisationen können sie erfüllen. Über 1.000 Organisationen sind bereits dabei.

Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft fördert ein Plus an Informationen, welches die Organisationen, die sich der ITZ angeschlossen haben, freiwillig anbieten und das über die gesetzlichen Veröffentlichungspflichten für gemeinnützige Organisationen in Deutschland hinausgeht. Es wird damit ein Angebot geschaffen, sich mit dem Thema Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit zu befassen, und trägt dazu bei, die Kultur der Transparenz im gemeinnützigen Sektor zu stärken.

Die Art, wie wir Informationen sammeln und austauschen, hat sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert. Auf der einen Seite ist es möglich, immer schneller weltweit zu recherchieren, auf der anderen Seite  ist nicht immer ersichtlich, wie der Datenfluss organisiert wird. Was würden Sie sagen: Sind wir dem Ziel der Transparenz in den letzten Jahren näher gekommen oder entfernen wir uns davon?

In unserem konkreten Beispiel sind wir dem sicher näher gekommen. Eine gemeinnützige Organisation hat in der Regel eine ungeheure Fülle an Informationen über die eigene Arbeit. Da stellt sich die Frage, welche Informationen wie aufbereitet und angeboten werden sollten. Es ist z.B. für Spender nicht leicht einzuordnen, was bei einer Spendenentscheidung berücksichtigt werden sollten.

Die ITZ legt zehn Informationen fest, welche einen guten ersten Überblick über eine Organisation geben. Die Informationen müssen gesammelt an leicht auffindbarer Stelle auf der eigenen Website veröffentlicht werden. So wird der interessierten Öffentlichkeit, Spendern, Vereinsmitglieder, Begünstigten, Journalisten, Zuwendungsgebern oder den eigenen Mitarbeitern die Möglichkeit gegeben, sich auf einfache Weise zu informieren und gegebenenfalls weitere Fragen zu stellen. Durch die Festlegung auf einen gemeinsamen ITZ-Standard wird Komplexität reduziert.

Auch ist der Anspruch von Interessierten gestiegen, da durch die technischen Möglichkeiten Informationen leicht bereit gestellt werden können. Das Argument, dass es zu aufwändig ist, relevante Informationen zur Verfügung zu stellen, ist praktisch weggefallen. Wir haben eine Umfrage bei unseren Unterzeichnern durchgeführt und im Durchschnitt dauert die erstmalige Umsetzung der ITZ Informationen acht Stunden. Hinzu kommen jedes Jahr zwei Stunden für die Aktualisierung der Informationen. Das ist jeder Organisation zuzumuten, die für sich in Anspruch nimmt, für die Allgemeinheit tätig zu sein, dafür um Unterstützung wirbt und steuerliche Vergünstigungen erhält.

Die Technologiestiftung engagiert sich für einen offenen Umgang mit öffentlichen Daten. Wir sind davon überzeugt, dass die Daten dazu beitragen, unser Zusammenleben besser zu verstehen und zu organisieren und auch neue wirtschaftliche Entwicklungen möglich machen. Denn in den Daten steckt sehr viel Wissen. Wie stehen Sie zu kommunalen Open Data-Strategien? 

Ich bin überzeugt davon, dass dieser Weg richtig und wichtig ist. Da es die technischen Möglichkeiten gibt, Prozesse transparenter und partizipativer zu gestalten, sprechen selten vernünftige Gründe dafür, es nicht zu tun. Im zivilgesellschaftlichen Sektor setzen wir uns für grundlegende Anforderungen an Transparenz ein. Die Präambel der ITZ lautet: „Wer für das Gemeinwohl tätig wird, sollte der Gemeinschaft sagen: Was die Organisation tut, woher die Mittel stammen, wie sie verwendet werden und wer die Entscheidungsträger sind.“ Open Data-Strategien gehen weit darüber hinaus. Eine Voraussetzung scheint aber zu sein, dass dieses Grundverständnis auch in jeder öffentlichen Verwaltung fest verankert ist.

Logo Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ)

Weiterführende Informationen zu Transparency Deutschland unter https://www.transparency.de/

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