Technologieorientierte Gründungen finden in Berlin in Hotspots statt

Neue Zahlen zeigen, wie bedeutend einige Standorte in Berlin für das Innovationsgeschehen sind.

  • 21 Prozent der innovativen Unternehmen haben ihren Standort in den Innovationshotspots Berlins.

  • 29 Prozent der technologieorientierten Unternehmen werden in Innovationshotspots gegründet (2011-2015).

  • 42 Prozent der technologieorientierten Gründungen mit Venture-Capital-Finanzierung (VC-Finanzierung) finden in den Innovationshotspots statt.

Orte mit hohem Innovationspotenzial werden beeinflusst durch die Dichte von Personen und Institutionen, die Wissen produzieren, kombinieren und kommerzialisieren. Die Innovationskraft von Clustern ist ein Erklärungsansatz für Produktivitätspotenzial und Wettbewerbsfähigkeit. In den letzten Jahren wurde die öffentliche Wahrnehmung des Themas insbesondere durch den weltweiten Erfolg regional konzentrierter Unternehmen des Silicon Valley beeinflusst, dementsprechend gibt es den Wunsch, „Valleys“ mit ähnlichem Innovationspotential zu etablieren. Wenn die räumliche Verteilung der Unternehmen dabei eine Rolle für die Leistungsfähigkeit eines regionalen Innovationssystems spielt, stellen sich auch für Berlin die Fragen: Wie verteilen sich die innovationsaktiven Unternehmen innerhalb der Stadt? Warum stellen Innovationshotspots die Orte der Zukunft für Berlin dar?

Wissens-Spillover, d.h. die Übertragung von Wissen zwischen Akteuren im regionalen Kontext (Audretsch und Lehmann 2005) gehören zu den möglichen Gründen, die Unternehmer Nähe in „Valleys“ suchen lassen. Während sowohl die Produktion von Wissen als auch der Output von innovativen Produkten, Prozessen und Dienstleistungen gut mit Indikatoren abgebildet werden kann, sind Wissens-Spillover nicht direkt messbar. Eine genauere Betrachtung der Unternehmensgründungen kann hierbei als Indikator für Wissens-Spillover dienen, da Unternehmer durch Ausnutzung von innovativem Wissen Vorteile bei der Unternehmensgründung erwarten.

Der größte Teil der Unternehmensgründungen findet in klassisch nicht innovationsnahen Sektoren statt (RBB 2017). Die in den letzten Jahren rückläufige Zahl von Unternehmensgründungen entwickelt sich parallel zur sinkenden Arbeitslosenrate, da in vielen dieser Fälle die Gründung eines Unternehmens einen Ausweg aus der Arbeitslosigkeit darstellt (Fritsch u. a. 2013). Ein Blick auf technologienahe Gründungen mit höherem innovativen Potenzial hilft, die Entstehung von Wissens-Spillover zu verstehen. Diese Gründungszahlen sind in Deutschland und insbesondere Berlin in den letzten Jahren stabil (DIW Econ 2017).

Innovationshotspots in Berlin (Innovationserhebung Berlin 2016, ZEW)

Schon bei der Innovationserhebung 2016 wurde deutlich, wie in Abbildung Nr. 1 (Kahl 2017, S. 17) zu sehen, dass innovationsaktive Unternehmen bei der Standortwahl die Innovationshotspots in Berlin bevorzugen. 21 Prozent der innovationsaktiven Unternehmen haben sich in Adlershof, City West, Kreuzberg Ost oder dem Prenzlauer Berg niedergelassen.

Heatmap technologieorientierter Gründungen in Berlin (Spotfolio, OpenStreetMap)

Eine weitergehende Analyse des Gründungsverhaltens in Berlin zeigt, dass 29 Prozent aller technologieorientierten Unternehmensgründungen in den Innovationshotspots vollzogen wurden. (Die Zahlen zu den technologieorientierten Unternehmensgründungen sowie der VC-Gründungen stammen aus einer Analyse der Spotfolio.Datenbank und enthalten technologieorientierte Gründungen der Jahre 2011 bis 2015.)

Die Agglomeration der neu gegründeten Unternehmen an Orten, an denen bereits etablierte innovationsaktive Unternehmen angesiedelt sind, kann auf folgende Gründe zurückgeführt werden:

  • Erstens ist die Nähe zu wissenserzeugenden Institutionen wie Forschungsinstituten, Hochschulen und Universitäten ein Grund für Startups, sich hier anzusiedeln. Ein klassisches Beispiel stellen Ausgründungen von Universitätsabsolvent*innen und ehemaligen Mitarbeiter*innen dar.
  • Zweitens kann die Nähe zu anderen Unternehmen und Netzwerkinfrastrukturen, wie z.B. Gründerzentren, ein Grund sein für Gründer*innen, sich für einen dieser Standorte zu entscheiden. Maßgeblich für den Erfolg von Gründungen im technologieorientierten Bereich ist der Austausch von komplexem hochspezialisierten Wissen zwischen unterschiedlichen Akteuren, welches u.a. auch ein relevante Rolle bei der Mitarbeitergewinnung spielen kann.
  • Drittens wird die räumliche Verteilung der Standorte der Unternehmensgründungen durch die Ausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten durch die öffentliche Hand bestimmt.

Die Rolle der geografischen Nähe bleibt auch im Zeitalter der Digitalisierung und der ortsunabhängigen Verfügbarkeit von Wissen wichtig. Die Notwendigkeit, komplexes Wissen in einen Wettbewerbsvorteil umzusetzen, bedingt innovative Räume. Die vorgestellten Ergebnisse bestätigen, dass bestimmte intraregionale Räume besonders attraktiv für technologieorientierte Unternehmen sind, wie auch schon von Rammer u. a. (2016) festgestellt. Kürzlich veröffentlichte Aufsätze kommen zu ähnlichen Ergebnissen u.a. für Paris (Catalini 2017), Seoul (Jang u. a. 2017) und San Francisco sowie New York (Florida und Mellander 2016).

In der Entwicklung von Produkt und Dienstleistungen ist die Finanzierung ein Kernbestandteil bei der Kommerzialisierung innovativen Wissens und ausschlaggebend für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen. VC-Finanzierung als besondere Art der Innovationsfinanzierung kann in dieser Phase Unternehmen entscheidend unterstützen. Berlin ist für die VC-Finanzierung ein zentraler Standort in Deutschland und Europa (Kahl und Scheuplein 2016). Beim Blick auf den Datensatz zu technologieorientierten Gründungen in Berlin fällt auf, dass 42 Prozent der VC-finanzierten Unternehmensgründungen im Zeitraum von 2011 bis 2015 in den Innovationshotspots stattfinden. Für VC-Investoren scheinen Innovationshotspots mit der höheren Dichte an innovationsaktiven Unternehmen und technologieorientierten Unternehmensgründungen ein Kriterium bei der Suche nach attraktiven Investments zu sein.

Heatmap technologieorientierter Gründungen mit VC-Finanzierung in Berlin (Spotfolio, OpenStreetMap)

Die verstärkte Auswahl von Unternehmen aus Innovationshotspots zeigt eine räumliche Dimension der VC-Investitionsstrategie und erweitert somit das Verständnis für die Beziehung zwischen VC-Finanzierung und Innovationsfähigkeit. Eine ähnliche Beobachtung für konzentrierte Agglomeration von VC-finanzierten Startups haben Florida und Mellander (2016) gemacht. Eine Analyse dieser Strategie sollte weiter untersucht werden, da dies Auswirkungen auf die Entwicklung der Innovationshotspots, aber auch für die restliche Innovationslandschaft Berlins hat.

Die Ansiedlung von technologieorientierten Startups in Innovationshotspots ermöglicht einen Blick auf die Zukunft der lokalen Ökonomie. Solche Orte der Zukunft beeinflussen die Entwicklung suburbaner Räume in Berlin, welche dafür sorgen, dass sich die Berliner Wirtschaft durch innovative Ideen, Produkte und Dienstleistungen dynamisch weiterentwickeln kann.


Literatur

  • Audretsch, David B., und Erik E. Lehmann. 2005. Does the knowledge spillover theory of entrepreneurship hold for regions? Research Policy 34: 1191–1202. doi:10.1016/j.respol.2005.03.012.
  • Catalini, Christian. 2017. Microgeography and the direction of inventive activity. Management Science. doi:10.1287/mnsc.2017.2798.
  • DIW Econ. 2017. Gründerindex der BBB Bürgschaftsbank. Berlin.
  • Florida, Richard, und Charlotta Mellander. 2016. Rise of the startup city: The changing geography of the venture capital financed innovation. California Management Review 59: 14–38. doi:10.1177/0008125616683952.
  • Fritsch, Michael, Alexander S. Kritikos, und Katharina Pijnenburg. 2013. Unternehmensgründungen nehmen zu, wenn die Konjunktur abflaut. DIW-Wochenbericht 80: 3–8.
  • Jang, Seongsoo, Jinwon Kim, und Max von Zedtwitz. 2017. The importance of spatial agglomeration in product innovation: A microgeography perspective. Journal of Business Research 78: 143–154. doi:10.1016/j.jbusres.2017.05.017.
  • Kahl, Julian. 2017. Innovationserhebung 2016. Technologiestiftung Berlin.
  • Kahl, Julian, und Christoph Scheuplein. 2016. Berliner Venture-Capital Report 2016. Technologiestiftung Berlin.
  • Rammer, Christian, Jan Kinne, und Knut Blind. 2016. Microgeography of innovation in the city: Location patterns of innovative firms in Berlin.
  • RBB. 2017. Gründerboom bringt fast nur Billigjobs.