Soup&Science: Suche nach der 2. Erde

Prof. Heike Rauer, Direktorin des Instituts für Planetenforschung am DLR sprach über ihre Suche nach extrasolare Planeten und was PLATO damit zu tun hat mit Wissenschaftsredakteur Thomas Prinzler im WissensWerte Lunchtalk Soup & Science von Inforadio und Technologiestiftung Berlin. Ein Bericht zur Sendung "Soup & Science Suche nach der 2. Erde" vom 09.05.2021 von Thomas Prinzler.

„Sieben Tage und sieben Nächte hatten wir so auf unserer Luftfahrt zugebracht, als wir endlich am achten eine Art von Erde in der Luft zu Gesichte bekamen, gleich einer großen, kugelförmigen, von hellglänzendem Lichte erleuchteten Insel. Wir steuerten auf sie zu, legten an, stiegen ans Land, und fanden bei näherer Untersuchung, dass sie bewohnt und angebaut war.“ Der griechische Autor Lukian von Samosota beschrieb vor knapp 2000 Jahren, wie ihn seine fiktive Reise mit einer Gruppe von abenteuerlustigen Helden zum Mond führte. Seit dem Altertum schauen Menschen in den Himmel über die Erde und fragen: Ist da wer? Gibt es da in den unendlichen Weiten des Alls bewohnte Planeten? Das sei eine interessante und spannende Frage, sagt Prof. Heike Rauer, Direktorin des Instituts für Planetenforschung des DLR in Berlin-Adlershof, sicher gibt es Planeten außerhalb der Erde. „Da sind wir die erste Generation der Menschheit, die das weiß. Aber ob es dort Leben gibt, das wissen wir natürlich noch nicht.“ Mit dieser Unsicherheit müssten die Planetenforscher*innen leben, denn da habe jede*r nur ihr/sein persönliches Gefühl für die Wahrscheinlichkeit.

Lukian, Giordano Bruno oder Immanuel Kant gingen von außerirdischem Leben aus. Als Giovanni Schiaparelli 1877 mit dem Fernrohr Kanäle auf dem Mars entdeckte, heizte das die Fantasie der Menschheit an. Aber erst 1995 wurde der erste Exoplanet um einen sonnenähnlichen Stern entdeckt: 51 Pegasi B. Inzwischen sind es über 4300 bestätigte extrasolare Planeten und einige weitere tausend Kandidaten. Und einige könnten durchaus „habitabel“ sein, also Bedingungen für Leben bieten. Die Suche nach Exoplaneten innerhalb und außerhalb unseres Sonnensystems ist Teamwork, wie Prof. Rauer betont, und sie erfordert aufwändige Weltraumteleskope wie das europäische COROT oder Kepler der USA. „Das Ziel ist ja, einen Planeten zu finden, der der Erde ähnlich ist. Das heißt, er muss klein sein, ein kleiner Gesteinsplanet sein, und er soll weit weg sein vom Stern, so dass die Oberflächentemperatur moderat ist und er vielleicht bewohnbar ist.“ Auch die geplante PLATO Mission der ESA dient diesem Ziel. Seit 10 Jahren ist Heike Rauer daran beteiligt, sie ist wissenschaftliche Koordinatorin der Mission. Die mit 26 Kameras ausgerüstete PLATO-Raumsonde soll 2026 starten, bis zu 1 Million Sterne untersuchen. Und sie wird anders als die Kepler-Mission Planeten entdecken können, die näher an ihrem Stern sind, so die Hoffnung der Planetenforscherin Rauer. Das geht nur, weil diese Sterne mit 3000 bis 4000 Grad Celsius nicht so heiß sind wie die Sonne unserer Galaxis mit etwa 6000 Grad Celsius. Und außerdem wird Plato „die Sterne genauer untersuchen mit der sogenannten Astroseismologie-Methode, um etwas über das Innere der Planeten zu erfahren. Das ist das, was Plato liefern wird für eine große Zahl von einigen Tausend von Planeten.“

Und was fasziniert Heike Rauer seit so vielen Jahren an der Astrophysik? Die ganz fundamentalen Fragen seien es, antwortet sie. „Gibt es woanders Leben? Wie ist das Planetensystem entstanden? Und die Faszination, abends an den Himmel zu schauen und sich zu fragen, was da draußen ist.“

Auf der Suche nach der zweiten Erde vergisst sie aber nicht die erste Erde. Denn da draußen im All sieht sie keine Möglichkeit der Besiedelung eines Planeten, wenn die Erde nicht mehr lebenswert ist. Sie sind hunderte von Lichtjahren entfernt, „wir haben keine Technologie, dorthin zu fliegen… Es ist nicht wirklich eine Alternative, denke ich, und wir sollten auf die Erde gut aufpassen, dass wir keine zweite brauchen.“

„Glücklich sind die Menschen, wenn sie haben, was gut für sie ist.“ Das schrieb der Philosoph Plato vor rund 2500 Jahren. Und ist Heike Rauer glücklich? „Ja, ich denke schon. Zumindest habe ich das Glück, einen faszinierenden Beruf zu haben, meinen Traumberuf.“

Das Gespräch mit Prof. Dr. Heike Rauer vom Institut für Planetenforschung am DLR führte Thomas Prinzler, Wissenschaftsredakteur Inforadio (rbb).

Der Lunchtalk Soup & Science ist eine gemeinsame Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin und Inforadio (rbb).