Persuasive 2016

Vom 5. bis zum 7. April fand die Konferenz Persuasive2016 in Salzburg statt.

"Persuasive Technologies", um die es bei der Konferenz ging, sind Technologien, die ausschließlich entworfen werden, um unser Verhalten zu beeinflussen. Die Einsatzgebiete gehen schon seit langem weit über Anwendungen im E-commerce (z.B. personalisierte Werbung) hinaus. Schon heute finden persuasive Technologien im Gesundheits-, Bildungs- wie auch Nachhaltigkeitssektor Anwendung. Dabei haben die Technologien vielen Erscheinungsformen; von Apps, über "cause-effect-Simulationen" bis hin zu Robotern und Avataren. Die persuasiven Strategien reichen von Feedback bis hin zu unbewussten Steuerungsmechanismen, wie z.B. durch Musik und Licht.

Schon heute ist unser Alltag zunehmend von diesen Technologien geprägt. Umso erstaunlicher ist es, dass der Überbegriff für diese Entwicklung kaum bekannt ist und dieser Trend somit in der deutschen Gesellschaft auch kaum diskutiert wird. Umso mehr freute ich mich, bei der Persuasive2016 eine von insgesamt 113 TeilnehmerInnen aus insgesamt 23 Ländern zu sein, denen nicht nur der Begriff geläufig war, sondern die das Feld aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachteten.

Am ersten Tag nahm ich an den zwei Workshops "Empowering Cities for Sustainable Wellbeing" und "Behavior Change Support Systems: Pillars for Persuasive Technology for Smart Societies" teil. Die Debatten während der Workshops machten den Tag abwechslungsreich und regte den ein oder anderen neuen Gedanken bei mir an. Der Abend endete bei einem kleinen Empfang des Salzburger Bürgermeisters und einem ersten Networking im Schloss Mirabell.

Die nächsten beiden Tage waren hauptsächlich von Präsentationen aktueller Forschungsprojekte geprägt. Die Lunch- und Networking-Pausen waren eine willkommene Abwechslung für alle Beteiligten, die bei jedem Vortrag etwas unruhiger auf ihren Stühlen zu werden schienen. :-)

Neben diversen Health-Apps und eCoaching-Ansätzen wurden u.a. auch interessante Ansätze von motivierenden Robotern, Avataren und ambient lighting-Technologien vorgestellt. Zu kurz kamen - meiner Meinung nach - die ethische Debatte sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den verwendeten verhaltenstheorischen Ansätzen. Auch war es schade, dass es nicht mehr praktische Anwendungsbeispiele gab. Einen möglichen Grund für die geringe Präsenz der Praktiker nannte Keynote-Sprecher Aloia (Philips), der anmerkte, dass der Begriff "Persuasive Technologies" vermutlich vielen Praktikern nicht geläufig sei und sie ihre Anwendungen deshalb nicht mit der Konferenz in Verbindung brächten.

Auch wurde mir bei der Konferenz schnell bewusst, dass es eine einheitliche Definition von "Persuasive Technologies" weder unter theoretischen noch praktischen Gesichtspunkten gibt, sorgte die Konferenz doch für mehr Klarheit im Bezug auf den Umfang des Feldes.

Bei den vielen anregenden Gesprächen mit den anderen TeilnehmerInnen, wurde meinem Vorhaben, an einem kleinen Überblick über das Feld und damit einhergehender ethischer Fragestellungen zu arbeiten, sehr viel Interesse entgegengebracht und ich verließ Salzburg mit vielen Anregungen.