„Ich hätte nicht gedacht, dass es so lustig werden würde“

Ein Kurs, der konzentriert im Team arbeitete, am Ende neben viel Spaß ein Erfolgserlebnis hatte und Schwellenängste abbauen konnte: Mit einem so positiven Ergebnis hatte Kirsten Kohlhaw, die an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Unternehmensgründung und –nachfolge lehrt, gar nicht gerechnet, als sie sich bei uns die Hacking Box auslieh. Wie sie die Box einsetzte und warum sie davon begeistert ist, erzählt sie im Interview.

Die Hacking Box erwartet man nicht unbedingt in einem Seminar, das sich mit Unternehmensgründung und –nachfolge beschäftigt. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Box einzusetzen?

Von der Hacking Box hatte ich gehört, als ich vor einiger Zeit ein Unterrichtsmodul zum Thema „Smart City“ anbot und dazu unter anderem mit der Technologiestiftung zusammenarbeitete. Damals wurde ich auf die Box aufmerksam, mit der man erste Codingerfahrungen sammeln kann. Auf dem Deutschen Entrepreneurship Education Campus (DEEC) 2018, wo Carolin Clausnitzer die Box vorgestellt hat, begegnete sie mir wieder. Nun wollte ich sie endlich selbst einmal in einer Lehrveranstaltung ausprobieren.

Ich begreife Coding als eine Form des kreativen Ausdrucks, die hilft, das eigene Problemlösungsverständnis zu trainieren, ein integraler Bestandteil des heutigen Lebens. Es ist immer hilfreich für die persönliche Entwicklung und ein offenes, unternehmerisches Mindset, neue Sprachen zu lernen.

Da es mir grundsätzlich wichtig ist, in meinen Kursen eine Balance zwischen Theorie und Praxis zu halten, fand ich diese Box interessant, die dazu auffordert, die Dinge in die Hand zu nehmen und selbst zu machen. Ich möchte, dass alle auf Erkundung gehen und nicht nur in Gedankengebäuden arbeiten. Genau das verspricht die Box. Hinzu kam, dass ich etwas zum Thema Digitalisierung anbieten wollte. Die Studentinnen und Studenten werden - egal in welchem Bereich sie unternehmerisch tätig werden - in der Zukunft in der ein oder anderen Weise mit dem Thema in Berührung kommen.

Mir ging es also nicht um High Tech, sondern um ein Grundverständnis für die Digitalisierung. Und darum, den Studierenden, die gerade im Grundstudium viel Stoff abstrakt vermittelt bekommen und gleichzeitig ganz unterschiedliche Vorerfahrungen in diesen Studiengang mit einbringen, ganz praktisches Wissen an die Hand zu geben. Ihnen andere Lern- und Team-Erfahrungen zu ermöglichen, mit einer diversen Gruppe mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen im Bereich Coding in kurzer Zeit sichtbare Ergebnisse zu erarbeiten, war das Ziel. Und was soll ich sagen: Alle diese Ziele haben wir erreicht – nur viel schneller und leichter als ich mir das im Vorfeld vorgestellt hatte.

Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet das Thema Coding so niedrigschwellig ist, man so wenig theoretisches Wissen braucht, um ein Projekt zu starten, und: dass es so lustig werden würde.

 

Wie konkret sah die Arbeit mit der Box aus?

Während der Vorbereitung, die von Carolin Clausnitzer moderiert wurde, hatte sich rausgestellt, dass rund zwei Drittel der Kursteilnehmer*innen praktisch keine Vorkenntnisse mitbrachte. Und auch die Ideen, die entstanden, waren sehr unterschiedlich: Von eine „Mini-App“ über eine Prothese bis zur automatisierten Toilettenreinigung war praktisch alles dabei. Schließlich fand sich eine Gruppe, die einen Teebeutelrausheber programmieren wollte.

Damit sind wir dann im Juni in 2x2 Doppelstunden mit der Hacking Box gestartet. Da ich das Ganze zum ersten Mal anbot, ließ ich mir von der Technologiestiftung zur Unterstützung mit Nicco Kunzmann einen Coach vermitteln, der die Gruppe betreuen sollte. Und das war wieder ein sehr guter Griff: Nicco holte alle genau da ab, wo sie mit ihren digitalen Kenntnissen standen, und ließ ihnen die Betreuung zukommen, die sie brauchten.

Am Ende hatten die Studentinnen und Studenten, die sich für die Entwicklung des Teebeutelraushebers zusammengefunden hatten, mit einem Calliope genau den Prototypen entwickelt, den sie sich vorgestellt hatten. Und auch die, die nicht am Teebeutelheber mitgearbeitet hatten, erreichten ihre selbstgesteckten Ziele.

Das Feedback aus der Gruppe war durchweg sehr positiv. Die einen haben ihr Wissen ausbauen können, die anderen erste Erfahrungen gesammelt. Ich habe erlebt, dass alle, die dabei waren, dem Thema sehr aufgeschlossen und neugierig gegenüberstanden und sich – so zumindest das Fazit im Kurs – zukünftig selbst mehr auf diesem Gebiet zutrauen.

Ich würde den Kurs jederzeit wieder anbieten. Das Einzige was ich ändern würde, wäre der zeitliche Rahmen: Anstelle von 2x2 Stunden würde ich beim nächsten Mal einen Workshop-Block von mindestens 180 Minuten ansetzen, zum Beispiel an einem Samstag Nachmittag, damit der Workflow, der sich ergibt, nicht unterbrochen wird.


Wie fanden Sie das Handling der Hacking Box?

Ich bin froh, dass ich die Hemmschwelle überwunden habe und mit dem Hacking-Modul in meinem wirtschaftswisssenschaftlichen Kurs etwas angeboten habe, was ich zunächst selbst gar nicht so genau übersehen konnte. In Carolin Clausnitzer hatte ich eine sehr gute Ansprechpartnerin – aus fachlicher Sicht, aber auch mit einem Auge für meinen Kurs und dem, was gebraucht wurde. Ich kann alle, die schon überlegt haben, ob sie die Hacking Box für ihre Zwecke nutzen könnten, daran bestärken, wirklich zuzugreifen und eigene Erfahrungen zu sammeln.