Die Zukunft der Arbeit - eine Debatte wird alt

Die Zukunft der Arbeit ist keine neue Debatte. Schon John Maynard Keynes, eigentlich skeptisch gegenüber langfristigen Vorhersagen, stellte die These auf, dass die Menschheit in 2030 nur noch 15 Stunden in der Woche arbeiten würde (Keynes 1930). Auch wenn die Vorhersage erst in 12 Jahren überprüft werden kann, gibt es derzeit keine empirischen Belege, dass aus heutiger Perspektive ansatzweise eine Durchschnittsarbeitszeit von 3 Stunden pro Tag in industrialisierten Ländern erreicht wird.

Anwendungen der künstlichen Intelligenz beleben derzeit die Phantasien mit Annahmen über tiefgreifende Auswirkungen auf die Gesellschaft. Ein maßgebliches Thema ist in diesem Zusammenhang das Ersetzen menschlicher Arbeitskräfte durch kollaborative Roboter. Wieder einmal steht nichts Geringeres als die Zukunft der Arbeit auf dem Spiel. Wahlweise wird in utopistischen bzw. dystopischen Formulierungen darüber gesprochen, was passiert, wenn es zum “Ende der Arbeit” (Rifkin, 1995) kommt. Die intuitiv einleuchtende These wird literarisch bzw. philosophisch immer wieder gerne aufgegriffen. Auch die Technologiestiftung ist mit der Frage konfrontiert und setzt sich im Austausch mit Experten aus Wissenschaft und Praxis mit den aktuellen Argumenten auseinander (Technologiestiftung 2018).

Ein Besuch beim OECD-Forum in Paris, 29.05. / 30.05.2018 zeigt u.a. bei der Diskussion zu „The Future of Work: How?“, dass der Einsatz von KI-Systemen zur Emotionalisierung auf dem internationalen Panel mit hochrangigen ökonomisch versierten Teilnehmern führt. Instabilität, wechselnde Machtverhältnisse und Balanceverschiebungen zwischen verschiedenen Sektoren sind Gründe für eine häufig ratlos geführte Diskussion, die ähnlich auch in Berlin beobachtet werden kann. Der Versuch der Teilnehmer, Ratschläge für die jüngere Generationen zu sammeln, wurde anschließend überschrieben mit dem auch im englischen verwendeten Begriff “angst”. Wenn Angst in einer Diskussion - ob in Englisch oder Deutsch - angebracht wird, dann steht es nicht gut um die Vorstellung zukünftiger Arbeitswelten.

Ein kurzer Blick in die ökonomische Forschung hilft, das gern diskutierte Zukunftsthema einzuordnen:

  • Statische Untersuchungen der Auswirkungen von Automatisierung durch u.a. KI-Systeme zeigen, dass kurz bis mittelfristig überhaupt nur für 12 Prozent der existierenden Arbeitsplätze in Deutschland durch Automatisierung bedroht sein könnten (Bonin, Gregory und Zierahn 2015).
  • Die Erwartung hoher Produktivitätssteigerung durch die Digitalisierungen haben sich bislang noch nicht erfüllt (IfW 2017, Autor 2015).
  • Eine strukturelle Veränderung des Arbeitsmarktes in Zukunft erscheint wahrscheinlich. So kann eine sinkende Nachfrage der Unternehmen nach automatisierten Tätigkeiten auch zu einer erhöhten Nachfrage nach Tätigkeiten, die nicht oder nicht einfach automatisiert werden können, führen (Acemoglu und Restrepo 2018).

Forschung kann nur den Rahmen für zukünftige Entwicklungen abstecken. Abschließende Antworten auf die Frage nach der Zukunft der Arbeit gibt seriöse Forschung, die auf Blicke in die Glaskugel verzichtet, nicht. Es können aber konkrete Beispiele aus der Arbeitswelt, reale Auswirkungen der Anwendung von KI-Technologien zeigen. So kann nicht nur die Auswirkung transformativer Prozesse in einer sich verändernden Gegenwart der Arbeit dargestellt, sondern auch die Diskussion um deren Zukunft ohne Angst geführt werden. Die Technologiestiftung wird mit der Veröffentlichung eines Reports über KI in Berlin und Brandenburg zu einer weiteren Versachlichung der Diskussion beitragen.