Smart Building: Wir sollten die digitale Entwicklung stärker für die Energiewende nutzen


Wir reden viel über die Energiewende. Aber wir müssen mehr tun: zum Beispiel in den Keller gehen und die Heizungsanlage richtig einrichten. Wir könnten alleine durch diese einfache Maßnahme jährlich eine halbe Tonne Co2 pro Kopf einsparen. Wer die Gebäudetechnik digitalisiert und smart mit Wasser und Strom umgeht,  kann noch mehr für die Energiewende tun. Smart Buildings zeigen, wie wir unser Ziel erreichen können, den CO2-Ausstoß von 11 Tonnen pro Jahr und Kopf bis 2050 auf unter 2 Tonnen zu senken, wie es der Weltklimarat fordert, um die Erderwärmung in diesem Jahrhundert auf 1,5 Grad zu beschränken. Nur wenn wir neue Technologien – und dass bedeutet die Digitalisierung - konsequent nutzen, können wir unsere Klimaziele erreichen, ohne auf Weiterentwicklung und Komfort zu verzichten.  

 

Digitalisierung geht auch im Bestand

Gebäude sind große Energiefresser: Unglaubliche 40 Prozent der Primärenergie, die wir jährlich verbrauchen, stecken wir in Gebäude. Heizung im Winter, Kühlung im Sommer, ständig warmes Wasser: Dieser Komfort kostet Energie und wir verschwenden sie. Über 60 Prozent der Heizungsanlagen in diesem Land arbeiten nicht effektiv. Die meisten, weil sie noch mit den Standardeinstellungen ab Werk laufen und nicht richtig eingestellt wurden. Also unbedingt den Heizungstechniker kommen lassen und dann bitte nicht bei der Einstellung der alten Technik stehen bleiben, sondern endlich digitalisieren. Das geht ohne großen Aufwand. Es können beispielsweise Sensoren und intelligente Ventile eingebaut werden, die eine nutzerangepasste Steuerung der Heizungsanlage unterstützen.

Smarte Systeme, die den Strom-, Wasser- oder Heizbedarf über Sensoren, Zähler und Kameras monitoren, ermöglichen eine viel effizientere Steuerung als sie selbst der fähigste Hausmeister durchführen kann – 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Erzeugt ein Smart Building dazu noch eigene Energie und ist über ein intelligentes Netz (Smartgrid) mit der Umgebung verbunden, kann problemlos dezentral der Energiemix geändert werden, egal ob die Sonne scheint oder der Wind weht.

 

Weniger Energieverbrauch, mehr Komfort

Was für die Heizung gilt, lässt sich auch auf den Wasserkreislauf übertragen: Trinkwasser müssen wir nur erwärmen, wenn es gebraucht wird. Regenwasser sollten wir an der Oberfläche belassen, wenn dessen Verdunstung dem Stadtklima zugute kommen kann. Die Beispiele machen deutlich: Bei einem intelligente Umgang mit Ressourcen muss keiner auf irgendetwas verzichten; im Gegenteil: In vielen Fällen erhöhen die digitalen Möglichkeiten sogar den Lebensstandard und die Aufenthaltsqualität in unseren Städten.

Trotzdem gibt es immer wieder Bedenken und Einwände. Viele Menschen mögen den Gedanken nicht, sich technischen Systemen anzuvertrauen. Was ist, wenn der Strom ausfällt? Wer garantiert, dass die Daten sicher übertragen werden?  Diese Einwände sind bedenkenswert. Natürlich muss mit den Möglichkeiten auch die Infrastruktur entwickelt werden und natürlich brauchen wir die rechtlichen Rahmenbedingungen. Echte Argumente gegen technologische Entwicklungen sind diese Einwände aber nicht.

Ärgerlich ist, dass die meisten Hersteller von Innovationen im Smart-Building-Bereich immer noch vor sich „herwurschteln“ und es keine offenen Schnittstellen oder technische Standards in diesem Bereich gibt. Leichte Installation und Handhabung – zu Neudeutsch Usability – sind leider noch Zukunftsmusik.

Warum fangen wir nicht einfach an?

1990 hatten wir am 7. Dezember den sogenannten Welterschöpfungstag, also den Tag, an dem für das Jahr soviel Energie verbraucht worden war, wie wir in einem Jahr gewinnen können. 2018 war dieser Energieverbrauch bereits am 1. August erreicht. Die Uhr tickt unüberhörbar. Es ist schwer zu verstehen, wieso die enormen Einsparmöglichkeiten, die sich mit Smart Building-Technologien realisieren lassen, nicht beherzter genutzt werden.