„Datenkompetenz muss zur Kernkompetenz werden“

„Datenkompetenz muss zur Kernkompetenz werden“

Interview mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop zu unserer jüngst erschienenen Studie Datenökonomie. Chancen und Rahmenbedingungen in Berlin.

Die Digitalisierung ist in vollem Gange, egal ob es um Produktionsprozesse, Dienstleistungen oder Produktentwicklungen geht. Wie kommt Berlin nach Ihrer Einschätzung mit diesem grundsätzlichen Wandel zurecht?

Ramona Pop: Die Digitalisierung bietet Potenzial für wirtschaftliches Wachstum und ein besseres gesellschaftliches Zusammenleben. Es gibt ja kaum noch eine Veranstaltung ohne e-Tickets und kaum eine Lieferung ohne digital optimierte Logistik samt Tracking. Selbst Arztpraxen verschicken digitale Terminerinnerungen. Viele dieser digitalen Angebote wurden in Berlin entwickelt. Die Unternehmen dahinter, oft aus dem Startup-Bereich, spielen in Berlin schon länger eine besondere Rolle und sind sehr erfolgreich.

Dank unserer exzellenten Universitäts- und Forschungslandschaft haben wir in Berlin das Potenzial an Talenten und Fachkräften und die Unternehmen wissen, dass sie in der Hauptstadt qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere für die digitale Arbeitswelt finden.

Allerdings gibt es auch Bereiche, in denen wir noch aktiver werden müssen. Im nächsten Schritt der Digitalisierung geht es um die bessere Organisation und Analyse der durch die Digitalisierung entstehenden Daten und letztlich deren viel intensivere Nutzung durch die Wirtschaft. Das ist der Kern einer Datenökonomie. Diese Entwicklungen aktiv anzugehen, damit tun sich viele Unternehmen schwer, nicht nur in Berlin.

Die neue, von Ihrem Haus geförderte Studie beschreibt den Wandel und fordert mehr datengetriebene Geschäftsmodelle. Zurzeit sammeln die Unternehmen zwar ihre Daten, arbeiten aber kaum mit ihnen. Was kann man tun, um das zu verändern?

Ramona Pop: Es ist zwar verständlich, dass Unternehmen, die oft seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt agieren und eine ausgewiesene Kompetenz auf ihrem Gebiet haben, laufend optimieren, aber bisher aus ihren Daten nur selten neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln oder ihre Produkte mit Daten anreichern. Aber das kann durchaus problematisch werden, weil dann andere das Geschäft mit den Daten machen.

Datensammeln reicht nicht. Die Daten sind ja nicht an sich wertvoll, sondern werden es, wenn man versteht, sie zu verarbeiten, zu analysieren und mit anderen Daten zu vernetzen.

Deshalb muss die Bereitschaft wachsen, Datenkompetenz als eigene Kernkompetenz aufzubauen und das Unternehmen entsprechend umzubauen oder sich Partner*innen zu suchen, die unterstützen können. Gerade in Berlin sind solche Partnerschaften möglich. Die Startups der Stadt haben das Know-how, das benötigt wird.

Wir werden die weitere Vernetzung zwischen der Startup-Szene und den traditionellen kleinen und mittleren Unternehmen noch stärker fördern, wir haben ja auch entsprechende Förderprogramme im Angebot. Auch die Digitalagentur wird dazu aktiv werden. Meine Verwaltung startet außerdem nach Ostern einen Dialog mit den wichtigsten unterstützenden Institutionen, um zu klären, was wir weiter machen können. Die Studie macht ja interessante Vorschläge.

Die Rahmenbedingungen kann das Land Berlin allerdings nicht alleine gestalten. Was wünschen Sie sich von Bund und EU?

Tatsächlich ist die Infrastruktur über Berlin hinaus ein ganz wichtiges Thema für die Datenökonomie. Ich kann jede Unternehmerin und jeden Unternehmer verstehen, der einen technisch und rechtlich sicheren Raum für datengetriebene Geschäftsmodelle in Europa fordert. Gaia-X ist der richtige Schritt, der jetzt auch schnell realisiert werden muss, damit die Wertschöpfung, die mit den Daten verbunden ist, wirklich vor Ort bleibt.