Das Haus der Zukunft ist im Netz

Die Digitalisierung der vorhandenen Gebäudetechnik ist gleich aus mehreren Gründen sinnvoll: Sie amortisiert sich viel schneller als die meisten denken und sie schafft einen Mehrwert – zum Beispiel für ältere Menschen, die die technische Unterstützung nutzen können, um alleine klar zu kommen. Das machten in der zurückliegenden Woche gleich zwei Veranstaltungen zu den Themen Smart Home und Smart Building deutlich.

Showstopper Kosten?

Am 19. Februar stellten wir unsere neue Studie zu Smart Building beim Wirtschaftsclub des Tagesspiegels vor. Gleich im Anschluss an die Präsentation der Studie entbrannte eine rege Diskussion: Berlin ist eine Mieter*innen-Stadt; Zusatzkosten, die durch eine Digitalisierung der Gebäudetechnik entstehen, sind schwer zu vermitteln.

Wird sich also ausgerechnet das Gebäude der Digitalisierung entziehen, weil die notwendigen Investitionen für die Modernisierung nicht in Angriff genommen werden können? Wohl kaum. Je nach technischem Stand der Heizungsanlage lassen sich zwischen 14 und 26 Prozent der bisher aufgewendeten Energie einsparen, wenn die Heizung digital gesteuert wird. Wohl gemerkt: Es geht nur um die Heizungssteuerung, nicht um das Heizsystem. Bedenkt man weiterhin, dass wir vom Einsparen fossiler, also nicht erneuerbarer Energie sprechen, wird der Nutzen noch deutlicher.

Es gibt allerdings andere Themen, die die Digitalisierung von Gebäudetechnik noch verzögern. So sind beispielsweise immer noch zu wenige Haustechniker*innen entsprechend ausgebildet. Es fehlen die technischen Standards und Schnittstellen, die bei einer Modernisierung garantieren, dass das Installierte eines Tages upgedatet und mit anderen technischen Tools verbunden werden kann. –Solche Probleme erklären, dass bei technischen Lebenszyklen von zurzeit rund 1,5 Jahren so manche*r Immobilienbesitzer*in über die Digitalisierung der Haustechnik zwar nachdenkt, die Investition aber hinauszögert.

Wohnungen, die auf ihre Bewohner*innen aufpassen

Dass und wie sich die Digitalisierung für Nutzer*innen ungeachtet aller Kosten- und Technikfragen lohnt, machte der Gast unserer zweiten Veranstaltung, Prof. Dipl.-Inf. Birgit Wilkes von der TH Wildau, am nächsten Tag bei unserer Veranstaltungsreihe Soup & Science deutlich.

Wilkes selbst spricht davon, dass sie an der „Smarten Platte“ arbeitet, also bestehenden Geschoßwohnungsbau digitalisiert. Viele ihrer Aktivitäten finden im Märkischen Viertel statt und unterstützen vor allem (aber nicht ausschließlich) ältere Menschen, die möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben wollen. Eingerichtet wurde eine Musterwohnung, in der Interessierte sich über die Möglichkeiten informieren können. Technische Details spielen keine Rolle, es geht in der Kommunikation ausschließlich um den Nutzen, der mit der Technik verbunden ist.

Gezeigt werden Systeme, die beispielsweise erkennen und weitermelden, dass die Herdplatte abgestellt werden muss oder dass jemand gestürzt ist. Fast immer sind die älteren Menschen von den Möglichkeiten der smarten Tools schnell begeistert und überwinden auch technische Hürden. Die Digitalisierung wird als Chance für mehr Lebensqualität empfunden und schnell ins Leben integriert. Dass die installierten Systeme persönliche Daten weitergeben, stört eher Verwandte, die manchmal genauer nachfragen.

Technisch, das betont Wilkes immer wieder, ist die Nachrüstung im Bestand keine große Herausforderung. Aber auch hier sind die Kosten ein Thema. Da wir alle davon profitieren, dass ältere Menschen möglichst lange selbstständig bleiben können, ist nicht einzusehen, wieso die Kosten an den Wohnungsbaugesellschaften und den einzelnen Nutzer*innen hängenbleiben, während beispielsweise die Krankenkassen sich (noch) kaum engagieren. Wo die Tools vor allem aus Komfortgründen installiert werden, liegt der Fall natürlich etwas anders. 

Kosten-/Nutzenabwägung spricht eindeutig für Digitalisierung

Fazit dieser beiden Tage rund um Smart Building und Smart Home: Wie in allen anderen Lebensbereichen ersetzen die digitalen Tools auch am und im Gebäude nicht einfach bisher Dagewesenen sondern produzieren wertvollen Zusatznutzen – Energieeinsparungen und mehr Autonomie im Alter – während die Kosten, die zumeist zuerst diskutiert werden, kein echtes Gegenargument sind. Wer sich vor diesem Hintergrund für Smart Building und Smart Home engagieren möchte, muss sich allerdings auch für die entsprechenden Rahmenbedingungen wie Berufsqualifikationen, Datensicherheit und technische Standards einsetzen.