Codingklassenfahrt auf Tour

Tag 1

„Kommt jetzt noch das mit den Computern? Warum müssen wir noch Unterricht machen, Herr Maier? Wir hatten doch heute schon voll viele Programmpunkte. Die anderen dürfen schon in den Park. Mega unfair! Voll Fies von Ihnen, Herr Maier!“

Das kann ja heiter werden! Es ist die Stunde vor dem Abendbrot, in der die Klasse den ersten Kabelkontakt hat.

Aufgabe: Mit Steckbrett, Kabel, Widerstand, Arduino eine Led zum Leuchten bringen.

Die Aufmerksamkeitsspanne für frontale Erklärungen ist nach 30 Sekunden ausgereizt. Unsere ausgedruckten Bauanleitungen ignorieren die Schülerinnen der Mädchenschule konsequent. Ich weiß, sobald die erste LED leuchtet, wird alles besser. 22 gequälte, genervte, abgestoßene Augenpaare. Wenn die LED leuchtet wird alles besser werden!

Frida (Namen geändert) hat das größte Talent genervt auszusehen, aber auch eine Powerbank dabei. Arduinokabel und Powerbank wirken wie auch immer kompatibel auf sie. Ihre LED leuchtet! Sofort springt sie auf, nimmt sich eine Handvoll bunte LEDs, als wären es Bonbons und bestückt damit das Steckbrett, nichts passiert. Plötzlich kann sie genug Aufmerksamkeit zusammenkratzen, um sich den Unterschied zwischen Reihen und Parallelschaltung erklären zu lassen. Frieda setzt das von meinem Kollegen, geduldig erklärte Wissen ohne zu zögern um. 10 bunte Lampen leuchten.

Tag 2

Ich gehe am Spielplatz vorbei. „Sara, machen wir heute wieder das mit den Computern?“

Aufgabe: Programmiere eine Lichterkette so, dass du Farben und Blinkart der Lämpchen festlegst.

Diesmal hat mein Kollege alles so vorbereitet, dass es nur wenige Schritte bis zu einem erfolgreich blinkenden Resultat sind. Nach 30 Sekunden erwarte ich den Moment, bei dem die Aufmerksamkeit einbricht. Er kommt nicht. Am Ende der Stunde wollen einige Schüler lieber bei uns bleiben und weiter machen, als Eis essen zu gehen.

Tag 3

Die Mädchen haben sich zu waschechten Nerdinnen entwickelt. Das wird klar, als sie fordern, die Vorhänge zu schließen, da die Sonne stört.

Aufgabe: Benutze die Materialien der Code Week Box, um deinen Lieblingsort in Rotenburg an der Fulda als Collage nachzubauen.

Ich präsentiere als Beispiel meinen Lieblingsort: den Park hinter der Jugendherberge. Die Seilbahn auf dem Spielplatz, Brunnen im Schloßpark und Brücken über die Fulda machen das Rennen unter Rotenburgs vielen schönen Orten.

Die Mädchen stürzen sich auf die Materialien und nach kurzer Zeit wird klar, dass meine Collage armselig und blass neben den Kunstwerken der Schülerinnen aussieht! "Wo bekommt man die Programmiersoftware her? Kann man die auf jedem Computer benutzen? Bekommt wirklich jeder so eine Box?" 

Wir schieben die Klasse durch die Tür nach draußen, denn dort wartet der Bus zum Bergwerksbesichtigungstermin. Der Abschied fällt uns schwer. Lehrer und Mädchen der Klasse 7R1 stellten sich als große Programmiertalente heraus und wuchsen uns ans Herz.

Dies war das erste Abenteuer des Projekts „Coding Klassenfahrt". Klassenfahrten bieten neben dem Kennenlernen einer neuen Umgebung und der Gemeinschaftserfahrung in der Klasse oder im Kurs eine gegenüber dem normalen Unterricht veränderte Lernsituation. Im Projekt "Coding Klassenfahrt" soll dieser Reiz des Neuen mit der Möglichkeit verbunden werden, unvoreingenommen Erfahrungen mit den Chancen der Digitalisierung zu sammeln.

Das Projekt wird im Rahmen des wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes durchgeführt und von Samsung Electronics finanziert. Ziel ist es, die digitale Bildung an unseren Schulen zu fördern.