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Nachgerechnet

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  • Rubrik Kommentar
  • Veröffentlichungsdatum 26.06.2015
Dr. Christian Hammel

Kürzlich hat die Berliner Morgenpost ihr Ranking der größten Berliner Unternehmen aktualisiert.

Ein interessantes Ranking, das ich immer mit Interesse lese. Auf Platz 2 nach der DB (21.260 Beschäftigte) steht die Charité mit 16.857 Beschäftigten. Auch Vivantes (Platz 3), die BVG (Platz 4) und etliche weitere öffentliche Unternehmen sind vertreten.Die Stiftung publiziert regelmäßig Zahlen, Daten und Fakten zur Innovation in Berlin, z.B. das Innovationsmonitoring aus 2014, die Innovationserhebung 2014 , zur außeruniversitären Forschung und zur Beschäftigung von Hochqualifizierten in Berlin.

Ich habe diese Publikationen und ein paar frisch recherchierte Zahlen  nun in einer ruhigen Minute mit dem Ranking abgeglichen und drei Fragen nachgerechnet:

  • Wie wäre die Position des Staates in diesem Ranking?
  • Wo stehen Wissenschaft und Forschung?
  • Sind die 200 größten Unternehmen auch die 200 größten Innovatoren?

Der Staat

Für die Berliner Behörden sind Zahlen bei der Berliner Senatsverwaltung für Finanzen (Beschäftigtenbericht 2014) zu finden, für die Hochschulen und viele Bundeseinrichtungen auf deren Websites. Eingeordnet in die Liste sieht das Ranking etwas anders aus: Die Schulen (36.956 Beschäftigte), die Bezirke (22.106 Beschäftigte) und die Polizei (21.609 Beschäftigte) führen dann das Ranking mit Abstand vor allen gelisteten Unternehmen. Die Finanzämter kämen auf Platz 12a (zwischen Kaiser`s und EDEKA). Die Feuerwehr (Platz 27a zwischen Sparkasse und Lidl). Auch die Amtsgerichte (Platz 28a) und die Justizvollzugsanstalten (Platz 39a) sind veritable Großunternehmen. Das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, das Bundesinnenministerium oder die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lägen immer noch im Mittelfeld der Liste.

Die Wissenschaft

Die Technische Universität käme mit 8.372 Beschäftigten auf einen respektablen Platz 9a knapp nach Daimler), die HU mit 5.803 Beschäftigten käme auf Platz 14a (knapp hinter EDEKA und Kaufland), die Freie Universität auf Platz 23a (zwischen Bayer Healthcare Pharmaceuticals und Deutscher Bank) und die Universität der Künste auf Platz 70a (nach Real). Auch die größeren Fachhochschulen würden es in die Liste schaffen (Beuth: Platz Platz 130, etwa so groß wie BSH Hausgeräte, HTW: Platz 165a, etwas größer als Pfizer). Für die außeruniversitäre Forschung gilt ähnliches: Die Fraunhofer-Gesellschaft und die Max-Planck-Gesellschaft lägen unter den TOP50. Die BAM und das Max-Delbrück-Centrum MDC haben jeweils etwas mehr Mitarbeiter in Berlin als Aldi (Platz 75), der Forschungsverbund fast ebenso viele.  Das Helmholtz-Zentrum und das Robert-Koch-Institut lägen mit etwas über 1.000 Beschäftigten noch gut im Mittelfeld der Liste und auch das Bundesinstitut für Risikobewertung käme noch auf Platz 138a.

Die Innovatoren

Die Innovationsausgaben der Berliner Wirtschaft lagen in 2014 bei etwas über 3 Mrd.€ und wurden zu knapp 60% von Unternehmen mit über 1.000 Berliner Mitarbeitern investiert, also von denen, die im MoPo-Ranking auf den ersten 111 Plätzen stehen. Nachzulesen in unserer Innovationserhebung 2014. Man darf man also davon ausgehen, dass unter diesen größten Unternehmen auch die größten Innovatoren Berlins zu finden sind. Zumindest nach den Gesamtausgaben. Insgesamt sind es nämlich rund 3.000 Unternehmen, die Innovation betreiben und der Anteil der innovierenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit bis 250 Mitarbeitern an den gesamten Innovationsausgaben ist in Berlin mit rund 25% deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (15%).

Fazit

Mit Innovationsausgaben werden neue Leistungen und Produkte entwickelt, Prototypen hergestellt, Sortimente ergänzt oder bereinigt und Herstellungsprozesse und Abläufe in Unternehmen verbessert. Das passiert natürlich auch in den Behörden. Die Einführung der e-Vergabe über die Vergabeplattform oder die Technik der Behörden, die man im Alltag sieht, zeigen das. Schade, dass es dazu keine Zahlen gibt.

Wissenschaft und Forschung sind für Berlin standortprägend und gehört als  Branche betrachtet sogar zu den großen Branchen Berlins. Hoch qualifiziertes Personal und High-Tech-Gründer aus den Einrichtungen gelten als Standortfaktoren des Innovationsstandortes.  Größe und Bedeutung der Forschung für die Region sollte man nicht übersehen, auch wenn die Institutionen in Rankings von Unternehmen naturgemäß nicht auftauchen.