Talking Treebot – Wenn Bäume mithilfe von KI sprechen lernen
Wie fühlt sich ein Berliner Straßenbaum an einem heißen Sommertag und was hat das mit dem weltweiten Klimawandel zu tun? Mit dem Talking Treebot bekommen Stadtbäume die Gelegenheit, selbst zu antworten. Denn unsere Bäume erleben mehr, als man ihnen ansieht: Hitze, Wind, trockene Sommer oder überraschende Regengüsse – der Talking Treebot gibt der grünen Lunge unserer Stadt eine Stimme und verwandelt einen gewöhnlichen Stamm in einen Gesprächspartner.
Was ist der Talking Treebot?
Der Talking Treebot ist eine kleine mobile und stromautarke Chatbox, die an einen Baum installiert werden kann und ihm so eine Stimme verleiht. Sie reagiert auf Fragen, beschreibt die unmittelbare Umgebung, ordnet Umweltbedingungen ein und erklärt, wie es sich anfühlt, im dichten Stadtraum zu stehen.
Der Prototyp ist bewusst niedrigschwellig entwickelt, sodass auch Menschen ohne technische Vorkenntnisse mit ihm sprechen können – egal ob Schulklasse, Spaziergängerin oder internationale Besuchergruppe. Der Bot erkennt unterschiedliche Sprachniveaus, wechselt mühelos zwischen verschiedenen Sprachen – auch innerhalb einer Konversation – und führt durch ein Gespräch, das leicht beginnt und überraschend tief werden kann.
Der Talking Treebot basiert auf der Annahme, dass Nähe und Kontext das Umweltbewusstsein stärken. Durch den lokalen Bezug verändert sich der Blick auf das Stadtgrün vor der eigenen Haustür. Abstrakte Themen wie Klimawandel, Hitze oder Trockenstress werden konkret und persönlich erfahrbar.
Der Treebot versteht sich nicht als wissenschaftliches Messinstrument, sondern als Vermittler zwischen Umwelt, Technologie und Stadtgesellschaft.
Wie funktioniert der Talking Treebot?
Im Inneren des Treebots arbeitet ein kleiner Mikro-Computer (Raspberry Pi 4), der als Herzstück alle weiteren Komponenten wie Mikrofon, Lautsprecher und einen Umweltsensor (BME 360) miteinander verbindet. Er erfasst Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck und nutzt diese Daten als Grundlage für die Interaktion. Jedes Frage-Antwort-Paar durchläuft einen Prozess von drei API-Calls: Im ersten Call wird die Stimme mit Hilfe von „whisper“ transkribiert und anschließend an ein LLM (ChatGPT 4-o-mini) übergeben, das die Werte auf Stress, Komfort oder Veränderung hin einordnet und einen Antworttext erstellt. Im dritten Schritt wird die Antwort mit einer Sprach-Synthese (ElevenLabs) in die Stimme des Baumes vertont.
So kann ein Baum bei Hitze erschöpft wirken, bei ausgeglichenen Bedingungen ruhiger und gelassener. Die technische Umsetzung dient dabei stets der erzählerischen Vermittlung.
Weitere technische Details sind im Projekt-Repository dokumentiert.
Wie wurde der Talking Treebot entwickelt?
Die Idee entstand Anfang 2024 aus der langjährigen Arbeit mit Stadtbäumen und dem wiederkehrenden Wunsch nach direkter Kommunikation mit der Stadtnatur. Aufbauend auf dem frühen Prototyp Kiezbot aus dem Jahr 2022 wurde der Ansatz weiterentwickelt und auf den Kontext Stadtbäume übertragen. Projekte wie Pflanzendialoge und ClimART halfen dabei Anforderungen zu schärfen und Perspektiven zu erweitern. Erste Tests fanden 2024 im Kiezlabor statt. Es folgten Präsentationen bei der Berlin Science Week, bei UrbanAI in Paris und am MIT Senseable City Lab in Boston.
Entstanden ist ein künstlerisch-technischer Prototyp, der robust für den Einsatz im Stadtraum ist und zur spielerischen Interaktion einlädt.
Wie geht es weiter mit dem Talking Treebot?
Seit November 2025 ist der Talking Treebot Teil der Dauerausstellung des CityLAB. In Kooperation mit der TU Berlin wurde er weiterentwickelt und um taktile Elemente wie capaciive yarn und LED-Effekte ergänzt, um die Interaktion zu vertiefen.
Im Rahmen der Ausstellung Tech Tales an der Technischen Universität Berlin wird untersucht, wie technologische Systeme dazu beitragen können, Umweltprozesse besser zu verstehen und nachhaltiger zu gestalten. Der Talking Treebot ist als Hands On-Objekt Teil der Ausstellung.
Ab 2026 soll der Talking Treebot erneut im Kiezlabor zum Einsatz kommen.