Blog
  • Thema Bildung
  • Thema Reallabor
  • Thema Smart City

Wie geht User Testing mit KI & jungen Zielgruppen – 3 Learnings

  • Rubrik Aus der Stiftung
  • Veröffentlichungsdatum 12.08.2025
Deborah Paluch

Was früher die BRAVO war, ist heute ChatGPT: Jugendliche und junge Erwachsene wachsen aktuell mit Künstlicher Intelligenz auf und könne jede noch so unangenehme Frage ganz einfach stellen – ohne Angst, bewertet zu werden. Wie kann ein KI-gestützter Ausbildungsassistent sie auch beim Thema Jobsuche und Zukunftsplanung an die Hand nehmen? Unsere Kollegin Deborah Paluch teilt Gelerntes aus dem User Testing mit KI und jungen Zielgruppen.

Was will ich später mal machen? Diese Frage haben wir uns alle einmal gestellt – und KI kann die heutige Generation auf viele verschiedene Weisen unterstützen, sei es beim Schreiben von Bewerbungen oder Finden von passenden (Ausbildungs-)Berufen. Genau hier setzt unser gemeinsames Projekt mit JOBLINGE an: Wir entwickeln einen KI-gestützten Ausbildungsassistenten, der junge Menschen Schritt für Schritt auf ihrem Weg zum Wunschberuf begleitet.

Hier geht’s wirklich um was: Wir wollen mit dem KI-Ausbildungsassistenten ein positives Zukunftsszenario zeichnen, das Jugendliche inkludiert und teilhaben lässt und ihnen bei großen, wichtigen Entscheidungen zur Seite steht.

Nora Ackermann :
Joblinge

Unser CityLAB-Team hat mit Tools wie Parla und BärGPT schon einige Erfahrungen gesammelt, wie man einen KI-Assistenten entwickelt, der empathisch ist und die Sprache der Nutzenden spricht und auf ihre Bedürfnisse eingeht. Neuland für uns: Eine jüngere Zielgruppe, die überwiegend der Generation Z angehört und aufgrund struktureller Benachteiligung zum einen schwieriger zu erreichen ist und zum anderen ganz andere Herausforderungen mitbringt, als wir es aus der Berliner Verwaltung kennen. Um diese diverse Zielgruppe in den Fokus von User Testings und Anforderungsworkshops zu stellen, haben wir bewährte Methoden auf sie zugeschnitten. Vielfältige Perspektiven und Einblicke gaben uns in unseren Workshops eine Gruppe an Schüler:innen, die kurz vor dem Abschluss stehen, die Teilnehmenden aus einer Berufsorientierungs-Gruppe des JOBLINGE Programms Plan A, und eine Willkommensklasse in einem Oberstufenzentrum in Berlin, dessen Hauptziel der Spracherwerb der deutschen Sprache ist.

Zusätzlich begleitet ein Jugendbeirat das Vorgehen, um uns über den gesamten Entwicklungsprozess als wertvolles Korrektiv Feedback zu geben. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir unsere Zielgruppe in keiner Projektphase aus den Augen verlieren. Was wir bisher gelernt haben, lest ihr hier.

Grafik die eine 1 zeigt

Jugendliche sind cool, unterrepräsentiert – und voller Ideen!

Wir haben mit jungen Menschen gesprochen, die in Sachen Jobsuche wenig Motivation verspürten, Sprachbarrieren hatten oder wenig Rückhalt im Elternhaus erleben. Doch sobald sie Raum bekommen, ihre Zukunft selbst zu gestalten, sprudeln die Ideen:

  • Ein KI-Assistent soll Mut machen statt Druck aufbauen.
  • Das große Thema „Zukunft“ soll greifbarer und weniger beängstigend werden.  
  • Entscheidend ist eine Ansprache auf Augenhöhe – ohne pädagogischen Zeigefinger.
Grafik die eine 2 zeigt

Methoden und Formate müssen lebensweltnah sein.

Ein langer Workshop mit Flipcharts und Post-it-Wänden? Fehlanzeige. Was bei Verwaltungsprojekten funktioniert, zieht hier nicht:

  • Kurzweilige, bildhafte Formate – von Persona-Steckbriefe mit Lieblingssnacks und “Fit check” (Kleidungsstil aussuchen) helfen, damit sich Jugendliche hineinversetzen können
  • Motivation entsteht durch Spaß am Ausprobieren, nicht durch Vernunft-Argumente. Paradox, aber wahr: Um ein digitales Produkt zu entwickeln, arbeiten wir zunächst so analog wie möglich, um Aufmerksamkeit und Kreativität zu wecken.
Grafik die eine 3 zeigt

Das Rad nicht neu erfinden

Alle Befragten nutzen bereits ChatGPT – viele lassen sich dort Bewerbungen vorschreiben. TikTok und Instagram laufen ohnehin in Dauerrotation. Für uns stellt sich die Frage: Wie können wir die bereits bekannten “Pattern” (Nutzungsverhalten) für unseren KI-Assistenten aufgreifen?

  • Unser Bot konzentriert sich ausschließlich auf Berufsorientierung und Bewerbungsprozess, statt wie andere GPTs Fragen zu allen Themen zu beantworten – durch gezielte Fragen soll er die Nutzer:innen bei ihrer Berufswahl unterstützen, anstatt sie vor ein leeres Texteingabefeld zu setzen.
  • Gamification ist nett, steht aber nicht im Mittelpunkt. Jugendliche wünschen sich vor allem eine seriöse, freundliche Begleitung, die sie nicht bevormundet.
  • Wir kombinieren bewährte KI-Technologien mit frischen, visuellen Elementen und halten die Balance zwischen einem klaren, ernsten Interface und verspielten Grafikelemente, die motivieren.
  • Auf einem Tisch liegen farbig ausgedruckte und ausgeschnittene Anziehsachen wie T-Shirts oder Hosen oder Snacks wie kleine Gummibärchentüten oder Refill-Cups.
    Arbeitsmaterialien für Persona-Steckbriefe mit Lieblingssnacks und -outfits.
  • Ein ausgefüllter Persona-Bogen mit zusammengestelltem coolen Outfit aus weiter Hose, Jacke und Beanie, Gummibärchen und Durstlöscher-Päckchen
    Ausgefüllter Persona-Bogen mit fiktivem Namen
  • Nahaufnahme Gruppentisch mit Materialien
    Die analoge Arbeit fördert Aufmerksamkeit und Kreativität.

Ausblick: Ein KI-Assistent, der da ist, wenn’s darauf ankommt

Unser KI-Ausbildungsassistent soll Jugendliche und junge Erwachse in ihrem Tempo, in ihrer Sprache und auf allen Etappen der Jobsuche unterstützen – vom ersten Nachdenken über Stärken bis zum erfolgreichen Ausbildungsbeginn. Unsere ersten Workshops und User Testings zeigen: Wenn sich junge Menschen gesehen fühlen und ein Werkzeug haben, das auf ihre Bedürfnisse bei der Jobsuche und Bewerbung eingeht, kann Selbstwirksamkeit und Motivation entstehen.

Dein Ausbildungsassistent ist ein Projekt der Technologiestiftung in Kooperation mit JOBLINGE Berlin, gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Dein Ausbildungsassistent

Dein Ausbildungsassistent nutzt KI, um Ausbildungsberufe mit individuellen Stärken zu matchen. Ein digitales Tool zur Orientierung und Unterstützung auf dem Weg in die berufliche Zukunft von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.


Zielgruppe

Jugendliche und junge Erwachsene