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Was Berlin für die nächste Phase der Verwaltungsdigitalisierung braucht

  • Rubrik Aus der Stiftung
  • Veröffentlichungsdatum 02.07.2026
Marie-Claire Krahulec

Löst sich bald der Knoten in der Verwaltungsdigitalisierung? Diese Frage stand am Ende der CityLAB Sommerkonferenz 2026 im Raum. Oliver Voß, Leiter von Tagesspiegel Background Digitalisierung & KI, Cybersecurity und Smart City, sprach mit Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin, über das neue Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, den Deutschland-Stack und BärGPT. Schnell wurde klar: Fortschritt braucht mehr als neue Anwendungen.

Nicolas Zimmer (links) und Oliver Voss (rechts) sitzen einander zugewandt auf der Bühne der CityLAB Sommerkonferenz. Nicolas Zimmer hält ein Handmikrofon und spricht hinein.
Nicolas Zimmer und Oliver Voß sprachen auf der CityLAB Sommerkonferenz 2026 über Verwaltungsdigitalisierung.

Das Gespräch „Digitalministerium, Deutschland-Stack & Co. – gelingt nun endlich die Digitalisierung der Verwaltung?“ wurde für die Veröffentlichung gekürzt und sprachlich geglättet. Die Fassung folgt dem Verlauf des Talks, ist aber kein Wortprotokoll.

Hat das neue Digitalministerium den Knoten gelöst?

Oliver Voß: Auf Bundesebene gibt es inzwischen ein eigenes Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Die Aufbauphase ist weitgehend abgeschlossen. Projekte wie der Deutschland-Stack oder eine Deutschland-App sollen vor allem die Verwaltungsdigitalisierung voranbringen. Wie ist dein erstes Fazit?

Nicolas Zimmer: Das erste Fazit ist: Es ist besser als nichts. Wir diskutieren schon seit geraumer Zeit über die Frage, wie das Verhältnis von Bund, Ländern und Kommunen in Fragen der Digitalisierung eigentlich ist. In der Problemanalyse sind wir meistens sehr gut. Was die Lösung angeht, sind wir meistens nicht ganz so gut.

Mit der Schaffung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung ist eine Strukturentscheidung getroffen worden. Am Anfang gab es natürlich eine Aufbauphase. Man musste erst einmal schauen, wo die Leute sitzen, wo sie herkommen und aus welchen Ministerien sie zusammengeführt werden.

Nun ist das Ministerium seit einem Jahr dabei. Man hat gesehen, was als Meilensteine gefeiert wurde. Im Augenblick ist das noch sehr viel Grundsatzarbeit. Man schaut sich den Deutschland-Stack an, macht Beteiligungsverfahren und bleibt mit unterschiedlichen Akteursebenen im Gespräch. Das finde ich sinnvoll und richtig.

Es gibt praktische Beispiele, auch im Bereich KI. Das finde ich gut. Aber der Kulturwandel, der notwendig ist, damit das alles funktioniert, ist noch nicht überall angekommen. Dazu gehört auch zu akzeptieren, dass man für bestimmte Fragen klarere gemeinsame Strukturen braucht. Insofern würde ich sagen: Es sieht erst einmal gut aus. Wenn man es an Ergebnissen misst, ist aber noch viel zu tun.

Was muss bis zum Ende der Legislatur geklärt werden?

Oliver Voß: Ein Jahr ist nicht viel, zumal in der Aufbauphase viele Dinge erst zusammengeführt werden mussten. Ist denn bis zum Ende der Legislaturperiode noch mit der Revolution zu rechnen?

Nicolas Zimmer: Das ist eine gute Frage. Du hast aber auch schon das schwierige politische Umfeld angesprochen, in dem das Ganze stattfindet.

Ich habe ein bisschen Sorge, dass das Digitalisierungsthema aus dem öffentlichen Diskurs etwas herausgerutscht ist. Alle haben mitbekommen: Das ist wichtig und muss gemacht werden. Gleichzeitig sind viele abwartend. Was heißt das jetzt alles? Was bedeutet generative KI? Ist das vielleicht sowieso alles Mumpitz? Muss ich mich wieder mit irgendwelchen Apps beschäftigen?

 

Im Augenblick gibt es in der Digitalisierung so etwas wie eine Katerstimmung. Da frage ich mich schon, was das für das Digitalministerium bedeutet und was am Ende der Legislaturperiode herauskommt.

Nicolas Zimmer :
Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung

Geklärt werden müssen aus meiner Sicht vor allem Finanzierungsfragen, auch mit Blick auf Bund, Länder und Kommunen. Außerdem braucht es einen guten Weg, um die vielen Teilinitiativen, die es im Augenblick gibt, in das Ganze zu integrieren.

Es gibt Initiativen wie KIPITZ, bei denen Vereine und Kommunen ganz praktisch mitentwickeln und Lösungen nutzen. So etwas geht häufig schneller, als wenn ich dafür erst einen administrativen Prozess aufsetze. Wenn es gelingt, diesen hybriden Ansatz zu ermöglichen, hat man viel gewonnen.

Was macht beim Deutschland-Stack optimistisch?

Oliver Voß: Was sind denn Dinge, die dich optimistisch machen? Welche Ansätze findest du vielversprechend?

Nicolas Zimmer: Ich finde den Deutschland-Stack gut. Man verständigt sich auf Standards und auf „API first“. Das sind Dinge, die seit vielen Jahren Industriestandard sind. Aus meiner Sicht ist das der richtige Weg.

Was mich optimistisch stimmt, ist, dass es eine Organisation gibt, die sich institutionell mit diesem Thema auseinandersetzt und es treiben kann. Das ist eine Grundvoraussetzung. Wenn es keine Ownership gibt, funktionieren Projekte meistens nicht. An dieser Stelle gibt es nun eine klare Verantwortung.

Auch die Unterstützung bei der Nutzung agentischer KI finde ich sinnvoll. Sich damit auseinanderzusetzen, Dinge auszuprobieren und einen Rahmen zu setzen, kann Unsicherheit nehmen.

Trotzdem stehen wir in Deutschland und Europa beim Thema KI vor einer größeren Herausforderung. Ich rede dabei von wirklich leistungsfähigen großen Sprachmodellen. Open Source Lösungen, wie Apertus der ETH Zürich, sind nett, aber keine Konkurrenz zu dem, was große internationale Anbieter zur Verfügung stellen. Da müssen wir in einem größeren Rahmen intensiver kooperieren.

Die Frage ist: Wie können wir in Europa eine demokratische, transparente Sprachmodelllandschaft schaffen, die auf Open Source basiert? Im Augenblick ist das noch viel zu fragmentiert.

Müssten Verwaltungs-Chatbots stärker gemeinsam entwickelt werden?

Oliver Voß: Mit BärGPT hat ihr selbst eine KI-Anwendung für die Verwaltung entwickelt. Zugleich entstehen in anderen Bundesländern eigene Lösungen. Müssten die Kräfte stärker gebündelt werden?

Nicolas Zimmer: Das ist ein total guter Punkt. Im Grunde sind diese Systeme sprachmodellagnostisch. Welches Sprachmodell darunter hängt, ist für die tatsächliche Performance wichtig. Aber im Kern nutzen sie ähnliche Schnittstellen. Man kann sie am Ende auf unterschiedlichen Modellen laufen lassen.

Dass es da einen Wettbewerb gibt, finde ich problematisch. Eine Verwaltungschat-Anwendung ist keine Rocket Science. Was wir mit BärGPT machen, finde ich großartig. Es ist aber deswegen großartig, weil es einen sicheren Rahmen bietet, um innerhalb der Verwaltung einen Chatbot zu nutzen. Außerdem stellt es domänenspezifisches Wissen bereit. Damit unterscheidet es sich von allgemeinen KI-Anwendungen.

Wenn man sich die offenen Repositories anschaut, ist das im Grunde ein RAG-System. Es basiert darauf, Verwaltungswissen bereitzustellen und bestimmte datenschutzrechtliche Voraussetzungen zu erfüllen. Für Kommunen und staatliche Stellen bedeutet das einen großen Arbeitsaufwand. Datenschutzkonzepte müssen immer wieder geschrieben werden.

Wenn man das mit einem Framework lösen könnte, bei dem alles Grundlegende einmal aufgesetzt ist und die spezifischen Erweiterungen für die jeweilige Verwaltung hinzukommen, hätte man viel gewonnen. Dann gäbe es auch eine klare Datenschutzkonzeption als Blueprint.

Oliver Voß: Passiert eine solche Bündelung schon?

Nicolas Zimmer: Im Augenblick sehe ich noch keinen konsolidierten Prozess. Vieles ist weiterhin prototypisch. Das ist vom Prinzip her nicht falsch. An manchen Stellen sind wir aber über diese Phase hinaus. Eigentlich wäre es wichtig, eine Inventur zu machen und zu schauen, welche Lösungen es gibt. Dann könnte man Entwickler:innenressourcen bündeln. Davon wäre ich ein großer Fan.

Was sagt BärGPT über öffentliche IT-Infrastruktur?

Oliver Voß: BärGPT läuft, soweit ich weiß, nicht beim Berliner ITDZ. Dabei geht es nicht um das Hosting des Sprachmodells, sondern um die Anwendungsebene. Was sagt das über die Situation der öffentlichen IT-Infrastruktur aus?

Nicolas Zimmer: Ich glaube, dass die Struktur, wie wir sie im Augenblick haben, nicht zukunftsfähig ist.

Dass wir BärGPT, also die Anwendungsebene, nicht im ITDZ gehostet bekommen und stattdessen über einen Rahmenvertrag bei einem anderen Anbieter unterkommen, ist aus meiner Sicht ein Problem. Wenn das nicht gelöst wird, bleibt es schwierig.

Das ITDZ muss auf der einen Seite Basisangebote zur Verfügung stellen. Auf der anderen Seite muss es Industriestandards anbieten und sich klar als Dienstleister verstehen.

Öffentliche Einrichtungen müssen sich in erster Linie damit beschäftigen, wie sie eine gute und effiziente Umgebung für die Verwaltung anbieten. Das ist ihr Auftrag. Der muss finanziert werden, keine Frage.

Solange Lösungen wie BärGPT oder der Data Hub Berlin keinen Zugriff auf das Landesnetz haben, bleibt das halbherzig. Das liegt auch an der Architektur des Berliner Landesnetzes und an der Gatekeeper-Rolle des ITDZ. Das muss aus meiner Sicht aufgebrochen werden. Vielleicht lösen sich einige dieser Probleme über eine Multi-Cloud-Strategie oder die Deutsche Verwaltungscloud. Aber eigentlich ist es ziemlich wahnsinnig, dass man darauf hoffen muss.

Wer bremst die Digitalisierung?

Oliver Voß: Aus dem Publikum kommt die Frage: Welche Akteure siehst du als größte Bremser auf dem Weg zur erfolgreichen Digitalisierung und Staatsmodernisierung? Und wie kommt man an ihnen vorbei?

Nicolas Zimmer: Ich glaube, diese Problemlage ist mannigfaltig.

Ein Problem sind politische Entscheidungsträger:innen, die für Themen verantwortlich sind, die sie nicht verstehen. Das sage ich ganz allgemein. Solange Menschen Entscheidungen treffen sollen, die sie nicht verstehen, machen sie sich abhängig davon, dass Berater:innen ihnen erklären, wie es funktioniert. Da kann man bereits demokratietheoretisch Fragezeichen setzen. Praktisch führt es dazu, dass nicht unbedingt die beste Lösung gefunden wird, vor allem nicht die, die zur konkreten Situation passt.

Aus meiner Sicht muss die Grundvoraussetzung sein: Wer politische Verantwortung für Digitalisierung trägt, muss grundsätzlich verstehen, was da passiert. Sonst ist es schwer, richtige Entscheidungen zu treffen und richtige Ziele zu setzen.

Dann gibt es die Verwaltung. Man zeigt gerne auf Verwaltungsmitarbeitende. Die sind aus meiner Sicht nicht das Problem. Man muss Themen entsprechend erklären und Menschen mitnehmen. Unsere Erfahrung bei der Einführung von BärGPT war, dass der Probebetrieb sehr schnell durch den Hauptpersonalrat ging. Dort wurde gesehen, dass diese Lösung für Mitarbeitende in der Verwaltung ein Vorteil sein kann.

Das funktioniert aber nur, wenn man vorher mit den Menschen spricht und ihnen erklärt, was man vorhat. Ein wesentlicher Bremser ist in diesem Fall nicht unbedingt eine Person, sondern die Art der Kommunikation.

Nicolas Zimmer :
Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung

Und schließlich gibt es ein Umfeld von technisch eher vor zehn Jahren stehengebliebenen mittelständischen IT-Dienstleistern, die trotzdem Lösungen umsetzen sollen, es nicht können und dafür Geld bekommen. Auch das ist ein Problem.

Zusammengefasst geht es um Expertise und Mut an den richtigen Stellen.

Wie passt der Deutschland-Stack zum Euro-Stack?

Oliver Voß: Noch einmal zurück auf die inhaltliche Ebene. Beim Deutschland-Stack stellt sich auch die Frage, was der USP ist, wenn es zugleich die Idee eines Euro-Stacks gibt. Wie passt das zusammen? Und besteht die Gefahr, dass am Ende mehr Komplexität entsteht?

Nicolas Zimmer: Der Unterschied zwischen einem Euro-Stack und einem Deutschland-Stack dürfte nicht sehr groß sein, weil die technischen Voraussetzungen eigentlich identisch sind. Deswegen stellt sich schon die Frage, warum man das auf unterschiedlichen Ebenen macht und ob es am Ende Abweichungen gibt, die dazu führen, dass es nicht mehr kompatibel ist. Das wäre eine schlechte Idee.

Auf der höchsten Ebene, auf der einheitliche Regelungen möglich sind, sollte man sie treffen. Wenn man sich den Deutschland-Stack und die Technologielandkarte anschaut, findet man dort viele Basistechnologien. Das ist ein Schnappschuss dessen, was im Augenblick angewendet wird.

Ich finde es gut, Standards zu definieren und Interoperabilität sicherzustellen. Man muss sich aber von dem Gedanken lösen, dass man das einmal tut und es dann dabei bleibt. Die Frage ist eher, wie man ein dynamisches System schafft, in dem Parameter beschrieben sind, aber alles darunter weiterentwickelt werden kann.

Hätten wir vor drei Jahren über KI gesprochen, wäre diese kein Thema gewesen. Das zeigt, wie fluide die Entwicklung ist. Aus meiner Sicht bräuchte es eine Stelle, die schnell Standards definieren und kommunizieren kann. Diese Standards müssen auch akzeptiert werden. Wenn Standards definiert, aber nicht umgesetzt werden, sind sie sinnlos.

Oliver Voß: Passiert das nicht über den IT-Planungsrat?

Nicolas Zimmer: Doch, es passiert schon. Da bewegt sich auch viel. Ich will das gar nicht schlechtreden. Ich habe das Gefühl, dass der IT-Planungsrat bei diesen Themen eine gute Rolle spielt und dass wir uns in die richtige Richtung bewegen.

Aber im Vergleich zu anderen Akteur:innen sind solche Strukturen oft langsamer. Wir müssen aufpassen, dass die eigentliche Diskussion nicht aus dem Blick gerät: Was will ich eigentlich in welchem Umfang digital abbilden? Wie viel Digitalisierung wollen wir an welchen Stellen? Muss alles, was technisch umsetzbar ist, auch umgesetzt werden? Ist das gutes Verwaltungshandeln? Ist das ein guter Staat?

Diese Diskussion darf nicht verloren gehen. Technokraten entscheiden sich immer für Technologie. Sie entscheiden sich aber nicht zwingend für die beste Lösung.

Wie viel Hype steckt in KI-Agenten?

Oliver Voß: Wenn man über KI in der Verwaltung spricht, fällt schnell das Stichwort KI-Agenten. Sie sollen für Verwaltung und Bürger:innen Arbeit abnehmen, Anträge suchen und ausfüllen. Wie viel Hype steckt darin? Und worüber sollten wir jetzt reden, damit wir nicht in ein paar Jahren sagen: Darüber hätten wir früher nachdenken müssen?

Nicolas Zimmer: Da steckt viel Begeisterung und Fantasie dahinter. Natürlich klingt es attraktiv, wenn ein Agent für mich ein Restaurant bucht oder mir irgendwann den ganzen Staat erledigt.

Es gibt auch Staaten, häufig Despoten-Staaten, die sagen: Ich baue mir agentische Systeme, weil ich das kann und mich nicht unbedingt mit einem Parlament herumschlagen muss. Dann funktionieren Genehmigungsverfahren vielleicht schnell, weil man alles über KI löst. Klar kann man das machen. Ich finde es aber grundsätzlich falsch.

Man muss sich zuerst fragen, ob das unter Kostengesichtspunkten wirklich die richtige Lösung ist. Wenn man sieht, wie viele Ressourcen agentische Systeme verbrauchen können, ist das nicht per se die effizienteste Variante.

Dann geht es um Alignment und um die darunterliegenden Sprachmodelle. Wer hat darüber tatsächlich Kontrolle? Wie sieht es mit Trainingsdaten aus, wie mit Gewichten, wo schlagen Biases durch? Es macht einen massiven Unterschied, mit welchem Modell ich arbeite. Ich habe hier eine Ebene, die ich überhaupt nicht kontrollieren kann, wenn ich das Sprachmodell nicht beherrsche.

Damit sind wir wieder bei der Ausgangsfrage: Ist es richtig, dass wir uns davon abhängig machen, dass Dritte die Engine für das liefern, was da gerade passiert?

Dann stellt sich auch die Frage, ob es ein erstrebenswerter Zustand ist, wenn künftig mein Agent mit deinem Agenten und einem Verwaltungsagenten über Dinge spricht, die mich am Ende gar nicht mehr berühren. Möchte ich das Primat menschlicher Entscheidungen aufgeben? Ich glaube nicht, dass das ethisch sein kann. Moral und Ethik sind keine Dimensionen, die man einem Sprachmodell überlassen darf.

Bei eher mechanischen Fragestellungen kann der Einsatz von Agenten sinnvoll sein. Sie können auch Menschen helfen, die sonst keinen Zugang zu digitalen Lösungen haben. Aber es darf nicht dazu kommen, dass wir nur noch Zuschauer:innen von Prozessen sind, die über unser eigenes Leben, unsere Umwelt und unsere Zukunft entscheiden.

Wird es in Berlin eine digitale Revolution geben?

Oliver Voß: Zum Abschluss noch eine Publikumsfrage: Wird es in Berlin eine digitale Revolution geben? Und wenn ja, wann?

Nicolas Zimmer: Revolutionen haben die Tendenz, dass sie nicht richtig vorhersagbar sind. Jedenfalls nicht von denen, die von ihnen weggefegt werden.

Ich glaube schon, dass Berlin mit all den Dingen, die in den letzten Jahren passiert sind, auf einem guten Weg ist. Das CityLAB ist ein gutes Beispiel dafür, dass man Experimentierorte zulässt und miteinander nach Lösungen sucht.

Nicolas Zimmer :
Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung

Ob die digitale Revolution kommt und wann sie kommt, kann man nicht sicher sagen. Was man mit Sicherheit sagen kann: Vor den Wahlen wird sie nicht mehr passieren. Danach muss man schauen, welche Schwerpunkte eine neue Regierungskoalition in Berlin setzt und wie sie dieses Thema priorisiert.

Ich habe ja ein bisschen gegen technokratische Lösungen gesprochen. Insofern bin ich mir nicht sicher, was die digitale Revolution umfassen soll. Wenn sie aber bedeutet, dass wir Blockaden beseitigen, die nur Ressourcen und Nerven kosten, dann bin ich hoffnungsfroh.

Ich hoffe, dass eine neue Landesregierung dieses Thema so annimmt, dass am Anfang der Legislaturperiode nicht nur etwas in die Richtlinien der Regierungspolitik geschrieben wird. Man müsste gleich vorangehen und sich ansehen: Wie sieht das digitale Ökosystem aus? Wer bekommt Geld vom Land Berlin? Welche klare Entscheidung folgt daraus?

Anders wird es nicht funktionieren.