Neujahrsinterview mit Nicolas Zimmer zur Berlin-Wahl 2026
2026 stehen die Berliner Wahlen an. Was werden die drängenden Themen sein und welche Impulse kann die Technologiestiftung dazu geben?
Die Digitalisierung und der Zugang zu digitalen Leistungen bleiben nach wie vor ein großes Thema für Berlin. Es hat sich viel getan, man kriegt schneller Termine beim Bürgeramt. Das führt aber auch dazu, dass wieder mehr Menschen ins Bürgeramt gehen, anstatt die digitalen Leistungen in Anspruch zu nehmen.
Wie können wir also digitale Leistungen attraktiver und bekannter machen? Hier geht es um Effizienz und darum, Leistungen schneller bearbeiten und Kosten senken zu können – bei persönlichen wie bei digitalen Interaktionen mit den Behörden. Denn wir haben weiter eine angespannte Haushaltslage im Land Berlin.
Auch die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz bleibt ein großes Thema: Was macht KI in und mit der Verwaltung? Das klingt vielleicht nicht nach einem Landeswahlthema, aber die Prozesse verändern sich spürbar und KI wird auch weiter eine Rolle spielen. Das merken wir nicht zuletzt an überwältigend hohen Registrierungszahlen seit Start des landeseigenen KI-Assistenten BärGPT, den wir mit unserem Team vom CityLAB Berlin in enger Abstimmung mit der Berliner Senatskanzlei entwickelt haben.
Genauso wird uns der Klimawandel weiter begleiten: Wie gehen wir in Berlin damit um, was machen wir mit dem beschlossenen Bäume-Plus-Gesetz? Das ist auch ein großes Thema für uns in der Technologiestiftung. Insbesondere deshalb, da wir uns schon viel damit beschäftigt haben, wie wir Menschen in eine klimaresiliente Stadtentwicklung einbeziehen können – zum Beispiel mit Projekten wie Gieß den Kiez und SmartWater. Nicht zu vergessen ist die Berliner Kultur, die uns im vergangenen Jahr sehr bewegt hat und auch weiterhin eine große Rolle spielen wird. Hier können wir dabei helfen, den finanziellen Druck zu verringern, indem wir mit kulturBdigital kluge Lösungen für den digitalen Wandel in der Kulturszene anbieten.
Apropos digitale Entwicklung der Hauptstadt: Berlin ist seit Ende 2025 eines der ersten Bundesländer, das eine Open-Source-Strategie hat. Was bedeutet das konkret?
Berlin ist dabei, Open Source zur Regel zu machen. Die landeseigene Strategie ist dabei weit mehr als ein Papiertiger. Sie ist die Garantie, dass wir unabhängig bleiben und uns unabhängig weiterentwickeln können. Das ist gerade jetzt wichtig, in einer Zeit, in der wir von Neuem lernen, was digitale Souveränität und die Abhängigkeit von Produkten bedeutet.
Bei den Themen, die wir als Technologiestiftung bearbeiten, stellen wir Open Source grundsätzlich in den Mittelpunkt – so auch in der Entwicklung vom prototypischen Data Hub Berlin. Basierend auf dem Open-Source-Techstack von Civitas Connect, einem gemeinnützigen, überkommunalen Verein, werden wir auch 2026 den Data Hub Berlin entlang der Bedarfe Berlins weiter implementieren und weiterentwickeln. Genau das ist auch der richtige Ansatz.
Inwiefern?
In Berlin, aber auch bundesweit, diskutieren wir viel darüber, wie Kosten reduziert werden können. Bisher passiert das häufig auf regulativer Ebene, zum Beispiel durch das Onlinezugangsgesetz oder das Einer-für-alle-Prinzip für Nachnutzungen digitaler Lösungen. Das führt allerdings auch dazu, dass nicht immer die beste Lösung gewählt wird und der Bedarf an Anpassungen größer ist als der Mehrwert. Nehmen wir das Beispiel von KfZ-Zulassungen, die überall anders und auch als digitale Leistungen unterschiedlich umgesetzt sind. Warum wird das nicht zentral geregelt? Bei der Vereinheitlichung von Leistungen wie dem Kindergeld sehen wir, dass wir für 16 Bundesländer keine 16 Lösungen brauchen. Natürlich sollte es einen Wettbewerb um die besten Ideen geben, das ist keine Frage. Bei einigen Leistungen kann es aber durchaus sinnvoll sein, auf spezifische Bedürfnisse zu schauen, die beispielsweise in Flächenstaaten anders sind als in Stadtstaaten.
Basierend auf Open Source ist Ende 2025 auch BärGPT gestartet, Berlins landeseigener KI-Assistent für die Verwaltung. Vom Prototyp hin zum Produkt – ist das eine neue Richtung von Technologiestiftung und CityLAB Berlin?
Mit BärGPT haben wir einen Prototyp in den Probe-Echtbetrieb gebracht und gezeigt: Ein kleines Team kann eine gemeinwohlorientierte KI-Lösung innerhalb kürzester Zeit entwickeln – aus einem Prototyp heraus, der sich an Nutzende richtet und nicht auf Profit aus ist.
Menschengerechte Digitalisierung ist kein philosophisches Thema für uns. Wir wollen zeigen, was möglich ist. Die logische Konsequenz daraus ist, dass wir das Mögliche dann auch umsetzen und für Berlin weiterentwickeln.
Für die Technologiestiftung und das CityLAB ist es eine Riesenchance, den Stiftungszweck in das tägliche Leben der Menschen weiterzutragen. In der letzten Sitzung unseres Kuratoriums haben wir uns deswegen entschieden, eine eigene Tochtergesellschaft zu gründen, die sich auf die professionelle Entwicklung von Produkten fokussiert.
Um das, was wir prototypisch entwickeln, in die Verstetigung zu führen, müssen wir die nötigen Strukturen schaffen – auch in rechtlicher Hinsicht. Ich sehe für die Stiftung eine Weiterentwicklung: von einem Ort, an dem wir Ideen entwickeln und testen hin zu einem Ort, an dem wir Lösungen schaffen, die wir allen Menschen zur Verfügung stellen können. Für mich persönlich ist das eine sehr wichtige Perspektive und eine, die uns alle antreibt: Digitalisierung nicht nur intellektuell, sondern auch praktisch zu denken.