Analoge Interventionen für digitale Wirkung: 5 Learnings aus dem Kiezlabor Spandau
Manches muss man sehen und anfassen, um es zu verstehen – und deswegen braucht es neben digitalen KI-Tools auch immer wieder analoge Formate, um Menschen zu beteiligen. Mit diesem Credo hat unser mobiles Kiezlabor-Team auf seinem letzten Saisonstopp durch die Berliner Bezirke dafür gesorgt, dass Menschen in Spandau aktiv in ihre Nachbarschaftsgestaltung einbezogen werden. Wie genau, erklären wir hier.
Im Kiezlabor Spandau haben wir gemeinsam mit dem Quartiersmanagement Falkenhagener Feld West, zusammen mit den Designern von OUTRA und dem Jugendclub OUTREACH, dem Raum für Beteiligung Spandau sowie weiteren lokalen Initiativen und Nachbar:innen erste Ideen für die Grünflächen im Spektefeld bei der Ladenzeile entwickelt. Die Gewobag war an der Planung beteiligt.
Mit unserem umgebauten Container standen wir den gesamten September direkt mitten vor Ort: zwischen Schulen, Wohnhäusern, Ladenstraße und Jugendclub. Dort haben wir Workshops, offene Aktionen und kleine Experimente umgesetzt und Nachbar:innen eingeladen, ihre Ideen einzubringen. Dabei waren Kinder und Jugendliche ständig präsent – kein Wunder an einem Ort mit drei Schulen und vielen Familien – und sie haben viele Momente stark geprägt.
Von Stadtmöbel-Prototypen über Wünschewimpel bis hin zu spontanen Gesprächen hat die Zusammenarbeit gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn man Bestehendes stärkt und Neues ausprobiert. Was wir dabei gelernt haben:
Kleine Intervention, große Wirkung
Manchmal reicht eine Plane und ein paar Riesen-Legosteine. Schon nach Minuten wuchsen daraus Häuser, Brücken – sogar improvisierte Rollschuhe. Fantasie, Spiel und Begegnung entstehen oft schneller, als man denkt.
- mit wenig Material entsteht sofort Bewegung im Ort
- mehr Material hätte noch mehr möglich gemacht
- kleine Impulse öffnen Räume für Neues
Die gebauten Autos wurden kurzerhand auch als Rollschuhe benutzt – die Steine waren unglaublich vielseitig.
Zwischen Action und Ruhe entsteht Teilhabe
Es braucht nicht immer Action: Wimpel nähen, besticken, dabei reden oder einfach nur zuhören – auch ruhige, meditative Aufgaben holen Menschen ab. Sie sind niedrigschwellig, alle können mitmachen.
- ruhige, meditative Aufgaben sind oft ein guter Einstieg.
- Erwachsene bleiben stehen, lachen oder helfen spontan
- solche Momente stecken an und schaffen Nähe
Es geht nicht darum, ob man den Skill beherrscht, sondern um einen niedrigschwelligen Einstieg, bei dem alle mitmachen können.
Gemeinschaft durch Kunst
Künstlerische Aktionen können starke Momente von Zugehörigkeit schaffen – und zeigen, wie öffentlicher Raum gemeinsam angeeignet werden kann. Beim Graffiti-Workshop waren Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert. Die Aktion mit Ensayos Urbanos machte Raumaneignung sichtbar: öffentlicher Raum kann gemeinsam markiert und gestaltet werden.
- künstlerische Arbeit schafft Zugehörigkeit
- alle tragen ihren Teil bei
- Raumaneignung wird greifbar
Gemeinsam haben wir den aufgeblasenen Schlauch durch den Kiez getragen, ums Kiezlabor gelegt und über die Grünfläche ausgebreitet – ein sichtbares Zeichen: Wir sind hier und nehmen öffentlichen Raum ein.
Kinder prägen den Ort – und brauchen passende Angebote
Kinder verändern die Stimmung und die ganze Atmosphäre. Wenn sie beteiligt sind, wirkt sich das auf alle aus – auch auf die Erwachsenen.
- Kinder übernehmen Verantwortung und bleiben konzentriert – auch bei Aufgaben, die Geduld erfordern
- Erwachsene lassen sich von der Begeisterung anstecken
- Parallelangebote für verschiedene Altersgruppen sind wertvoll, aber aufwendig in der Betreuung
Die Nachbarn haben noch nie gesehen, dass Kinder sich so vielfältig beteiligen – sogar beim Müllsammeln.
Auf das Bestehende aufbauen
Am meisten bewegt sich, wenn wir an da anknüpfen, was schon da ist. Lokale Akteur:innen bringen Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Kontinuität.
- Gespräche starten leichter, wenn keine Erwartungen oder Forderungen mitschwingen.
- Besonders stark: Menschen und Gruppen, die regelmäßig vor Ort aktiv sind – wie etwa die Nähgruppe.
- Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern schafft Vertrauen und wirkt nachhaltiger als einmalige Aktionen.
Als die lokalen Initiativen eingebunden waren, hatte das eine ganz andere Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit.
Mit OUTREACH konnten wir die Bauworkshops entwickeln. Die Zusammenarbeit war super und zeigt, wie gut der Jugendclub im Kiez vernetzt ist.
Ausblick: Analoge Interventionen können digitale Wirkungen verbessern – und Beteiligung sichtbar verankern
Digitale Tools wie die KI-Stadtvisionen ergänzen die analogen Formate. Gerade nach dem Kiezspaziergang konnten Nachbar:innen ihre Ideen visualisieren. Entstanden sind Bilder, die Gespräche angestoßen und Fantasie beflügelt haben. Besonders Kinder haben sehr direkt reagiert: Wenn etwa die Farben nicht passten, waren sie enttäuscht, wenn alles stimmte, waren sie hingegen begeistert. Ihre Spontaneität hat gezeigt, wie stark Visualisierungen zu Beteiligung anregen können.
Die ersten Stadtmöbel sind bereits fertig und stehen vor dem Jugendclub OUTREACH. Ihre Flanken tragen Platten, die im Graffitiworkshop von den Kindern besprüht wurden – ein sichtbares Zeichen gemeinsamer Gestaltung. Im kommenden Frühjahr soll außerdem die kleinere der beiden Grünflächen umgestaltet werden. Dafür bleiben alle Partner:innen – inklusive dem Kiezlabor – weiter im Gespräch.
Abschlussausstellung am Kiezlabor Spandau
Nach Wochen voller Workshops, Gespräche und Experimente ist es so weit: Wir zeigen, was gemeinsam entstanden ist: von Stadtmöbel-Prototypen über Graffiti bis zu Visionen fürs Quartier. Zum vielfältigen Abschluss des Kiezlabors in Spandau sind alle herzlich eingeladen:
Im Spektefeld 32–34, 25. & 26.9., jeweils 14–20 Uhr
Kiezlabor
Städte sind wichtige Inkubatoren für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen – vom sich wandelnden Klima bis zur digitalen Transformation. Doch wie können Bewohner:innen heute schon ihre Ideen einbringen und so an einer nachhaltigen Stadtentwicklung beteiligt werden? Das Modellprojekt Kiezlabor zeigt, wie Teilhabe in der Stadt aussehen kann: Mit einem energieautarken Tiny House, das durch die Berliner Bezirke tourt – und mit digitalen Methoden und Inhalten die Stadt von morgen gestaltet.