Kiezbox mit E-Ink-Display in Master-Thesis weitergedacht
Was passiert, wenn Strom ausfällt und Netze überlastet sind, wichtige Informationen aber trotzdem ankommen müssen? Die Kiezbox 2.0 wurde für genau solche Situationen erprobt. Eine Masterarbeit aus dem Projektumfeld ergänzt diesen Ansatz nun um ein prototypisches E-Ink-Display im öffentlichen Raum.
Im Projekt Kiezbox 2.0 wurde untersucht, wie ein stromautarkes Mesh-Netzwerk für Kommunikation und datenarme Informationsangebote genutzt werden kann. Der Praxistest unter Realbedingungen zeigt drei Jahre später: Im Alltag sammelt die Kiezbox Umweltdaten, im Krisenfall kann sie als lokaler Kommunikationsknoten bei Notrufen dienen.
In diesem Kontext hat Thi Ngan Ha Pham ein energieeffizientes Informations- und Notrufsystem für den öffentlichen Raum konzipiert, prototypisch umgesetzt und evaluiert. Ziel ihrer Masterarbeit war es, die bestehende Kiezbox-Infrastruktur um ein straßenseitiges E-Ink-Display zu erweitern. Auch ohne Smartphone sollen so lokale Sensordaten, amtliche Warnmeldungen und Handlungshinweise für den Krisenfall angezeigt werden können.
Ich wollte nicht nur theoretisch über etwas schreiben, sondern wirklich etwas weiterentwickeln und praktisch umsetzen.
Warum gerade ein E-Ink-Display?
Die Entscheidung für E-Ink hat einen einfachen Grund: Die Anzeige braucht wenig Energie und bleibt auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar, da das Display ohne Hintergrundbeleuchtung arbeitet. Das Display behält Inhalte sichtbar, selbst wenn zwischenzeitlich keine Stromversorgung mehr verfügbar ist. Für ein System, das unter schwierigen Bedingungen weiterlaufen soll, sind das gute Voraussetzungen.
Thi Ngan Ha Pham erweitert mit ihrem Prototypen die Kiezbox und bringt die Anzeige von Informationen zur Selbsthilfe im Krisenfall in den öffentlichen Raum, was im Rahmen des Projekts sonst nur über das Kiezbox Infoportal auf den Smartphones der Bevölkerung möglich wäre.
Wen erreicht so ein System?
Viele digitale Warnwege setzen voraus, dass Informationen aktiv abgerufen oder über ein persönliches Gerät empfangen werden können, etwa über Warn-Apps, Push-Nachrichten oder Webseiten von Behörden.
Das prototypische E-Ink-Display hingegen ist immer im öffentlichen Raum sichtbar und gleichzeitig niedrigschwellig zugänglich. Das ist vor allem relevant für Personen mit geringer digitaler Routine oder ohne mobiles Internet, ebenso für ältere Menschen oder Passant:innen, die gerade kein entsprechendes Angebot nutzen.
Mich hat interessiert: Wie können wir Technologien so gestalten, dass Städte resilienter werden und gleichzeitig möglichst inklusiv sind? Also so, dass sie wirklich alle Menschen erreichen, auch diejenigen, die keinen ständigen Zugang zu digitalen Geräten oder dem Internet haben.
Was hat die Entwicklung des Prototyps gezeigt?
Die Umsetzung war technisch anspruchsvoll. Vor allem das Zusammenspiel von Hardware und Software war aufwendiger als es auf den ersten Blick wirken mag. Auch die Auswahl der passenden Hardwareplattform war nicht schnell entschieden. Mehrere Ansätze mussten getestet werden, bis eine Lösung stabil lief.
Displays anzusteuern klingt erstmal einfach, ist aber technisch ziemlich komplex, vor allem, wenn alles energieeffizient und stabil funktionieren soll.
Eine der wichtigsten Lehren aus der Arbeit ist deshalb so simpel wie effektiv: Früh testen. Früh scheitern. Früh nachschärfen.
Ich habe vor allem gelernt, wie wichtig iteratives Arbeiten ist, also Dinge ausprobieren, Fehler machen, wieder anpassen und Schritt für Schritt besser werden.
Warum passt dieser Prototyp gut zur Kiezbox?
Die prototypische Arbeit zeigt vor allem, dass öffentliche Kommunikation nicht immer an komplexen Systemen hängen muss. Manchmal ist der sinnvollere Schritt eine einfache Anzeige an einem Ort, an dem Menschen ohnehin vorbeikommen. Technik funktioniert am Ende gerade dann gut, wenn man in der Entwicklung auch die Bedürfnisse der Menschen mitdenkt.
Zu wissen, dass die eigene Arbeit im besten Fall Menschen im Alltag oder sogar in Krisensituationen unterstützt, fühlt sich einfach gut an.
Die Arbeit entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Kiezbox-Team und wurde fachlich begleitet von Jan Knittel und Ninett Rosenfeld. Wir danken Thi Ngan Ha Pham für ihr Interesse am Projekt und die neuen Perspektiven, die sich durch ihre Arbeit ergeben. Studierende, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten möchten, finden in den Projekten der Technologiestiftung einen Rahmen, um eigene Ansätze praktisch zu erproben.
Kiezbox 2.0
Wie sieht die resiliente Stadt von morgen aus? Das zeigt das Modellprojekt Kiezbox 2.0. Mit einem alternativen stromautarken Kommunikationsnetzwerk will das Projekt kritische Kommunikationsinfrastruktur im Krisenfall aufrecht erhalten – und so die Resilienz der Smart City stärken. Kiezbox 2.0 ist eine Pilotmaßnahme der Strategie Gemeinsam Digital: Berlin. Gemeinsam Digital: Berlin ist die Smart City Strategie des Landes Berlin im Rahmen des von BMWSB und KfW geförderten Programms "Modellprojekte Smart Cities".