Deep Tech Berlin Agenda: Ein erster Schritt auf dem Weg zum Innovationsstandort Nr. 1 in Europa?
Berlin will Innovationsstandort Nummer eins in Europa werden. Den Weg dahin ebnen soll die im Berliner Senat im Juni beschlossene Deep Tech Berlin Agenda (DTBA). Unser Kollege Victor Wichmann ordnet die Strategie für uns ein und berichtet, inwiefern die Technologiestiftung einen wichtigen Beitrag zu dieser ambitionierten Vision leistet.
Ein führender Innovationsstandort zu werden ist ein ambitioniertes Ziel, das nicht allein durch politische Strategiepapiere erreicht werden kann. Mit der Mitte Juni veröffentlichten Deep-Tech Berlin Agenda (DTBA) hat die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWEB) jedoch einen wichtigen ersten Schritt gemacht: die Erarbeitung eines gemeinsamen strategischen Rahmens, der die Entwicklung und Förderung zukunftsweisender Technologien in der Hauptstadt bündeln soll.
Entworfen wurde die Agenda gemeinsam mit dem Wissenschaftsressort des Landes Berlin, zahlreichen Vertreter:innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Intermediären. Das ist wichtig, denn Innovation entsteht selten isoliert – sie braucht funktionierende Netzwerke, Austausch und die Verbindung von Forschung, Unternehmen und Kapital.
Warum besteht überhaupt Bedarf an einer solchen Strategie?
Der Bedarf für eine solche strategische Orientierung war vorhanden (siehe dazu auch unsere Handlungsempfehlungen der Studie Berliner Beitrag zur technologischen Souveränität in der Mikroelektronik). Berlin verfügt über eine starke Forschungslandschaft, eine vielfältige Start-up-Szene und zahlreiche Technologieunternehmen. Gleichzeitig fehlt es bislang an einer klaren gemeinsamen Richtung, um diese Stärken gezielt auszubauen und Berlin in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik oder Quantentechnologien international sichtbarer zu machen. Gerade vor dem Hintergrund des europäischen Ziels technologischer Souveränität kommt regionalen Innovationsstandorten eine wachsende Bedeutung zu.
Die DTBA versteht sich dabei als Berliner Beitrag zur vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) veröffentlichten Hightech Agenda Deutschland. Wie diese konzentriert sich auch die Berliner Strategie auf konkrete Technologiefelder: Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Mikroelektronik, Photonik und Quantentechnologien, Advanced Materials und Manufacturing sowie Softwaretechnologien.
Die Auswahl dieser Innovationsfelder ist nachvollziehbar: Sie verbindet bestehende Berliner Kompetenzen mit Technologien, denen in den kommenden Jahren großes Wachstumspotenzial zugeschrieben wird. Gleichzeitig ist die Agenda bewusst nicht als starres Konzept angelegt. Sie versteht sich als „lernender Handlungsrahmen“, der sich über die kommenden zehn Jahre fortlaufend weiterentwickeln soll.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die angekündigte Berlin Transfer Bridge. Sie adressiert eine der größten Herausforderungen vieler Innovationsstandorte: den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen in wirtschaftliche Anwendungen. Denn zwischen hervorragender Forschung und erfolgreichen Produkten klafft häufig eine Lücke, der sogenannte „Transfer-Gap“.
Eine Innovationsstrategie ist nur so stark wie ihre Umsetzung und die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen.
Welchen Beitrag leistet die Technologiestiftung zur Deep Tech Berlin Agenda (DTBA)?
Entscheidend für den Erfolg der DTBA wird ihre Umsetzung sein. Dafür braucht es vor allem eines: belastbare Daten. Nur wer den Status-quo kennt und Entwicklungen messen kann, kann Fortschritte bewerten und Maßnahmen gezielt nachsteuern.
Hier leisten auch bestehende und geplante Aktivitäten der Technologiestiftung einen wichtigen Beitrag. Mit der jährlichen Innovationserhebung werden Berliner Unternehmen zu ihren Innovationsaktivitäten befragt und liefern damit wichtige Einblicke in die Entwicklung der Innovationslandschaft. Ergänzend wird derzeit ein Reifegradmodell aufgebaut, mit dem zentrale Innovationsökosysteme regelmäßig bewertet werden sollen – zunächst mit Fokus auf Quantentechnologien, Mikroelektronik, Photonik und Künstliche Intelligenz. Hinzu kommen ein Technologieradar zur Beobachtung technologischer Entwicklungen im Vergleich mit internationalen Regionen sowie eine Unternehmensdatenbank, die Akteure innerhalb der Berliner Innovationsökosysteme identifizieren soll.
Diese Instrumente werden entscheidend sein, um aus einer politischen Zielsetzung eine messbare Entwicklung zu machen. Denn eine Innovationsstrategie ist nur so stark wie ihre Umsetzung und die Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen.
Die DTBA ist daher kein fertiger Fahrplan zum Innovationsstandort Nummer eins. Sie ist vielmehr ein notwendiger Ausgangspunkt. Ob Berlin sein ambitioniertes Ziel erreicht, wird davon abhängen, ob es gelingt, Strategie, Investitionen, Wissenstransfer und eine konsequente Nutzung von Daten zusammenzubringen. Der erste Schritt ist gemacht – jetzt kommt es auf die nächsten an.
Für fachlichen Austausch schreiben Sie gerne an victor.wichmann[at]ts.berlin.