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Beteiligungsprozess zu einem Berliner Kulturfördergesetz: Perspektiven aus der Fachgruppe Digitalität

  • Rubrik Aus der Stiftung
  • Veröffentlichungsdatum 05.03.2026
Annette Kleffel

Seit April 2025 hat die Berliner Kulturkonferenz einen breiten, gut durchdachten und straffen Beteiligungsprozess für ein Berliner Kulturfördergesetz organisiert: 15 Fachgruppen, mehr als 120 Mitwirkende, zahlreiche Arbeitstreffen und kulturBdigital mittendrin - nun liegt das (Zwischen-)Ergebnis vor.

Einige Vertreter:innen der Fachgruppe Digitalität v.l.n.r.: Annette Kleffel (Technologiestiftung Berlin), Sven Kriese (Landesarchiv Berlin), Xenia Kitaeva (digiS), Anja Müller (digiS), Matthias Stier (Technikmuseum Berlin), Silvia Faulstich (Technologiestiftung Berlin)

Die Berliner Kulturlandschaft ist grandios, vielfältig, dynamisch und ein unverzichtbarer Bestandteil der Stadt – und zugleich sind die Rahmenbedingungen für ihre digitale Zukunft keineswegs gesichert. Welche Eckpfeiler müsste also ein Kulturfördergesetz hierzu schaffen? Gemeinsam mit Digital-Expert:innen aus der Berliner Kulturszene hatten wir das immense Vergnügen erste Antworten zu erarbeiten. Der gerade veröffentlichte Reader „Auf dem Weg zu einem Berliner Kulturfördergesetz“ dokumentiert erstmals die Arbeit aller beteiligten Fachgruppen – ein 148 Seiten starkes Werk, das im Februar 2026 durch die Berliner Kulturkonferenz vorgestellt wurde. Die Ergebnisse unserer Fachgruppe Digitalität sind darin ab Seite 72 zu finden.

Digitalität als übergreifendes Handlungsfeld

Mit der digitalen Transformation wandeln sich Arbeits- und Verwaltungsprozesse, künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten, Infrastrukturbedarfe, Produktionsweisen und Publikumszugänge in allen Kulturbereichen. Die Ausgangslage ist jedoch schwierig. Kultureinrichtungen – insbesondere kleinere Häuser und freie Akteur:innen – kämpfen mit chronischer Unterversorgung. Es fehlen technisch qualifizierte Fachkräfte, das Grundniveau an Digitalkompetenz ist sehr heterogen, digitale Infrastruktur muss beschafft, eingerichtet und gewartet und nicht zuletzt müssen Lizenzen erneuert werden.

Kulturförderung muss diese Dynamiken berücksichtigen und geeignete Rahmenbedingungen für einen digital souveränen Kulturbereich schaffen: Die Förderung von Digitalität ist nicht beschränkt auf die Versorgung mit einer zeitgemäßen technischen Ausstattung, sondern ermöglicht auch kulturelle Praktiken, Lernprozesse und ein Umdenken, das digitale Technologien kreativ und kritisch integriert.

Digitalität in der Kulturförderung

Als Fachgruppe haben wir uns in den vergangenen Monaten analog und digital getroffen, direkt und bilateral gesprochen, mit klebenden Zetteln und geteilten Dokumenten gearbeitet, viele Mails geschickt und empfangen und so die Bedürfnisse der Berliner Kulturszene aufgenommen und gemeinsam konkrete Empfehlungen erarbeitet:

Digitale Kompetenzen im Kulturbereich stärken
Das Land Berlin fördert den kontinuierlichen Kompetenzaufbau zu digitalen Technologien innerhalb des Kulturbereichs.

Zugang zu zeitgemäßen digitalen Infrastrukturen gewährleisten
Zur Sicherstellung einer zeitgemäßen Arbeitsfähigkeit von Kulturakteur:innen und -einrichtungen zählen nicht nur die nachhaltige Versorgung mit digitaler Ausstattung und Infrastrukturen, sondern auch die Gestaltung von gemeinsamen Services und Kooperationsformen, die einen effizienten Ressourceneinsatz befördern. Zur Unterstützung der digitalen Souveränität des Kulturbereichs hinsichtlich der eingesetzten IT-Infrastrukturen sollten Maßnahmen ergriffen werden, die die Unabhängigkeit der Kulturakteur:innen gegenüber einzelnen Anbieter:innen und Produkten erhöhen.

Information, Zugang und Mitwirken des Publikums erleichtern
Kulturpolitik ermöglicht prozessorientierte, auf Teilhabe und Mitwirkung des Publikums abzielende Arbeitsweisen im Kulturbereich, stärkt die digitale Sichtbarkeit der Berliner Kulturszene und unterstützt Kultureinrichtungen in ihrer Rolle als Vermittlerin digitaler Kompetenzen.

Kulturgut-Digitalisierung vorantreiben
Das Land Berlin unterstützt Kultureinrichtungen bei der nachhaltigen Digitalisierung von analogem Kulturgut, bei der Übernahme von originär digitalem Kulturgut, bei der offen nachnutzbaren Bereitstellung und der dauerhaften Verfügbarmachung der entstehenden digitalen Objekte und Metadaten.

Fördermechanismen erweitern und flexibler gestalten
Das Land Berlin schafft Fördermodelle, die eine experimentelle, iterative Auseinandersetzung mit neuen Technologien sowie neue Arbeitsweisen unterstützen, eine nachhaltige Projektverstetigung ermöglichen und interdisziplinäre Kooperationen fördern.

Verwaltungsdigitalisierung im Dialog mit Kulturakteur:innen gestalten
Verwaltungsprozesse sollten in der Interaktion zwischen Kulturakteur:innen und Senatsverwaltung so modernisiert werden, dass sie die digitalen Bedarfe der Kulturakteur:innen berücksichtigen und effizient unterstützen.

Nächste Schritte

Mit der Veröffentlichung des Readers ist der Beteiligungsprozess nicht abgeschlossen. Vielmehr markiert er einen Zwischenstand auf dem Weg zu einem konsolidierten Gesetzesentwurf. Die Berliner Kulturkonferenz setzt die Arbeit 2026/27 fort mit der Vertiefung der Positionen der Fachgruppen, dem Dialog mit Berliner Verwaltung und Politik und der Einbindung weiterer Akteur:innen. Auch die Technologiestiftung ist mit kulturBdigital wieder mit von der Partie: Wir halten als Leitung die Fachgruppe Digitalität aktiv eingebunden und koordinieren ihre inhaltliche Arbeit auch weiterhin.

Ein herzliches Dankeschön geht an die geballte Fachgruppenexpertise von:

Silvia Faulstich (Technologiestiftung Berlin, Leitung Bereich Kultur), Xenia Kitaeva (Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin/digiS, Zuse-Institut Berlin, Wissenschaftliche Angestellte), Bernd Körte-Braun (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, Digitale Transformation), Sven Kriese, (Landesarchiv Berlin, Direktor), Jan Menden (HAU Hebbel am Ufer, Contentmanagement), Anja Müller (Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin/digiS, Leitung/Koordination, Zuse-Institut Berlin/ZIB), Dagmar Pfandzelter (Deutsche Oper Berlin, Referentin für Digitalisierung), Matthias Stier (Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, Bereichsleitung Digitale Strategie), Ralf Stockmann (Zentral- und Landesbibliothek Berlin ZLB, Direktor Digitale Entwicklung und Verbundangelegenheiten/DEVA und stellv. Vorstand), Sarah Stührenberg (Performing Arts Programm Berlin), Caroline Cecilia Tallone (Soloselbständige), Geoffrey Vasseur (Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Grundsatzreferent Digitalisierung und Nachhaltigkeit), Yvonne Zießler (Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Digitalmanagerin

kulturBdigital

Wie können Kultur und digitale Technologien sinnvoll zusammenfinden? kulturBdigital unterstützt seit 2018 Berlins Kulturszene mit Workshops, Vernetzung und Praxistipps – nachhaltig und bedarfsorientiert.


Zielgruppe

Kulturakteur:innen in Berlin