Besser teilen – das war die kulturBdigital-Konferenz 2025
Gemeinsam nutzen, gemeinsam lernen, gemeinsam gestalten: Unter dem Motto „Besser teilen“ stand die siebte kulturBdigital-Konferenz am 08. Oktober 2025 ganz im Zeichen digitaler Gemeinschaftlichkeit. Über 200 Teilnehmende aus Berliner und bundesweiten Kulturinstitutionen kamen in die ufaFabrik, um neue Wege des Teilens zu erkunden – von gemeinsamer IT-Infrastruktur über offene Tools bis zu nachhaltigen Sharing-Plattformen.
Ob Requisiten, Wissen oder digitale Kompetenzen: In Vorträgen, Panels und Workshops zeigte sich, dass Kooperation im Kulturbetrieb längst Alltag ist – aber noch viel Potenzial birgt, wenn Strukturen, Rahmenbedingungen und Ressourcen besser zusammengedacht werden.
Impulse: Teilen als kreative Strategie
Zum Auftakt der kulturBdigital-Konferenz berichteten Linnja Naujocks-Auffenberg und Doris Beckmann von den Niedersächsischen Staatstheatern Hannover über ihr Projekt „Übermorgen“, das Werkstätten und Requisiten für andere zugänglich macht, KI-basiert managt und Kompetenzaufbau über Institutionsgrenzen hinweg fördert. Ein praktisches Beispiel, wie Kooperation Innovation freisetzt.
Nikolai Wolfert (cosum.de) und Jan Philip Steimel (dingsda.org) präsentierten mit berlinleiht.de eine Meta-Suchmaschine für Berliner Leih-Initiativen – ein wichtiger Schritt hin zu einer „Sharing City Berlin“. Parallel entwickelte Medhavi Gandhi (The Heritage Lab, Indien) mit Teilnehmenden einen „Culture-Storytelling-Stack“: modulare digitale Werkzeuge, die Kulturinstitutionen weltweit befähigen, ihre Geschichten online zu erzählen, ohne alles neu entwickeln zu müssen.
In Workshops wurde das Teilen zur Praxis: Die Kulturpraktikerin Medhavi Gandhi (The Heritage Lab) lud zu einem internationalen Workshop: Gemeinsam mit den Teilnehmenden entwarf sie einen „Culture-Storytelling-Stack“ – modulare digitale Werkzeuge, mit denen Museen und Theater ihre Geschichten online erzählen können, ohne alles neu entwickeln zu müssen.
Diskussion: Infrastruktur, Wissen und Vertrauen
Wie kann Teilen auf struktureller Ebene funktionieren? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Panels „Solidarisches Teilen & Infrastruktur-Kooperation“, moderiert von Dr. Niklas Kossow (CityLAB Berlin). Fabian Kraetschmer (Stiftung Stadtmuseum Berlin), Marion Mair (Deutsche Oper Berlin) und Holger Plickert (Wikimedia Deutschland) diskutierten offen über Hürden und Chancen gemeinsamer digitaler Infrastrukturen – von Governance-Fragen bis zu Vertrauensaufbau und Wartungsverträgen.
Im Anschluss folgten kurze Tool-Pitches, die praktische Lösungen präsentierten:
- das Kulturkataster Berlin, das künftig alle Kulturorte der Stadt auf einer Karte sichtbar macht und
- das neue Online-Forum des kulturBdigital-HelpDesks, das dank Open-Source-Software nachhaltigen Wissensaustausch ermöglicht.
Beide Tools zeigen: Digitale Infrastruktur kann auch im Kulturbereich gemeinschaftlich, offen und langfristig tragfähig gedacht werden.
Kompetenzen teilen – aber wie?
Im Panel „Mind the gap“ diskutierten Xenia Kitaeva (digiS), Tabea Golgath (MWK Niedersachsen), Silvia Faulstich (kulturBdigital) und Matthias Stier (Deutsches Technikmuseum), wie Wissenstransfer und Digital Literacy langfristig verankert werden können. Parallel dazu arbeiteten Teilnehmende im Design Sprint mit den Staatstheatern Hannover an Modellen für kollektiven Kompetenzaufbau – praxisnah und kreativ zugleich.
Parallel dazu arbeiteten Teilnehmende im Design Sprint mit den Staatstheatern Hannover an Modellen, wie kollektiver Kompetenzaufbau im Theater der Zukunft aussehen kann – hands-on, kreativ und praxisnah.
Impulse am Nachmittag: Kultur gemeinsam gestalten
Am Nachmittag rückten Beispiele gemeinsamer digitaler Infrastruktur und Ressourcennutzung in den Fokus:
Annette Wostrak (Berliner Literaturkonferenz) zeigte, wie literaturstadt.berlin das literarische Leben der Hauptstadt sichtbar macht – und warum geteilte digitale Ressourcen für eine „vulnerable Kunstsparte“ existenzsichernd sein können.
Ariane Schmitt-Chandon (Stiftung Kulturzukunft Bayern) berichtete vom Kulturatlas Bayern – einer Plattform, die Standards setzt, um Daten, Tools und Wissen langfristig zu teilen.
Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin, betonte: „Digitale Souveränität ist kein Zustand, sondern eine Praxis.“
Im anschließenden Gespräch mit der Staatssekretärin für Kultur, Cerstin Richter-Kotowski, diskutierte Nicolas Zimmer, wie Berlin langfristig Shared Services für die Kultur etablieren kann – von gemeinsamer Datennutzung bis offenen Infrastrukturen.
Offene Tools, offene Zukunft
Im Foyer zeigten neue Open-Source-Tools wie der VM-1 Video-Mixer des Labors für Digitalität der HfS Ernst Busch und eine Chat-App des FEZ Berlin auf Matrix-Basis, wie gemeinsames Entwickeln konkret werden kann.
Zum Abschluss analysierte Michael Seemann (Otherwise Network) in „Die Margen der Kunst“ die Plattformökonomie und forderte die Kultur auf, sich zu organisieren, Kräfte zu bündeln und als gemeinsame Interessenvertretung sichtbarer zu werden – in Allianzen, Verbänden und Gewerkschaften.
Fazit: Teilen ist Haltung
Die kulturBdigital-Konferenz 2025 hat deutlich gemacht: Teilen ist keine rein technische Frage, sondern eine Frage der Haltung. Wer Wissen, Tools und Verantwortung teilt, gestaltet die digitale Zukunft der Kultur solidarisch, nachhaltig und souverän. Beim anschließenden Get-together wurde weiter vernetzt, geplant und ausprobiert – vielleicht schon die ersten Ideen für das nächste gemeinsame Projekt.
kulturBdigital
Wie können Kultur und digitale Technologien sinnvoll zusammenfinden? kulturBdigital unterstützt seit 2018 Berlins Kulturszene mit Workshops, Vernetzung und Praxistipps – nachhaltig und bedarfsorientiert.