1 Jahr Data Hub Berlin: Wie wird Berlin souveräner in der Datenarbeit – 5 Take-Aways
Mit quelloffener, unabhängiger Software zu einer effizienten, digitalen Verwaltung – diese Mission verfolgt nicht nur Berlins kürzlich beschlossene Open-Data-Strategie, sondern auch der Anfang 2025 als Prototyp gestartete Data Hub Berlin. Beim Praxisforum „Inside the Cube“ stellten sich die ersten Pilotprojekte vor. Was es braucht, damit der Data Hub Berlin kein weiteres Leuchtturmprojekt, sondern Berlins Hafen für die Datenarbeit wird, stellen wir in fünf Take-Aways vor.
Digitale Städte sind datengetriebene Städte. Aber längst nicht alle Verwaltungsmitarbeitende sind in der Lage, Daten abzulegen, zu verarbeiten oder zu visualisieren. Ob Cloudspeicher- und Datenbank-Tools, Werkzeuge zur Anonymisierung und Verschneidung von Daten, oder interaktive Kartenanwendungen und Dashboards: Mit dem Data Hub soll Berlins Baukasten für die souveräne Datenarbeit entstehen und damit neue, digitale Lösungen ermöglichen, die Verwaltung nicht nur digitaler, sondern auch wirksamer macht. Die Grundidee: Eine modulare Architektur und intelligente Schnittstellen erlauben es, Software-Tools wie Bausteine zu kombinieren, basierend auf dem Open-Source-Techstack des Vereins Civitas Connect.
Wie die Arbeit mit dem prototypischen Data Hub Berlin konkret aussieht, das wurde beim ersten Praxisforum „Inside the Cube“ entlang erster Pilotprojekte praktisch demonstriert und diskutiert. Welche die fünf wichtigsten Erkenntnisse mit Blick auf die digitale, datenbasierte Verwaltung der Zukunft waren, teilen wir hier.
Mehr Mut zur Arbeit mit Daten
Den Einstieg machte Tobias Weiß (Bezirksbibliothek Pankow) mit Fokus auf datenbasierte Bibliotheken. Wie viele Medien werden ausgeliehen, wer leiht was und wie können Gelder genau wie Räume effizient genutzt werden? Nach einem Jahr Data Hub Berlin berichtete Tobias Weiß von Barrieren, die sich bei der anfänglichen Arbeit mit Daten stellen – und wie man diese überwindet:
- Gerade Visualisierungen ermöglichen eine viel niedrigschwelligere Art, mit Daten zu arbeiten als Exceltabellen & Co. Ansprechende Dashboards machen Mut und Lust, die eigene Arbeit durch Daten besser zu verstehen.
- Der Wunsch, mehr technisches Know-How ins Haus zu holen wächst mit der Erkenntnis darüber, dass sich mit aufbereiteten Daten viel über Wirkung der eigenen Arbeit lernen lässt.
Daten und Menschen zusammendenken
Stephan Barthel und Julia Löser (Sozialraum Neukölln) berichteten, wie Daten in ihrer Arbeit dabei helfen, verschiedene Akteure zusammenzubringen. Als Intermediär gewährleisten sie in der Stadtteilkoordination den Informationstransfer zwischen der Verwaltung und dem Sozialraum. Wo wirken soziale Akteure, Träger und Netzwerke in Berlin-Neukölln – und wie können sie mithilfe von Online-Formular, Karten-Tool und dahinterliegender Datenbank sichtbar gemacht werden?
- Ein Rollen-Rechte-System in enger Abstimmung mit den anderen Akteuren zu entwickeln, erleichtert die datenbasierte Zusammenarbeit. Vorher war das parallele Arbeiten in Echtzeit nicht möglich und dadurch die nächsten Schritte nach der Datenerfassung erschwert.
- Die gemeinsame Arbeit mit Daten regt dazu an, sich im und außerhalb des Teams mit bisher zu wenig gestellten Fragen zu beschäftigen: Was ist der Mehrwert der erhobenen Daten? Wie können sie die interne Arbeit leichter machen? Welche Daten sollten, für mehr Input, nach außen sichtbar werden?
Fokus setzen für kuratiertes Datenwissen
Zum Monitoring der Landesgleichstellung brachten Dr. Josephine Lichteblau (SenASGIVA) und Clara Steinke (Senatskanzlei Berlin) ihre Erkenntnisse mit. Seit 1991 gibt es die Berichtspflicht für das Gleichstellungsgesetz – die Form hat sich von postalischen Briefen über Mail und Exceltabellen bis hin zum digitalen Datenprodukt gewandelt. Mit mehr Möglichkeiten zur Datenaufbereitung wächst auch die Verantwortung, die Transparenz und Verständlichkeit aufrechtzuerhalten.
- Die Daten standardisiert zu erheben und den Gleichstellungsbericht direkt digital zu erstellen, ist eine wichtige Grundlage für mehr Sichtbarkeit. So können die aufwendig erhobenen Daten der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden und mehrfach verwendet werden.
- Auch wenn es technisch die Möglichkeit gibt, Daten zu filtern, braucht es einen inhaltlichen Fokus. Anders gefragt: Wie viel passt in ein Dashboard? Und welche Informationen können für bestimmte Zielgruppen wie aufbereitet werden? Kuratierte Darstellungen und Vergleiche in Dashboards sind essenziell für einen roten Faden.
Datenflüsse beschleunigen für bessere Zusammenarbeit
Zur Digitalisierung der Bezirksregionenprofile teilte Jan Hebecker (SenSBW) Gelerntes. Damit die Stadtteilentwicklung effizienter wird, braucht es einheitliche Datenbanken und Dashboard-Templates. Bisher werden die mehrere hundert Seiten langen PDF-Profile in einem ressourcenaufwendigen Verfahren erstellt und sind oft schon bei Veröffentlichung veraltet. Der Data Hub kann dabei helfen, Datenflüsse zu beschleunigen und den Fokus auf die inhaltliche, fachliche Zusammenarbeit in Bezirken und Senatsverwaltung zu legen:
- Daten müssen auch bei personellen Wechseln in den Dienststellen kontinuierlich einlaufen – wenn die Aktualität gegeben ist, können Berichte sich auch zu einem Schaufenster für die Öffentlichkeit wandeln. Die Veröffentlichung der Daten sorgt wiederum dafür, dass es mehr Interpretationshilfen braucht.
- Dashboards müssen für unterschiedliche Zielgruppen – von „Power Usern“ bis zu technologisch weniger versierten Menschen – passgenau aufbereitet werden. Im behördenübergreifenden Datenaustausch liegt das große Potenzial, das Räderwerk der Verwaltung durch standardisierte Schnittstellen effizienter zu verzahnen.
Vom Leuchtturm zum Hafen: Berlins Daten-Rückgrat nachhaltig aufbauen
Zum Abschluss unterstrichen Ralf Leufkes (Civitas Connect) und Martina Kuhaupt (Senatskanzlei Berlin) die Notwendigkeit einer nachhaltigen und integrierten Infrastruktur: Als kommunal fokussierter Verein zielt Civitas Connect darauf ab, das Setup urbaner Datenplattformen zu vereinfachen und zu beschleunigen, um technologische Redundanzen zu vermeiden. Ein zentraler Baustein ist hierbei ein effektives Rollen-Rechte-Management, das autonomes Arbeiten in einem kooperativen Umfeld ermöglicht und sicherstellt, dass die Verwaltungsmitarbeitenden zur souveränen Bedienung der Plattformen befähigt werden. Martina Kuhaupt ergänzte, dass der Data Hub kein isoliertes „Leuchtturmprojekt“ sein soll, sondern als „Hafenprojekt“ Berlins Daten-Rückgrat werden muss. Dafür bedarf es eines verbindlichen rechtlichen Rahmens, einer klaren Governance durch Regeln und Standards sowie eines Target Operating Models, um feste Organisationsstrukturen und eine Verantwortungskultur zu etablieren.
Data Hub Berlin
Verkehrsfluss, Luftqualität, digitale Verwaltung – Daten sind essenziell für die Smart City Berlin. Doch oft bleiben sie verstreut und ungenutzt. Der Data Hub Berlin, eine zentrale urbane Datenplattform, soll das ändern.