Workshop Urbane Produktion

Vorgestern hatte die Technologiestiftung zum Workshop "Urbane Produktion - Berliner Mischung 2.0" eingeladen um die Frage "Braucht Berlin urbane Produktion? Und wenn ja, welche?" zu beleuchten.

Im Veranstaltungsort Flughafen Tempelhof wurden diese Frage neben den Fragen "Wie bleibt Berlin gemischt?" und "Wie organisieren wir Leben und Arbeiten im Quartier?" heiß diskutiert. Der Workshop startete mit einem sehr inspirierenden Auftakt von Dr. Busso Grabow, der die Keynote sprach, sowie drei Plädoyers von Ulrich Misgeld (Vorstand Unternehmenernetzwerk Motzener Straße), Thorsten Tonndorf (SenStadt/Referatsleiter Stadtentwicklungsplanung) und Ela Kagel (freie Kuratorin und Produzentin des Projektes Supermarkt). Im Anschluss wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt, um die oben genannten Fragen nicht nur zu diskutieren, sondern auch möglichst konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.

Die Gruppen waren sehr unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung, was die Diskussionen durchaus beflügelte. Die Mitarbeit aller Gruppen war dabei sehr proaktiv. Schnell wurde deutlich, dass die Gruppen sich teils stark in ihrem Fokus unterschieden, bei anderen Themen aber auch große Übereinstimmung zwischen den Gruppen herrschte. In drei Schritten sammelten die Gruppe zuerst individuelle Gedanken der Teilnehmer zu den drei Fragen, diskutierte diese und versuchte Überschriften und Cluster zu identifizieren. Diese wurden genutzt, um konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Ein gewisser natürlicher Chaos-Effekt führte zu erfreulich offenem Denken.

Während die Frage "Braucht Berlin urbane Produktion?" sehr klar und eindeutig mit "Ja" beantwortet wurde, wurde die Debatte darüber, welche, deutlich komplexer. Die ursprünglich schnell getroffene Aussage, dass in einem urbanen Raum nur solche Produktionen anzusiedeln seien, die wenig Emissionen verursachen, wurde schnell hinterfragt. Es wurde darauf hingewiesen, dass man dazu den "urbanen" Raum differenzieren müsse. Auch wurde darauf hingewiesen, dass es durchaus nötig sei, die bereits vorhandenen industriellen Produktionen in der Stadt zu halten und nicht nur danach zu schauen, welche potentiell neuen Produktionen sich neu ansiedeln könnten. Eine Handlungsempfehlung, die sich deshalb z.B. aus diesem Diskurs ableitete, war, dass es nicht nur darum gehen könne, Unternehmen in die Innenstadt zu bringen, sondern durchaus auch darum, Wohnen außerhalb des S-Bahn-Rings und nahe großer Industrien attraktiv zu gestalten.

Die Frage, wie Berlin gemischt bleiben kann, endete in einer Gruppe unter anderem mit der Kernaussage, dass übergeordnete Organisation notwendig seien und zweitens einem klaren Bekenntnis aller Akteure zur Diversität. Um diese übergeordnete Organisation zu gewährleisten, wurde z.B. die  Stärkung der Flächenmanagement-Instrumente gefordert. Auf der anderen Seite war eine Empfehlung aber auch, vermehrte Anreize zu schaffen, die Flächeneigentümerinnen und -eigentümer zu motivieren, in Diversität zu investieren.

Die Frage, wie wir urbanes Leben und Arbeiten im Quartier organisieren, kam etwas kurz. Damit leider auch Betrachtungen dazu, wie wir Stoffströme in einer gemischten Stadt organisieren können. Es wurde aber auch angemerkt, dass diese Frage nicht ohne Betrachtungen der Maßstäblichkeit und Verträglichkeit zu betrachten sei. Andererseits wurde aber auch konkret darauf hingewiesen, dass die Mischung von Arbeiten und Leben im Quartier nicht möglich sei, ohne dass für die Integration aller Betroffenen gesorgt wird. Dies widersprach also vorausgehenden Empfehlungen, top-down Lösungen zu entwickeln. Um diese Integration in die Tat umsetzen zu können, wurden u.a. Quartiersinkubatoren und living labs vorgeschlagen.

Als Auftakt aller folgenden Maßnahmen wurde zu guter Letzt noch einmal die notwenige Bekenntnis für Industrie im Wirtschaftsstandort Berlin hervorgehoben.

Meiner Meinung nach war der Workshop ein voller Erfolg und hat viel Spaß gemacht. Die vielseitigen Ansätze während der Diskussionen haben spannende Inhalte geliefert. Ich bin sehr zuversichtlich, dass der im kommenden Jahr dazu erscheinende Report meiner Kollegin Caroline Erbstößer maßgeblich zur Schärfung des Themas beitragen wird.