„Wir wollen eine am Gemeinwohl orientierte Digitalisierung“

Am 12. Juni 2019 eröffnete der Regierende Bürgermeister Michael Müller das CityLAB Berlin. Die Technologiestiftung wird es in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei betreiben. Ein Interview dazu mit Dr. Benjamin Seibel, Leiter des CityLABs Berlin.

Bei der Eröffnung des CityLABs am letzten Mittwoch hast Du gesagt, das Lab solle zu einem digitalen Wandel beitragen, der allen in der Stadt zugute kommt. Ja, Du sprachst sogar davon, dass die Vorteile des digitalen Wandels zurzeit ungleich verteilt wären. Was hast Du damit gemeint?

Benjamin Seibel: Die erste Smart City-Welle war sehr stark von technologischen und unternehmerischen Visionen geprägt. Die sozialen Konsequenzen dieser Entwicklung wurden oft nicht hinreichend reflektiert. Heute sehen wir aber, dass die Art und Weise, wie wir Digitalisierung in Städten gestalten, ganz reale Auswirkungen auf unser Zusammenleben hat. Eine Stadt wie Berlin hat ein Eigeninteresse, Digitalisierung so zu gestalten, dass Bürger*innen ein lebenswertes Umfeld vorfinden.

Nehmen wir die vielen neuen Mobilitätsanbieter, die gerade in den Markt drängen. Deren Ziel ist ja zunächst mal einfach Profitmaximierung. Als Bürger*in sind mir aber auch andere Dinge wichtig – weniger Lärm und Stau, bessere Luft, Flexibilität, Sicherheit oder auch ein verantwortlicher Umgang mit meinen Daten. Da kann man sich nicht nur daran orientieren, was für Unternehmen lukrativ ist.  Vielmehr sollten die Bedarfe der Menschen vor Ort im Mittelpunkt stehen.

Die Digitalisierung eröffnet ja auch neue Formen der Teilhabe und gerade in Berlin gibt es unglaublich viele kreative Ideen, wie man die Stadt besser machen kann. Es geht darum, Möglichkeitsräume zu schaffen, wie Menschen sich einbringen können.

Und das CityLAB Berlin ist der Platz in Berlin, an dem diese Digitalisierung mit vorangetrieben werden soll?

Benjamin Seibel: Ja, wir wollen einen Ort für digitale Projekte schaffen, die der Stadt zu Gute kommen. Solche Projekte können aus der Zivilgesellschaft kommen, aus Wirtschaft, Wissenschaft oder aus der öffentlichen Verwaltung. Wir wollen neue Formen der Kooperation und neue Methoden der Projektarbeit ausprobieren. Und wir wollen die Perspektiven der jeweiligen Zielgruppen viel früher und stärker einbeziehen als bisher. Wenn man eine digitale Schule plant, sollte man das zusammen mit Schüler*innen machen und wenn man neue Tools für die Radwegeplanung testet, sollten Radfahrende mit am Tisch sitzen. Klingt selbstverständlich, ist es aber oft nicht.


Wie kommt man in Kontakt mit Euch? Kann man einfach vorbeikommen?

Benjamin Seibel: Wer eine konkrete Projektidee mit uns besprechen oder eine eigene Veranstaltung bei uns umsetzen möchte, sollte am besten das Open Call-Formular auf unserer Webseite www.citylab-berlin.org nutzen.

Wer sich vor Ort im Lab, im H2rund am Flughafen Tempelhof, umsehen möchte, kann unsere Ausstellung besuchen, die verschiedene Facetten der Digitalisierung von Städten thematisiert. Hier stellen sich auch einige unserer Partnerprojekte vor und hier zeigen wir Ergebnisse aus der Projektarbeit. Die Ausstellung ist vorerst Mittwoch bis Freitag von 10 bis 17 Uhr geöffnet – zukünftig wollen wir die Öffnungszeiten noch ausweiten.