„Wir brauchen vielfältigere Schnittstellen zwischen Hard- und Software“

Arduino, Calliope & Co.: Mit einfachen Werkzeugen hat Kollegin Sara Reichert seit 2017 zuerst Schüler:innen im Rahmen unseres Projektes Coding Klassenfahrt und später viele neugierige und offene Berliner:innen bei unseren Mitmach-Angeboten (z.B. Offene Werkstatt) in die digitale Welt eingeführt. Jetzt wechselt sie zur Technischen Universität Berlin, wo sie neben der Lehrtätigkeit in den nächsten Jahren auch ihre Promotion betreiben kann – ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnte. Über den roten Faden in ihrem Werdegang haben wir mit ihr gesprochen.

Bei uns hast Du in den letzten vier Jahren Menschen dabei unterstützt, Dinge in die Hand zu nehmen und digitale Tools selbst zu bauen. Warum ist das für Dich so ein wichtiges Thema?

Sara Reichert: Ein gewisses Grundverständnis von Digitalität, das wir bei unseren Veranstaltungen vermitteln, ist heute einfach unabdingbar. Und von diesem Fundament aus kann man sich sehr gut weiterentwickeln. Für mich sind Design Thinking und Prototyping, mit denen man ja bei unseren Workshops arbeitet, Wege, die Welt neu zu denken und zu konstruieren. Nicht nur im Kopf, sondern ganz praktisch mit den Händen. Ich bin davon überzeugt, dass Prototyping noch stärker beispielsweise in partizipativen Prozessen eingesetzt werden könnte, bei den Diskussionen um die smarte Stadt von morgen, aber auch in der Wissenschaft, um neue Lösungsansätze auszuarbeiten. Denn mit Design Thinking und Prototyping kann man sich von scheinbar unverrückbaren Prämissen lösen und anfangen, frei zu denken.

Wenn man sich die Ergebnisse der Prototyping-Workshops in der Offenen Werkstatt in den letzten Jahren angesehen hat, war oft sehr überraschend, wofür Ihr die vorhandenen Tools genutzt habt. Ihr habt beispielsweise den Fahrraddynamo zum Handyaufladegerät umfunktioniert. Ist dieses Weiterentwickeln auch ein Thema für Dich?

Sara Reichert: Ja, am liebsten würde ich mich auch noch von den Vorgaben lösen, die selbst die einfach konstruierte Hardware macht, die wir bei den Workshops einsetzen. Ich habe schon zu oft erlebt, dass man beim Prototyping immer wieder an den gleichen Stellen Probleme bekommt, weil man beispielsweise doch wieder an diesen oder jenen Minicomputer keine Pumpe oder keinen Sensor anschließen kann, egal, wie sinnvoll das wäre. Deshalb interessiert mich auch das Thema Co-Design besonders: Was kann man mit einem Tool, das für eine besondere Anwendung konstruiert wurde, eigentlich noch alles machen? Das kann sehr produktiv werden, eben zum Beispiel den Fahrraddynamo als Energiespeicher fürs Handy zu nutzen.

Auch der umgekehrte Weg ist meines Erachtens sehr wichtig, nämlich wie man bereits vorhandene Lösungen weiterentwickeln kann, um noch spezifischer zu werden. Um den Lieferverkehr für die kleinen Läden in der demnächst autofreien Bergmannstraße mit ihrem großen gastronomischen Angebot über die Geschäftszeiten hinaus zu organisieren, brauche ich vielleicht nicht nur eine andere Software als für die Fußgängerzone mit den großen Geschäften in den Innenstädten. Vielleicht muss ich auch andere Filter oder Kameras oder Zähler einsetzen.

Wir brauchen viel leistungsfähigere Schnittstellen, um die Digitalisierung voranzutreiben. Ich könnte mir vorstellen, mich in den nächsten Jahren besonders auf solche Fragen zu konzentrieren und an der Schnittstelle von Hard- und Software zu arbeiten – Allerdings will ich mich noch nicht festlegen. Ich werde mir auch genau ansehen, wozu meine Kolleginnen und Kollegen an der TU zurzeit forschen und mich davon inspirieren lassen.

Der Universitätsbetrieb wird dich sicher schnell sehr fordern. Wirst Du trotzdem im Kontakt bleiben? Immerhin bist du ja noch als Studentin über das damalige Schüler:innenlabor für Elektrotechnik und Informatik zu uns gekommen.

Sara Reichert: Wie stark die Kontakte bleiben werden, zeigt ja schon die Summer School in den nächsten Wochen, die wieder im CityLAB am Platz der Luftbrücke abgehalten wird und die ich weiterhin moderieren werde. Ich mache auch gerne an dieser Stelle noch mal Werbung für dieses Angebot, für das man sich noch bis zum Wochenende anmelden kann! Erfahrungsgemäß suchen wir bis zum Schluss immer sehr dringend Informatiker:innen und Elektrotechniker:innen.