Auswirkungen der Digitalisierung auf die Lebens- und Arbeitswelt

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Pferdedroschken durch Automobile abgelöst wurden, hatte das eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt zur Folge – Haferbauern und Droschkenkutscher wurden arbeitslos – wenn sie nicht schnell genug umschulten. Und auch im 21. Jahrhundert wird die Arbeitswelt sich radikal ändern. Der PC auf dem Schreibtisch und Roboter in der Fabrik sind schon oldfashioned, die private und berufliche Kommunikation ist geprägt von Smartphone und Tablet, Twitter oder Facebook. Und in Zukunft kommunizieren Maschinen und Programme untereinander – Stichwort Industrie 4.0. Aber wo bleibt der Mensch? Wo der Busfahrer, wenn die Busse autonom fahren und wo die Finanzbeamtin, wenn ihre Arbeit Computerprogramme erledigen? 

Wir müssen flexibler werden, Berufe werden kaum noch ein Leben lang halten, meint die Bildungsberaterin Anja Wagner von der Bildungsagentur Frolleinflow. „Das ist ein neuer Kulturraum“, sagt sie. „Es gibt 10-15%, die changeinteressiert sind, die anders und offen arbeiten wollen.“ Aber über die Hälfte der Arbeitnehmer*innen scheuen Veränderungen, wollen nichts mit Digitalisierung zu tun haben. 

Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sieht deshalb die Notwendigkeit, die Curricula der Schule, der Hochschulen und der Berufsschulen zu hinterfragen. „Was bleibt? Was kommt? Wie gehen wir mit den agilen Themen um?“ Dann sieht er auch die Bereitschaft zur notwendigen Fort- und Weiterbildung. Dr. Wagner ist skeptisch. „Ich glaube nicht an eine Curriculumsveränderung, an einen institutionellen Rahmen“, sagt sie. „Wir haben den Vorschlag gemacht, den Menschen ein bedingungsloses Lernguthaben zur Verfügung zu stellen.“ Damit könne sich dann jeder freiwillig und individuell weiterbilden. 

Und was macht der technische Geschäftsführer des ViP Verkehrsbetrieb in Potsdam, Martin Grießner, mit seinen Fahrer*innen, wenn die Busse autonom unterwegs sind?

„Wir werden niemanden entlassen“, betont er, der Wandlungsprozess werde nicht disruptiv sein. „Ich sehe das nicht negativ. Es gibt neue Herausforderungen und es gibt neue Jobs.“ 

Und während Anja Wagner in 30 Jahren die Menschheit auf interstellarer Reise sieht, hofft Martin Grießner, dass seine ViP als Mobilitätsagentur mit autonom fahrenden  Bussen und Bahnen die Potsdamer*innen zuverlässig durch die Stadt transportiert. Wir haben die Vision, ergänzt Christoph Igel, dass unsere Roboternationalmannschaft im Fußball 2050 gegen die menschliche Nationalmannschaft antritt und dann hoffentlich auch gewinnt. Denn Ziel der digitalen Veränderungsprozesse sei nicht, KI und Digitalisierung gegen die Menschen zu positionieren. Die Herausforderung dabei ist, so Prof. Igel, „aus sozialer, ökonomischer, politischer, unternehmerischer Perspektive heraus – auch Werteperspektive heraus  - ein gutes Miteinander hinzubekommen, eine gute Balance in einer aufgeklärten Gesellschaft.“

Vom Treffpunkt WissensWerte berichtete Thomas Prinzler.

Der Podcast zum Nachhören:

Moderation

Thomas Prinzler, Wissenschaftsredaktion Inforadio (rbb)

Podium

Martin Grießner, Geschäftsführer ViP-Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH

Dr. Anja Wagner, Frollein Flow GbR, Institut für kreative Flaneure

Prof. Dr. habil. Christoph Igel, Wiss. Leiter Educational Technology Lab, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH

Ein Veranstaltung vom Donnerstag, den 15. Februar 2018, 18:00 Uhr in der Wissenschaftsetage im Bildungsforum Potsdam, Am Kanal 47, 14467 Potsdam

Treffpunkt WissensWerte ist eine gemeinsame Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin und Inforadio (rbb) in Kooperation mit proWissen Potsdam e.V.