„Viele sind gefordert, Offenheit zu praktizieren“

Interview mit Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, zu unserer neuen Studie "Das intelligente Quartier".

Mittlerweile werden Neubauten durchgängig mit digitalen Steuerungssystemen ausgerüstet, im Bestand wird viel nachgerüstet. Aber ganze Quartiere untereinander zu vernetzen, ist doch eher Zukunftsmusik, oder?

Technisch ist die Vernetzung von Quartieren keine große Herausforderung. Es gibt in Berlin mittlerweile einige Vorhaben, die von Anfang an entsprechend geplant und erfolgreich realisiert wurden.

Wichtig ist, dass sich die Akteure gleich anfangs darauf verständigen, was im Quartier geteilt werden und wo die Dinge zusammenlaufen sollen. Da das Thema relativ neu ist, gibt es noch keine gängigen Betreibermodelle, die sich als besonders sinnvoll herauskristallisieren und unter denen Bauherren auswählen können.

Hier sind die Versorgungsunternehmen, aber auch Immobilienentwickler und -verwalter gefordert, standardisierte Betreibermodelle zu entwickeln, die eine Vernetzung erleichtern. Das ist wichtig, denn die Vernetzung von Quartieren ermöglicht einen deutlich effizienteren Umgang mit Ressourcen.

Und auch im Bestand lohnt sich eine nachträgliche Vernetzung häufig, weil die Einsparpotenziale erheblich sind. Es muss ja nicht gleich die ganze Haustechnik umgerüstet und alle Nachbarn einbezogen werden. Vielleicht ist es sinnvoll, sich beispielsweise bei der Heizung zu überlegen, die Abwärme aus dem benachbarten Rechenzentrum in die Heizung einzuspeisen. Wer sich mit dem Gedanken trägt und die Potenziale ausrechnen lassen möchte, steht nicht alleine: In Berlin beraten Einrichtungen wie die Investitionsbank Berlin und die Berliner Energieagentur - um hier nur zwei zu nennen. Eine Übersicht über die Beratungsstellen findet sich im Report.

Wer sich mit der Nachbarschaft vernetzen will, muss Betriebsdaten offenlegen und teilen. Verlangt dies nicht eine ungewohnte Offenheit?

Der effiziente Umgang mit den Ressourcen ist nur möglich, wenn wir stärker vernetzen und Infrastruktur gemeinsam nutzen. Dazu gehören Offenlegen und Teilen von Daten.

Der Report zeigt in einer ausführlichen Tabelle, welche Daten im Zusammenhang mit der Quartiersentwicklung wichtig sind und wo sie liegen. Hier sind viele gefordert, Offenheit zu praktizieren. Die Möglichkeiten, bei der Quartiersentwicklung effizienter zu werden, fangen ja nicht erst im Betrieb an. Auch in der Planungsphase sind bereits viele Daten interessant, die mühsame Recherchen abkürzen, beispielsweise Grundstückspläne, Informationen zur Bodenbeschaffenheit und ähnlich.

Berlin tut viel, um die Datenlage weiter zu verbessern. Wir haben uns bereits vor einigen Jahren dazu bekannt, dass wir offen mit den Daten umgehen wollen, die in den Verwaltungen vorhanden sind.

Mein Haus bietet allen Verwaltungsstellen Unterstützung bei der Veröffentlichung der Daten an. Denn mit dem Hochladen von Dateien ist es nicht getan. Die Daten müssen in einem technisch verwertbaren Format präsentiert und laufend aktualisiert werden. Das bedeutet einen gewissen Aufwand. Allerdings profitieren die Verwaltungen auch von dieser Arbeit und nutzen die Daten, die sie offengelegt haben, anschließend selbst sehr intensiv.

2050 will Berlin klimaneutral sein. Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das intelligente Quartier?

Rund 40 Prozent der Primärenergie, die wir verbrauchen, fließt in die Gebäudebewirtschaftung und wird vor allem beim Heizen verbraucht. Ich glaube, alleine diese Zahl zeigt, welchen hohen Stellenwert Gebäude bei allen Diskussionen um Energieeffizient und Nachhaltigkeit haben.

Ich freue mich, dass in Berlin bereits einige intelligente Quartiere verwirklicht wurden. Der Report stellt sie vor. Ich wünsche mir natürlich mehr solcher Projekte. Denn sie zeigen, wie ein effizienter und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen aussehen kann.

Hier gibt es die Studie "Das intelligente Quartier. Gebäudedaten im urbanen Kontext" zum Download.