Vernetzte Energie im Quartier

Unter diesem Titel hatte die Technologiestiftung Berlin zu einem vorweihnachtlichen Expertengespräch am 10.12. eingeladen. Die Veranstaltung hat das Ziel gehabt, Projekte und Initiativen miteinander zu vernetzen, die Beiträge zur Erreichung der Berliner Klimaschutzziele 2050 (einer Reduktion der CO2-Emissionen um 85% gegenüber 1990) leisten können (siehe auch Machbarkeitsstudie klimaneutrales Berlin 2050“).

In vier Kurzbeiträgen gingen Uwe Hartmann / Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, Taco Holthuizen / EZeit-Ingenieure, Johannes Sigulla / Schneider Electric und Christoph Hoja / TU Berlin, Institut für Stadtplanung den mit den Berliner Klimaschutzzielen einhergehenden Fragen nach, ob es Lösungen für die effiziente Erzeugung und Nutzung von Energie im Bestand gibt und ob im Rahmen von Sanierungen und Modernisierungen auf Quartiersebene Anlagentechnik wirtschaftlich beschafft und betrieben werden kann, die Energiebedarf und Treibhausgasemissionen signifikant reduziert.

Im Einstiegsvortrag stellte Uwe Hartmann ein abgeschlossenes Projekt zur energetischen Sanierung eines Bestandsgebäudes (EFH) vor. Hier führte der Einsatz verfügbarer Klimatechnologien und eine optimierte Betriebsführung der Wärmepumpen zusammen mit einer Erdwärmeanreicherung mittels Solarthermie zu einer Reduktion des Jahresprimärenergiebedarfs um rd. 85 %. Diese Einsparung konnte im Projektverlauf über einen vollständigen Heizzyklus verifiziert werden.

Taco Holthuizen warf die Frage auf, inwieweit die Dämmung von Gebäuden nach derzeitigen KfW-Standards im Sinne der Reduktion der CO2-Emissionen tatsächlich zielführend und wirtschaftlich ist. In einem sehr pointierten Vortrag stellte er dar, dass frei verfügbar Energien wie Sonnenwärme, Abluftwärme, Erdwärme u.a.m. mit einem geeigneten Energiemanagement wesentlich wirtschaftlicher nutzbar sind als sehr große Dämmungsstärken. Dies konnte auch mit Anwendungsszenarien in Berliner Quartieren untermauert werden, die von EZeit-Ingenieure geplant wurden.

Aus der Anwendung der demonstrierten Technologien und Lösungen resultiert die Notwendigkeit von Smart Grids und Micro-Smart-Grids zur Verteilung der kleinräumigen Energieströme in Mittel- und vor allem Niederspannungsnetzen. Johannes Sigulla von Schneider Electric stellte am Beispiel des EUREF Campus in Schöneberg die dort implementierten und funktionierenden Energiemanagement-Lösungen vor, die Verbraucher, Erzeuger und Speicher am Campus (wie z.B. Elektromobile) regelbar einbinden.

Wie solche Lösungen vor dem Hintergrund komplexer werdender Anforderungen an die Stadtentwicklung auf Quartiersebene und darüber hinaus geplant werden können, hat das TU-Institut für Stadtplanung methodisch entwickelt. Am Beispiel des Standorts Flughafen Tegel zeigte Christoph Hoja Ergebnisse der räumlichen Energiesimulation für die geplante Urban Tech Republic (RES TXL). Die Modellierung beinhaltet im wesentlichen zwei Bestandteile, ein integriertes räumliches Energiesystemmodell für Strom, Wärme und Kälte sowie ein Methodenkonzept zur frühzeitigen Einbindung der Stakeholder, das sogenannte Urban Design Thinking. Das Ergebnis ist ein übertragbares Simulationstool zur Visualisierung und Analyse des zukünftigen lokalen Energiekonzepts von Berlin TXL.

Unser Fazit der Veranstaltung ist daher, dass in Berlin bereits viele Instrumente entwickelt wurden, die ein Erreichen der selbstgestellten Klimaschutzziele ermöglichen. Erforderlich ist dazu eine bessere Vernetzung von Einzelansätzen, wie sie beispielhaft in der Veranstaltung dargestellt wurden, und deren Skalierung. Auch die Nutzung vorhandener Förderinstrumentarien auf nationaler und regionaler Ebene erfordert Planung und Abstimmung, sind doch deren Regularien in Bezug auf die Klimaschutzziele zum Teil kontraproduktiv, wie T. Holthuizen darstellen konnte.

Die Kommunikation und Vernetzungsarbeit zu diesem Thema mit Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Senat wird die Technologiestiftung in 2016 fortsetzen. Ein Follow Up zu diesem Expertengespräch ist bereits in der Planung.