Vernetzte Energie im Mischgebiet: Expertenforum Teil II

Fast genau drei Monate nach der ersten, sehr erfolgreichen Auftaktveranstaltung hat die Technologiestiftung Berlin erneut zu einem Expertengespräch eingeladen.

Die Veranstaltung am 11.03.2016 knüpfte nahtlos an das Thema der innerstädtischen Vernetzung von Energie-Projekten und Initiativen an und fügte den Aspekt der gewerblichen Nutzungen und der Mischung im Quartier hinzu.

In vier spannenden Kurzvorträgen über Vorzeige-Projekten wurde gezeigt, wie Energieerzeugung, Energieeinsparung und die Vernetzung von Energieformen auch in gemischten Stadtteilen und Kiezen schon heute funktioniert. Dr. Beate Mekiffer von der Wista-Management GmbH zeigte, wie das Gebiet des Technologieparks Adlershof sich energetisch weiter entwickelt und auch die hinzukommenden Flächen mit integriert werden. Dass ein Austausch von überschüssiger und selbsterzeugter Energie im Kiez möglich ist, erläuterten Wolf Deiß von der Artis Engeneering GmbH und Jan Schreiber von Ziegert-Roswang-Seiler Architekten und Ingenieure an dem Projekt eines Gewerbebaus am Columbiadamm. Dr. Tobias Bachmann von Vattenfall Wärme erläuterte zukünftige Entwicklungen des Wärmenetzes im Bezirk Neukölln und Frank-Christian Hinrichs von Netzwerk Südkreuz e.V. beschrieb die aktuellen Aktivitäten im Netzwerk, ein übergreifendes Energiekonzept zu realisieren.


Adlershof wächst, es werden zunehmend Flächen erschlossen und vorhandene Flächen in eine gemeinsame Energiestrategie integriert. Bis 2030 sollen hier 30 Prozent weniger Primärenergie verbraucht werden. Um diese Ziel zu erreichen, bringt dieser Standort gute Voraussetzungen mit. Er hat ein gut aufgestelltes Management, er hat kompetente und engagierte Unternehmen am Standort und es gibt viele eigene Liegenschaften zur Nutzung für Showcases. Neben kooperativer und effizienter Infrastrukturvorplanung will Adlershof vor allem mit Energiehybridsystemen und Effizienzmaßnahmen sowie einem Smart Grid und einem Niedertemperaturnetz punkten.

Am Columbiadamm rauchen keine Schlote, trotz Holz-Hackschnitzel-Heizung. Die  Tischlerei Artis  heizt mit ihren Holzabfällen umweltgerecht, effizient  und erzeugt sogar Wärmeüberschüsse. Diese kommen dem benachbarten Bürogebäude der Columbiahalle zugute, wofür eine Vereinbarung zwischen Artis und der Verwaltungsgesellschaft der Columbiahalle abgeschlossen wurde. Ein Teil der Strombedarfe für die Maschinen und den Fertigungsroboter werden von der hauseigenen Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von 36 kWp geliefert, die Prozesswärme der Produktion wird wieder zurückgespeist. Damit ist ein Industriebau als Plusgebäude mit einer 100 Prozent CO2-neutralen Beheizung und Stromversorgung entstanden, der auch die Nachbarschaft versorgt.

Das Neuköllner Wärmenetz funktioniert prinzipiell heute wie vor 100 Jahren. Damals  als Versorgungsnetz für die Straßenbeleuchtung geplant, fließt heute aus dem Fernheizwerk Neukölln Wärme mit einem Brennstoffmix, zum Beispiel  aus einem Wärmespeicher  und einer Power-to-Heat Anlage mit 10 MW Leistung durch die Netze. Neben der Wohnungswirtschaft sind städtische Einrichtungen und Gewerbebetriebe, Kaufhäuser und Industriebauten angeschlossen. Die CO2-Emissionen wurden bei den Anschlüssen im Bezirk seit 1990 um rund 52 Prozent gesenkt.

Das Unternehmernetzwerk Südkreuz hat es sich zur Aufgabe gemacht, spürbare Mehrwerte für seine Mitglieder zu erarbeiten. Im Bereich der Vernetzung von Energieerzeugern und Energieverbrauchern bietet das Gebiet ein großes Potenzial. Am Beispiel der Schöneberger Linse, die bei den Netzwerkern auch als grüne Linse bezeichnet wird, sollen Synergien zwischen bestehenden Projekten wie dem Bahnhof Südkreuz am einen Ende und dem Euref Campus am anderen Ende entstehen. Dazu werden derzeit Projektideen für die Entwicklung des Gebietes vorbereitet. Für das Quartiers-Konzept „Zero City Süd X“ wird dabei auf die engagierte Beteiligung von ortsansässigen Unternehmen wie zum Beispiel Möbel Krieger und Ikea gesetzt.

Wieder wurde deutlich: Berlin hat bereits viele Projekte, die einen Beitrag zur Erreichung der selbstgestellten Berliner Klimaschutzziele leisten können. Für einen spürbaren Effekt ist allerdings noch mehr erforderlich. Eine bessere Vernetzung von Einzelansätzen und das weitere Ausrollen und Verbreiten  von guten Beispielen in der Stadt sollte nicht nur ermöglicht und befördert, sondern geradezu forciert werden.

Im Nachgang zu diesem spannenden Nachmittag haben wir die Frage an die Teilnehmer gerichtet, wie die Technologiestiftung diesen Vernetzungsprozess mit weiteren Veranstaltungen unterstützen kann. Die bisherigen Treffen wurden dabei als sehr informativ und konstruktiv bewertet, so dass wir eine Fortsetzung der Reihe für sinnvoll halten.

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