Veränderungen in einem dynamischen Umfeld

Interview mit Christian Rickerts, Staatssekretär bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Wir sprachen mit ihm über die aktuelle Innovationserhebung, die sein Haus gefördert hat.

Die Innovationserhebung 2018 bestätigt Berliner Stärken wie Innovationsfreudigkeit und große Kooperationsbereitschaft der Unternehmen, zeigt aber auch einige rückläufige Entwicklungen. So nimmt der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen am Innovationsgeschehen über die Jahre ab. Wie zufrieden sind Sie mit den Zahlen?
 
Zunächst einmal kann man festhalten, dass Berlin derzeit eine sehr gute wirtschaftliche Entwicklung nimmt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten steigt jährlich um 45.000, es werden jährlich rund 40.000 Unternehmen in der Stadt gegründet, Berlin bleibt ein Magnet für Venture Capital und weiterhin spielen Forschung und Entwicklung im Bundesvergleich eine einzigartige Rolle. 
 
Auf solchen Zahlen darf man sich allerdings nicht ausruhen. Tatsächlich geht seit einigen Jahren der Anteil der Unternehmen zurück, die Innovationen entwickeln. Außerdem ändert sich die Struktur des Innovationsbereiches: Der Anteil der Großunternehmen wächst, es gibt weniger Innovatoren und Marktneuheiten. Dies sind Veränderungen in einem sehr dynamischen Umfeld und sie sind nicht Berlin-spezifisch. Dies beobachten wir aufmerksam und unterstützen zukünftige Innovationen nach Kräften.

Wir haben daher gemeinsam mit Brandenburg die Gemeinsame Innovationsstrategie innoBB 2025 beschlossen, die Themen wie die Digitalisierung, Startups und Gründungen, Reallabore und Arbeit 4.0 in den Fokus nimmt und der Wirtschaft in den nächsten Jahren gezielt Unterstützung anbietet. Wir haben den Masterplan Industriestadt Berlin auf den Weg gebracht, mit dem wir Industrie, Forschung und die IT-Wirtschaft stärker vernetzen wollen. Die Energietechnik soll als starker Bereich der Industrie dabei zum Beispiel ihr Potential nutzen, um für das Gelingen der urbanen Energiewende im Sinne des Berliner Energie- und Klimaschutzprogramms 2030 beizutragen. 

Außerdem unterstützen wir mit unseren Förderprogrammen. Wir lassen zudem Pro FIT, den VC-Fonds, den Transfer BONUS, den Coaching BONUS und den Innovationsassistenten zurzeit evaluieren, um sie wo nötig auf neue Entwicklungen im Innovationsbereich anzupassen.

Die aktuelle Innovationserhebung zeigt, dass fehlende Arbeitskräfte zur Bremse werden können. Bei der Umfrage für die Innovationserhebung 2018 gab rund ein Fünftel der innovationsaktiven Unternehmen an, offene Stellen nicht besetzen zu können. Wie schätzen Sie das ein?
 
Tatsächlich kann der Mangel an Fachkräften in einem Unternehmen eine Innovationsbremse sein. Die Erhebung zeigt, dass Berlin für ihre High Tech-Branchen überdurchschnittlich viele technische Fachkräfte benötigt. Sowohl im Masterplan Industrie als auch in der innoBB 2025 ist daher das Thema als Handlungsfeld wichtiger Bestandteil. Natürlich sind hier auch die Unternehmen gefragt. Dank der vielfältigen und exzellenten Hochschullandschaft haben wir zum Beispiel viele Fachleute von morgen bereits vor Ort. Die meisten jungen Leute leben gerne hier und bleiben auch gerne - wenn die Angebote der Berliner Wirtschaft stimmen. 
 
Beim Pressetermin zur Vorstellung der Innovationserhebung haben Sie an die Berliner Unternehmen appelliert, noch innovativer zu werden. Wie kann das aussehen?

Wenn man sich ansieht, dass in Branchen wie dem Berliner Fahrzeug- und Maschinenbau fast 45 Prozent der Umsätze mit Innovationen gemacht werden, wird klar: In einigen Branchen sind wir sehr gut aufgestellt. Aber es gibt auch Branchen, die neue Entwicklungen und Anforderungen, die sich beispielsweise aus der Digitalisierung ergeben, noch nicht hinreichend bearbeiten. Wer als Unternehmerin oder Unternehmer glaubt, wegen eines derzeit gut laufenden analogen Produktes von der Digitalisierung nicht betroffen zu sein, sollte diese Haltung unbedingt zumindest überprüfen. Es bietet sich zudem an, gerade in wirtschaftlich guten Zeit in die Zukunft zu investieren.