„Unsere Projekte wachsen und wachsen“

Vor rund zwei Jahren haben wir das Ideation & Prototyping Lab gegründet. Die Idee dahinter: Aus offenen Daten Visualisierungen und Anwendungen entwickeln, die Nutzen stiften, weil sie Sachverhalte verständlicher und effizienter machen oder ganz einfach die Transparenz erhöhen. Seither entwickelt sich das Lab sehr erfolgreich und hat auch im zurückliegenden Jahr sehr spannende Projekte durchgeführt. Ein Rückblick mit Dr. Sebastian Meier, Lead Data Scientist des Lab.

Mittlerweile kann man in Berlin die Wasserqualität der Badeseen jederzeit im Netz recherchieren – ein Projekt, das Ihr zusammen mit dem Kompetenzzentrum Wasser, den Berliner Wasserbetrieben und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales entwickelt habt. Die Seite war im heißen Sommer 2019 sehr gefragt, die dahinterliegende Technologie wird sogar während der Olympischen Spiele in Paris eingesetzt werden. War das ein besonders schöner Erfolg 2019?

Sebastian: Dass unser Tool olympisch wird, freut uns tatsächlich sehr, es hat übrigens auch deutschlandweit Karriere gemacht. Unser Berliner Konsortium bereitet – geleitet vom Kompetenzzentrum Wasser - eine bundesweite Plattform vor, auf der alle Bundesländern ihre Messdaten zur Wasserqualität ablegen und mit den Wetterdaten vernetzen können. In diesem vom Bundesforschungsministerium geförderten Vorhaben entsteht außerdem ein zweites Tool, das Verwaltungen und Bürger*innen nutzen können, um potentielle Badestellen zu bewerten. Insofern zeigt das Projekt auch, wie sich aus der Arbeit mit Daten ständig weitere Möglichkeiten entwickeln. Die Projekte wachsen und wachsen.
 
Genauso wie über die Entwicklung unseres Badewasserprojekte habe ich mich in den letzten Tagen über die Förderzusage des Bundesverkehrsministeriums für unser neues Verkehrszählungsprojekt gefreut. Wir entwickeln – wieder im Verbund, diesmal gemeinsam mit Reach Now und der Hochschule für Technik und Wirtschaft – eine Software, die unter Wahrung des Datenschutzes die Verkehrsteilnehmer*innen zählt. Zurzeit werden solche Zählungen noch meist von Menschen durchgeführt, die am Straßenrand stehen und klicken. Das ist sehr aufwändig und wird nicht sehr häufig gemacht. In Berlin liegt die letzte größere Verkehrszählung bereits mehrere Jahre zurück. Es wäre doch ein Fortschritt, wenn die Stadt ohne großen Aufwand auf der Basis aktuellerer Daten planen könnte.

Mit den Daten könnte man natürlich auch wieder viel mehr machen als nur zählen. Perspektivisch könnte man empirisch untersuchen, welche kleinräumigen Einflüsse zum Beispiel Baustellen oder eine temporäre Verkehrslenkungen haben.


Echtzeitdaten zu erfassen und effizientere Steuerungen zu ermöglichen, ist also ein Themenschwerpunkt bei Euch. Aber auch die Daten, die vorliegen und eher strukturelle Informationen bieten, sind interessant. Was macht Ihr dazu?

Sebastian: Open Data ist und bleibt für uns ein sehr wichtiges Thema, weil es so sinnvoll ist. Wir sind deshalb auch froh, dass ODIS, die Open Data-Informationsstelle für die Berliner Verwaltung, die von der Senatswirtschaftsverwaltung finanziert wird, bei uns angesiedelt ist und weitere, sehr interessante Projekte zum Thema Open Data macht.

Für die Lange Nacht der Wissenschaften im Juni haben wir auch mal wieder selbst offene Daten genutzt, in diesem Falle den Berliner Beitrag zum Bildarchiv Europeana. Wir haben die Bilddateien mit einer Bilderkennung verbunden und am Stand gezeigt, wie Künstliche Intelligenz oder besser: entsprechend programmierte Software Posen erkennen und Bilddateien nach Vergleichbarem durchsuchen kann. Die Besucherinnen und Besucher des Stands fanden beides interessant: die Tatsache, dass die Museen Bilder offenlegen und die Software, die sie dort in Aktion erleben konnten.


Das alles klingt nach viel Arbeit. Dabei haben wir über das Projekt, das Ihr jetzt gemeinsam mit der Zentralbibliothek (ZLB) startet, noch gar nicht gesprochen….

Sebastian: Stimmt, da steht uns ein weiteres Projekt ins Haus, auf das wir uns sehr freuen! Es wird darum gehen, Bürgerterminals zu konzipieren, an denen Menschen, die nicht digital unterwegs sind, an digitale Angebote herangeführt werden sollen.

Mit der ZLB haben wir die ideale Partnerin an der Seite, die Zielgruppen erreicht, die wir als Technologiestiftung bisher kaum ansprechen. Die Bibliotheken sind längst mehr als Bücherhallen. Sie verstehen sich als Orte des Wissens und werden auch so von der Bevölkerung angenommen. Deshalb sind die Büchereien die richtigen Orte für die geplanten Terminals. Zunächst werden wir in drei Bibliotheken solche Terminals aufbauen. Wir sind gespannt, wie die Berlinerinnen und Berliner auf das neue Angebot reagieren werden und wie sie es nutzen wollen.