Städte besser planen - wie urbane Daten nutzbar werden

Als wichtige Hilfestellung für eine zukünftige Stadt- und Energieplanung, die sowohl Bürger*innen als auch Forscher*innen und Akteur*innen der kommunalen und privaten Unternehmen einbezieht, wird die Nutzung verfügbarer Datenquellen gesehen. Obwohl derzeit bereits eine Vielzahl von Daten durch öffentliche und private Akteur*innen erhoben wird, ist die systematische Nutzung noch zu wenig entwickelt. Um urbane Daten in Zukunft besser für die Planung und das Management von Städten nutzbar zu machen, hatten wir gemeinsam mit der Internationalen Energieagentur (IEA) zu einem Austausch lokaler Stadtplaner*innen mit internationalen Energie- und Stadtforscher*innen aus Schottland, Österreich, Japan, den USA, den Niederlanden und Frankreich eingeladen. Teilgenommen haben internationale Expert*innen der WGCC, die im Rahmen des Programms „Energy in Buildings and Communities“ (EBC) der Internationalen Energieagentur (IEA) im vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe (Working Group Cities and Communities - WGCC) gegründet haben, die sich mit der Erarbeitung und der Umsetzung von Dekarbonisierungsstrategien in Städten und Kommunen beschäftigt.

Die Ergebnisse der Diskussion lassen sich wie folgt zusammenfassen:

- Gemeinsame Grundsätze definieren

Der allgemeine Grundsatz, Städte besser machen zu wollen, ist zu wenig präzise und ermöglicht die unterschiedlichsten Interpretationen. Während einige Akteur*innen vorrangig am Rahmen technisch machbarer Lösungen orientiert sind, stehen für andere Planer*innen soziale oder nachhaltige Indikatoren im Vordergrund. Deshalb müssen zunächst gemeinsame Grundsätze definiert werden, um die Unterschiede von wissenschaftlichen und administrativen Tools für die Anwendung zu harmonisieren.

- Struktur für ein Daten Lager (Hub) aufbauen

Zur Einführung in das Thema präsentierte Alexandra Kapp aus unserem Ideation & Prototyping Lab das Berliner Open-Data-Portal. Das Portal hat die Aufgabe, verschiedene Daten als Open-Data-Sätze zur Verfügung zu stellen. Es wurde deutlich, dass in jeder Verwaltung zunächst eine Datenstruktur mit einem übergeordneten Data Lager (Hub) installiert werden sollte, das verschiedene Datenquellen verbindet und Daten aus unterschiedlichen Sektoren sammelt und bereitstellt. Werkzeuge oder Anwendungen für den speziellen Anwendungsfall können aus diesem Hub heraus erstellt werden. Erfreulicherweise verfügen viele Städte (auch Berlin) bereits über ein Konzept für ein Data Hub.
Weitere Infos zu internationalen Projekten:

 

- Daten bereitstellen

Um qualifizierte Entscheidungen in der Stadtplanung treffen zu können, braucht es Gebäude- und Infrastrukturdaten. Für diese Daten gibt es bereits zahlreiche Quellen, z. B. technische Infrastruktur, Sensoren oder Energiemanagement-Systeme in Gebäuden. Die allseits größte Herausforderung wurde in der mangelnden Bereitschaft zur Übergabe der Daten gesehen. Daher fokussierte sich die Diskussion auf Prozesse und Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Situation. Besonders wichtig wären Anreizen für die Bereitstellung von Daten sowie eine gesetzliche Absicherung für das Sammeln oder das Bereitstellen von Daten.

- Unabhängige/n Datenmanager*in suchen

Bei den verschiedenen Akteur*innen, die in einem Planungs- und Entscheidungsprozess beteiligt sind, gibt es unterschiedliche Ansichten, wer am besten die Rolle des Data –Hub-Managers übernehmen sollte. Die Diskussion kam zu keiner klaren Aussage zu der Frage, ob Datenbestände besser von privaten oder von öffentlichen Einrichtungen gemanaged werden sollten. Einig war man sich dagegen darüber, dass ein/e solche/r Manager*in notwendig ist, denn nur eine vertrauensvolle Betreuung der Datenbestände bietet die notwendige Qualitätssicherung. Daher wurde ein transparenter Findungsprozess für eine/n Akteur*in ohne wirtschaftliche Eigeninteressen als optimal eingeschätzt.

- Datenkompetenz aufbauen

Auf  allen Ebenen muss die Verwaltung zukünftig mehr Datenkompetenz erreichen, nur dann können die zur Verfügung stehenden Daten auch genutzt werden. Während auf dem Applikationslevel Datenkompetenz erforderlich ist, um Tools und Methoden anzuwenden, werden erweiterte Kompetenzen auch auf hierarchisch höherem Level benötigt. Das ist wichtig, weil Führungspersönlichkeiten nicht nur darüber entscheiden, welche neuen digitalen Werkzeuge und Methoden eingeführt werden, sondern auch in der Lage sein müssen, diese in Zukunft weiterzuentwickeln. Gleichzeitig konkurriert die Verwaltung mit privaten Unternehmen, um die benötigten Kompetenzen mit qualifiziertem Personal aufzubauen. Bei den aktuellen Herausforderungen schnell wachsender Städte gibt es leider kaum Spielraum für die Entwicklung und Nutzung von daten-getriebenen Anwendungen. Hier sind Experimentierräume wie Stadtlabore gefragt, die einen Kompetenzaufbau flankierend begleiten können.

- Zusammen Anwendungsfälle schaffen

Die Öffentlichkeit ist häufig nicht informiert über und auch nicht interessiert an Stadtdaten. Die Bürger*innen fragen nicht gezielt nach Daten oder Applikationen. Daher fehlen der Verwaltung Anreize auf der einen Seite Anreize für die weitere Entwicklung, auf der anderen Seite gibt es keine bedarfsgerechten Angebote für die Stadtbewohner. Das könnte sich ändern, wenn Daten durch die Verwaltung anwendungsfreundlicher aufbereitet, sprich qualifizierter bereitgestellt werden. Gerade vor dem Hintergrund wachsender Herausforderungen ist es sinnvoll, mehr Anwendungsfälle zu etablieren und sowohl den Entwicklungsprozess als auch den Umgang mit Applikationen anwenderfreundlicher zu gestalten. Profitieren würden sowohl Bürger*innen, als auch Verwaltungsangestellte und Stadtplaner*innen. Im Fokus steht hierbei die Planung von nutzerorientierten Anwendungsfällen, für die mehr gezielter Austausch und Beteiligung nötig sind.

Fazit

Die wachsenden Herausforderungen der Digitalisierung zeigen gerade auch für Stadtplaner*innen die Notwendigkeit, sich mit Daten und deren Weiterverarbeitung auseinanderzusetzen. Der laufende Austausch mit anderen Fachgruppen und Expert*innen wird als überaus wichtig beurteilt, damit interdisziplinär und übergreifend innovative und praxisorientierte Lösungen entwickelt und getestet werden können. Auch praktische und realistische Beispiele für die Nutzung von Daten sind sehr wichtig, eine breite Diskussion darüber ist notwendig. 

Ausblick

Mit diesem Workshop haben wir einen konstruktiven Austausch angestoßen und wünschen uns einen weiterführenden Dialog mit bekannten und neuen Akteur*innen. Gleichzeitig arbeiten wir an einem Report, der den Sinn der Digitalisierung und den Einsatz von Daten für die Stadtplanung veranschaulicht. Wir möchten damit einen Beitrag für innovative Projekte in der Stadtentwicklung leisten und Transparenz darüber schaffen, welche Daten für intelligentes Planen, Steuern und Regeln der Stadt benötigt werden. Wir möchten Anwendungsmöglichkeiten zeigen, die den Mehrwert von Smart-City-Innovationen erklären und beziehen uns auf anschauliche Entwicklungsräume, die auf einer Quartiersebene benötigt werden. Die Veröffentlichung ist für Ende 2019 geplant.