Soup&Science: Ethnische Diskriminierung

„Woher kommst du eigentlich?“ Diese Frage kann freundliches Interesse bekunden. Sie kann aber auch als abwertend und rassistisch empfunden werden von Menschen mit afrikanischen oder arabischen Wurzeln, wenn sie impliziert: „Du gehörst hier nicht her.“ Ein Bericht zur Sendung "Soup & Science: Ethnische Diskriminierung " vom 18.04.2021 von Thomas Prinzler

 

„So ganz unvoreingenommen kann ich jetzt nicht sagen nein, das ist gar kein Problem, “ sagt Ruta Yemane. Dennoch hört sie diese Frage nicht per se diskriminierend oder rassistisch, aber „es kommt drauf an, wer das fragt und wie es gefragt wird und auch mit welcher Absicht.“ Wer schon in 2. oder 3. Generation in Deutschland geboren ist, fühle sich damit ausgegrenzt, so Dr. Yemane. Sie kommt aus einer Kleinstadt in Hessen, ihre Eltern sind in den 80er Jahren aus Eritrea nach Deutschland gekommen.

Die Psychologin forscht am Wissenschaftszentrum Berlin und am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung. Ihr Thema ist Diskriminierung und Alltagsrassismus aufgrund ethnischer Herkunft, mit denen auch sie konfrontiert war. „Wenn ich im Bus mit meinen Mitschülern gerangelt habe, hat der Busfahrer gesagt, das kannst du in deiner Heimat machen, wir hier in Deutschland machen so etwas nicht.“ Auch die Frage, warum sie so gut deutsch spreche, habe sie verletzt. Diese Erfahrungen teilt sie mit vielen anderen Menschen mit Einwanderungsgeschichte. In einer Studie hat sie nachgewiesen, dass in Deutschland bei Bewerbungen diejenigen benachteiligt wurden, deren Namen auf einen muslimischen oder afrikanischen Hintergrund schließen ließen. Dabei stieß sie zum Teil auf „krasse Stereotypen und Verallgemeinerungen“. Als ein Beispiel führt sie die Antwort eines Arbeitgebers an. Er habe nichts gegen Migrant*innen, habe sogar einem Ali eine Stelle angeboten. „Aber der hat nichts getaugt, und den musste ich dann entlassen und seit dem stelle ich keine Alis mehr ein.“ Allerdings räumte er ein, dass ein Kevin durchaus eine zweite Chance bekommen hätte. Die Studie habe gezeigt, dass Deutschland damit im Mittelfeld im Vergleich mit anderen Ländern liege. Keine ethnischen Diskriminierungen stellte sie beispielsweise in Spanien fest, während Großbritannien und die USA trotz einer langen Einwanderungsgeschichte ein hohes Maß an Rassismus und Diskriminierung zeigten. Es sei nicht nur dort auch in Deutschland höchste Zeit, das gesellschaftlich zu diskutieren. Spätestens seit letztem Sommer und den Black-Lives-Matter-Protesten sei auch in Deutschland die Erkenntnis eingezogen, dass Rassismus ein Problem ist und zwar ein Problem der Gesellschaft. Das zeigt sich auch an den oft emotional geführten Diskussionen um Begriffe wie Identitätspolitik und Cancel Culture.

Viele partikulare Interessen werden inzwischen von kleineren gesellschaftlichen Gruppen durchgekämpft, analysiert Ruta Yemane, weil „viele, viele Minderheiten jetzt in wortstarken Positionen sind. Und das ist erst mal was Positives, weil ihre Positionen solange nicht gehört wurden. Und deshalb ist der Ton vielleicht manchmal auch etwas rauer.“ Um diese Diskriminierung sichtbar zu machen - es gibt dazu fast keine empirischen Daten in Deutschland - hat sich die Initiative Afrozensus gegründet. Die Initiator*innen wollten nicht warten, ob der deutsche Staat oder das statistische Bundesamt handele, so Yemane, sie haben eine „Befragung gemacht unter der schwarzen Bevölkerung in Deutschland, um erstmal zu wissen, wie groß ist diese Bevölkerung…und sie haben sie zu ihren Alltagsrassismus- und Diskriminierungserfahrungen befragt.“ Die Ergebnisse dieser Bestandsaufnahme werden in diesem Jahr erwartet.

Thomas Prinzler hat mit Dr. Ruta Yemane vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung e.V. und Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschungen gesprochen.

Der Lunchtalk Soup & Science ist eine gemeinsame Veranstaltung der Technologiestiftung Berlin und Inforadio (rbb).