Openness verändert die Welt

Nachträglichen Glückwunsch an die Wikipedia zum 20. (15.01.2001). Die Erfolgsstory zeigt, wie openness die Welt verändern kann.

Jeder kennt und nutzt Wikipedia. Auch ein Blick auf die vielen Schwesterprojekte wie Wikidata als freie Wissensdatenbank – nicht nur für das semantic web – oder Wikimedia Commons,  mit vielen freien Bildern lohnt sich. Diejenigen, denen das noch zu wenig ist, finden bei Wikibooks und Wikiversity Sachbücher und freie Lehrmaterialien. An weiteren Stellen gibt es Wörterbücher, historische Quellen und Reiseführer.

Das ist geballte Openness, die die Welt verändert hat.

Das Ziel, gemeinsam eine neue und dauerhafte digitale Allmende zu schaffen, überzeugt offensichtlich weltweit genügend Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren oder dafür zu spenden. Der Erfolg ist bekannt. Ich mutmaße, es liegt an der richtigen Mischung aus Openness und freiwilligen Grenzen:

  • Jeder darf mitmachen, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten.
  • Es gibt Basis-Spielregeln und eine Qualitätskontrolle, die ebenfalls offen ist, aber meritokratische Elemente enthält.

Der meritokratische Erwerb von Befugnissen geht außerdem sehr demokratisch zu: Die Community belohnt Engagement für die Sache. Wer man ist, spielt dagegen keine Rolle. Das scheint das nötige soziale Miteinander sicherzustellen und sorgt dafür, dass Wikipedia gern als Beispiel für Schwarmintelligenz genannt wird und für Elemente der Schwarm-Schäbigkeit wie Shitstorms, Desinformation, Fake News oder Propaganda wenig anfällig ist.

Ähnliche Qualitäts- und Erfolgsmechanismen greifen übrigens in vielen Open Source -Softwareprojekten, auch wenn sie hauptamtslastiger durchgeführt werden oder ihrer Finanzierung nach industriellen Gemeinschaftsprojekten ähneln. Das gilt z.B. für Linux (in 2021 30 Jahre alt) oder GNU (38 Jahre alt).und die quasi-Standards der IETF (30-35 Jahre alt).

Aber Achtung: Auch das Marketing hat Openness als Argument entdeckt. „Frei zugänglich“ oder „open“ bedeutet nicht unbedingt, dass Projekte gemeinschaftlich oder qualitätsgesichert durch projektinterne Meritokratie oder projektinterne Mehrheiten betrieben werden.  Überdies ist das Attribut „open“ aktuell auch bei rein kommerziellen Angeboten und bei Tendenzbetrieben aller Art in Mode. Das ist durchaus ein Grund, im Einzelfall genauer hinzusehen, spricht aber in keinem Fall dagegen, wenigstens zu prüfen, ob offene Lösungen die besseren sein könnten.

Auch ohne Open Air und Tennisturniere wie French Open enthält übrigens alleine die Wikipedia Hunderte von Seiten, die mit „Open“ beginnen. Openness ist unübersehbar in der Welt und hat den Beigeschmack von nerdig bis anarchisch längst verloren. Gut so. Was Zugang und Vielfalt erhöht, erhöht auch die Entscheidungsfreiheit.

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