Open Data gegen Fahrradklau?

Die Berliner Polizei hat die Daten, die sie zu Fahrraddiebstählen erfasst, offengestellt und wird die Publikation jetzt täglich aktualisieren. Dabei wurde sie im Vorfeld von unseren Kolleginnen Victoria Boeck und Lisa Stubert von der Open Data Informationsstelle (ODIS) beraten. Als die Nachricht in der letzten Woche veröffentlicht wurde, fragte bei uns die Presse nach dem Nutzen einer solchen Offenlegung. Für uns ein guter Anlass, die Idee zu vermitteln, die hinter der Open Data-Strategie für Berlin steht.

Was soll man mit einer Tabelle anfangen, in der chronologisch die Fahraddiebstähle von Berlin aufgelistet sind? Betroffen darüber sein, dass es durchschnittlich rund 60 Fahrräder sind, die so jeden Tag in Berlin verschwinden? Sicher, das Problem einmal so nüchtern vor Augen geführt zu bekommen, ist schon etwas. Offensichtlich ist jedes Fahrrad gefährdet. Die Angaben zum Wert der gestohlenen Fahrräder bewegt sich zwischen 50 und über 5.­­­000 Euro. Aber natürlich stecken in der Tabelle viel mehr Informationen, zum Beispiel werden Zeit- und Raumangaben gemacht.

Bereits kurze Zeit nach dem Launch gab es Kommentare und Nachfragen. Auch wurde eine erste Idee hinterlegt: Wie wäre es, die Informationen aus der Tabelle mit Online-Portalen zu verknüpfen, auf denen gebrauchte Fahrräder angeboten werden? Das klingt nach einem guten Anfang. Wir sind gespannt, ob und was aus den offenen Daten entstehen wird.

1. Open Data-Projekte brauchen kreative Prozesse

In der Technologiestiftung haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich wirklich gute Projekte aus offenen Daten nicht in fünf Minuten entwickeln und manchmal auch nicht gradlinig. Für das Projekt Gieß den Kiez hat das Projektteam auch eine ganze Weile gebraucht – und die Daten selbst waren schon jahrelang als Open Data verfügbar. Schließlich liegt die Verknüpfung des Datensatzes zum Berliner Baumkataster mit Wetterdaten und das Mapping der Bäume und öffentlichen Wasserstellen in der Open Street Map nicht unbedingt auf der Hand. Oft wird das tatsächliche Potenzial eines Datensatzes erst Monate oder Jahre nach der Veröffentlichung klar, denn diese kreativen Prozesse brauchen ihre Zeit!

2. Digitale Projekte stoßen andere digitale Projekte an

Was wir auch gelernt haben: Digitale Projekte entwickeln sich auch weiter, wenn sie schon abgeschlossen sind. Deshalb war es für uns nicht verwunderlich, dass sich aus unserem Baum-Gießportal mit Leipzig gießt gleich ein zweites Projekt entwickelt hat. Erweiterungen und Adaptionen gehören zu dem Kreativprozess des Codens mit offenen Daten dazu.

3. Offene Daten sind nicht gleichbedeutend mit Transparenz, aber ein erster Schritt

Die Tabelle zu den Fahrraddaten zeigt außerdem: Offene Daten alleine bringen nicht automatisch Transparenz. Die Daten müssen aufbereitet werden, um ihre Informationen preiszugeben. Das kann eine Visualisierung sein oder ein Mapping, das die Ereignisse verortet. Vor einiger Zeit haben wir eine Visualisierung der Landesfördermittel geleistet und daran gezeigt, wie man beispielsweise Finanzströme der öffentlichen Hand sichtbar machen kann.

Wir sind gespannt, ob und was sich aus der Publikation der Fahrraddiebstahldaten ergibt. Und: Wir freuen uns auf weitere Datensätze, die im Open Data-Portal veröffentlicht werden und weitere Chance und Perspektiven bieten.