Offene Daten: Pranger oder Transparenz?

Wir haben am letzten Freitag bei einem Pressetermin ein digitales Tool vorgestellt, mit dem Einschulbereiche zugeschnitten werden können. Dabei entstand eine interessante Diskussion zum offenen Umgang mit Daten.

Es gibt wenige behördliche Entscheidungen, die so viele Emotionen bei den Bürger*innen hervorrufen, wie der Zuschnitt der Einschulbereiche. Es ist für die Verantwortlichen schwierig und langwierig, die Entscheidungen zu treffen, weil so viele Kriterien beachtet werden müssen (Zahl der Erstklässler, Auslastung der Schulen, Länge und Gefährlichkeit des Schulwegs, Geschwisterkinder...). Da ist es nur allzu verständlich, dass bei den Eltern auch Zweifel an den Entscheidungen entstehen und Widersprüche gerade in diesem Bereich sehr häufig sind.

Mit dem neuen Tool, an dessen Entwicklung mehrere Partner beteiligt waren und das wir gesteuert haben, wird es möglich, die Entscheidungen auf der Grundlage von Algorithmen viel besser vorzubereiten (und zu beschleunigen) und die Konsequenzen auch zu visualisieren. Mehr zu dem Tool, das jetzt im Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg erstmals eingesetzt wurde, liefert die Projektbeschreibung.

Bei der Vorstellung des Tools entwickelte sich eine interessante Diskussion, als deutlich wurde, dass für den Zuschnitt der Einschulungsbereiche auch der Indikator „Lernmittelbefreiung“ in die Berechnung aufgenommen und visualisiert werden kann. Darf man ein solches Kriterium transparent darstellen? Bei der Diskussion machte Bezirksstadtrat Oliver Schworck deutlich, dass der Anteil an Schüler*innen mit Lernmittelbefreiung kein Indikator für „Problemschulen“ ist und das ist wichtig zu erwähnen.

Ich fand die Diskussion aus einem anderen Grund spannend; nämlich weil sie eine ganz grundsätzliche Frage berührt: Mehr Transparenz bedeutet unter Umständen mehr Transparenz bei Missständen und Problemen. Besteht die Gefahr, dass offene Daten gesellschaftspolitische Zustände dokumentieren und dazu beitragen, diese zu verfestigen? Oder ist Aufklärung über die Zustände im Gegenteil wichtig, weil es nur auf der Grundlage gesicherter Fakten möglich ist, wirksam gegenzusteuern?

Gerade im Schulbereich hat sich in den letzten Jahren ganz deutlich gezeigt, dass ein Bewusstsein für Missstände und die Bereitschaft, sich mit diesen auseinanderzusetzen, deutlich mehr bringen als Verdrängen und Leugnen. Und was hier gilt, gilt für andere Bereiche genauso: Transparenz macht Probleme sichtbar, ist nicht deren Ursache, sondern im Gegenteil der erste Schritt in Richtung Problemlösung.