Öffentliches Gestalten

Wenn sich die Gesellschaft verändert, muss sich auch die Verwaltung verändern, zum Beispiel neue technologische Möglichkeiten nutzen. Doch wie gelingt Innovation in der Verwaltung, die durch strenge Vorgaben auf formal fehlerfreies Arbeiten ausgerichtet ist? Das CityLAB Berlin hat jetzt gemeinsam mit dem Verein Politics for Tomorrow ein Handbuch herausgegeben, das Erfahrungen dazu teilt, wie man Innovationsprojekte in der öffentlichen Verwaltung voranbringen kann. Am letzten Freitag stellten es mein Kollege Joshua Pacheco und Caroline Paulick-Thiel von Politics For Tomorrow beim digitalen Sommerfest des CityLABs öffentlich vor.

„Für alle, die sich mutig für eine kreative und gemeinwohlorientierte Transformation der öffentlichen Verwaltung einsetzen“ – diese Widmung haben die Autor*innen dem Handbuch „Öffentliches Gestalten“ vorangestellt und goldene Regeln für den Umgang mit dem Buch aufgestellt – zum Beispiel, dass man es nicht einfach nur lesen, sondern sich von den Hinweisen zum Tun inspirieren lassen soll, am besten gleich mit Gleichgesinnten. Deshalb gibt es im Buch neben Arbeitsanleitungen Checklisten, Formulare, viele Tipps und Hinweise für alle Phasen des Innovationsprozesses. Die Nutzer*innen des Handbuches können sich für ihr Innovationsvorhaben an den Unterlagen bis zur Erprobung und Auswertung eines Prototypen orientieren.

Alle Sichtweisen sind legitim

Der Prozess selbst wird in sechs Phasen aufgeteilt, in denen jeweils andere Notwendigkeiten im Mittelpunkt stehen: Ist es in Phase 1 besonders wichtig, gute Rahmenbedingungen zu schaffen und sich nicht gleich durch Denkverbote einengen zu lassen, wird es in späteren Prozess notwendig, Entscheidungen zu treffen und sich zu fokussieren. Dabei werden unterschiedliche Positionen innerhalb der Gruppe nicht als Problem gesehen, sondern als unterschiedliche Sichtweisen auf das Projekt begriffen. Keine Sichtweise ist falsch, keine richtiger als eine andere. Es gilt, allen Beteiligten Respekt entgegen zu bringen und unterschiedliche Sichtweisen fruchtbar für das Projekt zu machen. Am Ende jeder Phase wird Bilanz gezogen. Die erste Frage lautet dann „Was zu feiern wäre…“, bevor man sich eventuell auftauchenden Problemen widmet und überlegt, was helfen könnte.

Besonders ungewohnt wird es für die meisten sein, dann mit dem Bau eines Prototypen zu beginnen - ohne dass ein endgültiges, alles umfassendes Konzept vorliegt. Hier braucht man einen gewissen Mut und die Gewissheit, dass auch scheinbare Irrwege zur Erkenntnis beitragen.

 

Offenheit für konstante Veränderungen ist notwendig

In der Phase 6, die die Autor*innen „Navigieren“ genannt haben, geht es darum, die im geschützten Raum entwickelte Innovation in den Arbeitsalltag zu begleiten. Wieder müssen gute Rahmenbedingungen und Offenheit geschaffen und Szenarien entwickelt werden. Und auch gilt, dass sich das Produkt in dieser Phase weiter verändern – entwickeln - kann, weil sich die Rahmenbedingungen ändern.

In der Digitalwirtschaft, die mit Betaversionen und „User Experience“ arbeitet, ist diese Arbeitsweise heute selbstverständlich und jede*r Nutzer*in hat sich bereits über Bugs geärgert, die erst in späteren Software-Versionen beseitigt sind. Gerade für Verwaltungen, die aus gutem Grund darauf ausgerichtet sind, regelhaft und formal korrekt zu agieren, sind solche Ideen von Offenheit und Flexibilität immer noch ungewohnt. Gleichzeitig wird immer mehr Verwaltungsangestellten deutlich, welche Möglichkeiten gerade die Digitalisierung ihnen bietet, ihre Aufgaben effizienter und transparenter zu erfüllen und damit ihrem Auftrag nachzukommen, unser Zusammenleben möglichst gut zu organisieren. Sie alle wollen diese Chancen nutzen. Sie sind eingeladen, sich das Handbuch runterzuladen und ins Tun zu kommen.