Neue Berliner Mischung im vertikalen Gewerbegebiet

Am Montag haben wir einen Workshop  zur urbanen Produktion durchgeführt. 

Mit einer gut gemischten Gruppe von Experten aus der Stadtplanung, der Projektentwicklung und der Wirtschaft haben wir den Erhalt und die neue Ansiedlung von Urbaner Produktion in Berlin diskutiert. Nachdem wir das Thema auf unserem ersten Workshop eingegrenzt hatten, wurde es jetzt konkret. Auf unserem zweiten Workshop wurden anhand von drei prototypischen Gebieten in der Stadt Lösungen für eine nachhaltige Funktionsmischung erarbeitet.

Inspirierende Denkanstöße gab es vorab in der Begrüßung durch Nicolas Zimmer, den Vorstandsvorsitzenden der Technologiestiftung Berlin, der vor allem auf die Digitalisierung aller Lebens- und damit auch Produktionsbereiche hinwies. Die Relevanz der Urbanen Produktion für Berlin, zum Beispiel im Hinblick auf neue Produktionstechnologien und deren Auswirkungen auf Produktionsorte in einer wachsenden Stadt, wurde in einem Preview des im September dazu erscheinenden Reports angerissen. Die überregionale Forschung stellte anhand der „Ultraeffizienz-Fabrik“  Joachim Lentes vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation vor. Ein Beispiel wie man Arbeits-Orten zu Lebensqualität verhilft zeigte Frank Sippel, der mit der Malzfabrik sein Konzept eines strategisch entwickelten Gewerbegebietes mit einem hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit der Mischung verfolgt. Wer sich wo und wie mischen kann, ist nicht zuletzt ein wichtiges Thema für die Stadtentwicklung. Die Perspektiven aus Sicht der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und die Möglichkeiten und Grenzen von Stadtplanung wurden von Thorsten Tonndorf in anschaulicher Weise und auch für Nicht-Stadtplaner verständlich erläutert.

In der ersten Arbeitsgruppe ging es um kleinteilige Produktion in der Innenstadt, also innerhalb des S-Bahnringes. Kurze Wege, gute Infrastruktur, Nähe zum Kunden und eine kleinteilige Produktion sind  als Kennzeichen  dieser prototypischen Orte. Mögliche Entwicklungschancen könnten sich durch die räumliche Nähe, zum Beispiel durch das gemeinsame Nutzen von Maschinen, also einem sogenannten Pro-Producing, ergeben. Die Weiterentwicklung der raren Flächen sollte auch für temporäre Nutzungen ermöglicht werden, um gerade Klein- und Kleinstunternehmen eine Chance zu bieten. Ein Emissionskataster, zertifizierte Fabriken oder der Ausbau von Mischgebieten rund um Verkehrsknotenpunkte, zum Beispiel S- und U-Bahnstationen, sind Ansätze, die helfen können, eine beginnende Entmischung auszubalancieren.

Die Gewerbegebiete entlang des S-Bahnringes waren Orte der Betrachtung für die zweite Arbeitsgruppe. Hier finden sich noch verfügbare Flächen, die vor allem verkehrstechnisch sehr gut angebunden sind. Dennoch findet auch hier ein Verdrängungsprozess zwischen unterschiedlichen Gewerben statt, der Gentrifizierungseffekte in  Gewerbegebieten zur Folge haben kann. Eine Bestandsaufnahme in den verfügbaren Gebieten, eine konzeptionelle Entwicklung und eine bessere Ausnutzung der kostbaren Flächen sind daher dringend erforderlich. Die vertikale Verdichtung von Gewerbe- und Industriegebieten, also die Renaissance der vertikalen Fabrik, könnte einer Flächennot und der Flächenkonkurrenz für kostbare städtische Produktionsflächen entgegenwirken. Entsprechende Vorbilder könnten durch Referenzprojekte zur Vertikalisierung von Produktion entstehen.

Die dritte Gruppe beschäftigte sich mit den Industrieflächen in den Außenbezirken. Bestandschutz und die Festschreibung in Bebauungsplänen sind wichtig, damit die bestehenden Gewerbe- und Industriegebiete nicht verloren gehen. Eine industrielle Produktion, die Emissionen erzeugt, wird bei allen Fortschritten von Digitalisierung und Herstellungstechnologien auch weiter geben.  Einzelne brachliegende  Gründerzeitfabriken und Grundstücke für Produktionsanlagen gibt es hier noch.  Flächen die auch wirklich verfügbar sind, werden allerdings weniger und  gleichzeitig steigt die Nachfrage von produzierenden Unternehmen, die stadtnähere Flächen verlassen müssen. Flächensicherung muss deshalb um Strategie und Visionen ergänzt werden, die klärt wie Wachstum auf begrenztem Raum ermöglicht werden kann.

Nach einem spannenden Nachmittag, mit Sichtverbindungen zur prallsten Urbanität der Oranienstraße und zum Gewerbehinterhof 2.0 mit Lieferverkehr live, in den damit perfekt thematisch passenden Räumen des CLB Collaboratorium Berlin am vorbildlich gemischten Moritzplatz, freuen wir uns auf einen weiter so lebendig-gemischten Austausch zur Urbanen Produktion in Berlin.

Weitere Bilder sowie Videointerviews finden Sie auf der Veranstaltungsseite.