„Kooperationsfähigkeit setzt besondere Offenheit voraus“

Interview mit Dr. Daniel Feser zum besonderen Stellenwert von Innovationskooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft für den Standort Berlin 

Du hast festgestellt, dass die Berliner Wirtschaft sehr eng mit Wissenschaft und Forschung zusammenarbeitet. Wieso ist das bemerkenswert? Eigentlich weiß doch jeder, dass Innovationen heute der Schlüssel zum Erfolg sind.

Dr. Daniel Feser: Ja, dass Innovationsfähigkeit für den Unternehmenserfolg entscheidend ist, ist unstrittig. Da gibt es sicher keinen Unterschied zwischen Berlin und anderen Regionen. Was Berlin anders macht,ist die Tatsache, dass die Unternehmen in dieser Stadt ihre Innovationsaktivitäten so stark mit Wissenschaftseinrichtungen vernetzen. Hier wird offensichtlich eher der Kontakt zur Wissenschaft gesucht, wenn es um Innovationen geht als bei den Unternehmen im Bundesdurchschnitt.

Ich vermute, dass das etwas mit dem exzellenten Angebot vor Ort zu tun hat. Berlin bietet beides: thematische Breite und Exzellenz in einigen Bereich.


Räumliche Nähe ist also ein wichtiger Faktor für erfolgreichen Transfer?

Die räumliche Nähe ist auf jeden Fall ein Faktor. Im verdichteten Raum Berlin läuft man sich halt relativ schnell über den Weg. Vor allem aber muss man auch eine entsprechende Offenheit mitbringen und bei Innovationsvorhaben an die Angebote der Wissenschaft denken. Dass dies in Berlin so ist, liegt an den erfolgreichen Netzwerken der Stadt, die in den zurückliegenden Jahren aufgebaut wurden und  intensiv gepflegt werden. Man kennt sich nicht nur, man hat Vertrauen, fragt informell nach und kann den Partner einschätzen, auch wenn der eine andere Sprache spricht und andere Ziele verfolgt – wie das eben so ist zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Fähigkeit, sich gegenseitig richtig einzuschätzen, ist aus der langen Bekanntschaft erwachsen. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick trivial, ist aber gerade für den nachhaltigen Erfolg der Kooperationen entscheidend.


Das hört sich so an, als ob die Berliner Wirtschaft alle Kooperationsmöglichkeiten voll ausschöpfen würden. Gibt es da überhaupt noch was zu verbessern?

Tatsächlich gibt es nur wenig Optimierungsbedarf. Allerdings habe ich mich darüber gewundert, dass ausgerechnet die kleinen Unternehmen, die substantiell zum Innovationsgeschehen beitragen, in unserer Stadt nicht so aktiv sind wie ich das erwartet hätte, sie sogar im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten weniger kooperieren. Und: Ausgerechnet die überregional bekannte Software- und Datenverarbeitungsbranche kooperiert weniger als die Branche dies an vergleichbaren Standorten tut. Hier werden noch Chancen verschenkt.