KI: Noch nicht in der Breite angekommen

Warum setzt sich Künstliche Intelligenz (KI) nur zögernd durch? Wir bereiten zurzeit einen Report zum Thema vor. Er erscheint noch vor dem Sommer.

In der letzten Innovationserhebung (1) haben wir Zahlen zur Verbreitung von KI in der Wirtschaft vorgelegt. Erfreulich an den Zahlen ist, dass Berlin hier in allen abgefragten Kategorien besser da steht als der Bundesdurchschnitt. Zur Erinnerung zwei Abbildungen:

 

Natürlich freuen wir uns, dass Berlin im bundesweiten Vergleich wirklich gut aufgestellt ist. Wir hatten das auch erwartet, nachdem frühere Studien gezeigt haben, dass ein erheblicher Teil der deutschen KI-Anbieter in Berlin sitzt (2) und ebenso ein großer Teil des deutschen KI-Fachpersonals (3). Wir mutmaßen, dass Berlin auch im europäischen Rahmen im Vergleich gut abschneidet und sind gespannt, wann die Daten des zur Innovationserhebung parallelen Community Innovation Survey (der dieselben Fragen stellt wie die Innovationserhebung) bei Eurostat (4) verfügbar werden.

Etwas ernüchternd sind jedoch die absoluten Werte auf der Y-Achse. Es dürfte zwar wohl jedes Unternehmen Suchmaschinen und Spamfilter (Bayes-Filter gehören auch zu den statistischen Methoden der KI!) benutzen, in Sachen Massenverbreitung für Anwendungen im Kerngeschäft ist aber noch viel Luft nach oben. Das ist bei einem Wachstumsgebiet auch so zu erwarten, sonst wäre es keines. Wer KI schneller weiter verbreitet sehen will, von Wirtschaftspolitik bis KI-Anbieter, und nicht abwarten möchte, dass sich etwaige Vorteile für die Nutzer-Unternehmen von alleine herumsprechen, wird sich bemühen, den Wissens- und Technologietransfer beim Thema KI zu intensivieren. Nur wie?

Wir freuen uns, dass wir mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe eine Studie erstellen konnten (5), die die Ursachen aufzeigt, warum die Verbreitung langsamer ist als die Größe des Hypes auf den ersten Blick erwarten ließe. Erste Handlungsvorschläge, die aus dieser Analyse folgen, werden wir ebenfalls zur Diskussion stellen. Wir hoffen, dass wir dadurch einen Beitrag leisten können, der die Verbreitung unterstützt. Die Studie werden wir noch vor dem Sommer publizieren.

Diejenigen, die nicht zu den langjährigen Leser*innen unserer News gehören, erinnern wir an dieser Stelle gerne auch nochmal an das Projekt „Mit den Augen der Maschine“ (6), in dem unser Ideation & Prototyping Lab bereits vor zwei Jahren gezeigt hat, dass weder Kosten noch Hürden für die KI-Anwendung so hoch sind wie von manch potenziellen InteressentInnen befürchtet.

(1) Wolf, G., Innovationserhebung Berlin 2019, Technologiestiftung Berlin, Berlin, 2020
(2) Feser, D., Künstliche Intelligenz in Berlin und Brandenburg, Technologiestiftung Berlin, Berlin, 2018
(3) Keveloh, K., Tech Talents in der deutschen Hauptstadtregion, LinkedIn Deutschland, Berlin, 2019
(4) Eurostat Database, Sektion science and technology
(5) Feser, D., KI aus Anwendersicht, Technologiestiftung Berlin, Berlin, 2020, to be published
(6) Seibel, B, Dinklage F., Meier, S., Mit den Augen der Maschine – Making of, Technologiestiftung Berlin, online-Publikation, Berlin, 2018