Interview mit Staatssekretär Christian Rickerts zur aktuellen Innovationserhebung der Technologiestiftung

Die aktuelle Innovationserhebung für Berlin weist Rekordausgaben für Forschung und Entwicklung aus und zeigt, dass sich erstmals seit 2011 auch die Zahl der innovativen Unternehmen wieder erhöht hat. – Und das bei einem kontinuierlichen Wachstum, das die Berliner Wirtschaft weitgehend auslastet. Wir sprachen mit Christian Rickerts, Staatssekretär bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, über die Zahlen und das, was sie über das Innovationsgeschehen in Berlin verraten. 

Noch nie haben die Berliner Unternehmen so viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgegeben wie 2016. Dabei zeigen die Zahlen, dass es nicht nur die berühmten Startups der Stadt ist, die an Innovationen arbeitet. Wie würden Sie die Szene beschreiben?

Christian Rickerts: Typisch für das Berliner Innovationsgeschehen ist, dass es von vielen kleinen und mittleren Unternehmen der Stadt getragen wird und damit die Berliner Wirtschaftsstruktur gut abbildet. Berlin ist es in den vergangenen Jahren gelungen, viele sehr innovative kleine und mittlere Unternehmen zu etablieren, die hochspezialisiert und qualifiziert arbeiten. Sie sind zum Beispiel im Umfeld der Universitäten und Hochschulen entstanden und geben der Stadt mittlerweile wieder, was Berlin in die Standort- und Clusterentwicklung investiert hat und investiert.

Bei der Betrachtung nach Branchen fällt auf, dass es vor allem die Unternehmen aus den Clustern sind, die in Forschung und Entwicklung investieren. Ein Ranking würde ich aus den absoluten Zahlen allerdings nicht ableiten, da hier natürlich unterschiedliche Geschäftsmodelle betrachtet werden. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Pharmabereich bilden den besonderen Aufwand ab, der beispielsweise für die Medikamentenentwicklung betrieben werden muss. Auch die Zahlen aus der Elektrotechnik, zu der auch Messtechnik und Optik zählen, und der Software- und Datenverarbeitungsbereich sind beeindruckend. Dass der Medienbereich in Berlin so viel Geld für Forschung und Entwicklung ausgibt, freut mich besonders und zeigt, dass die Branche wieder zuversichtlicher in die Zukunft schaut.

Die Erhebung hat auch die Innovationsförderung in Augenschein genommen. Dabei fällt auf, dass die Berliner Unternehmen noch immer mehr Förderung in Anspruch nehmen als der Bundesdurchschnitt und vor allem EU-Förderung nach Berlin fließt. Wie werten Sie die Zahlen?

Christian Rickerts: Das sind sehr gute Zahlen! Sie zeigen mir, dass unsere Förderprogramme und auch unsere Beratungsangebote ankommen. Die Tatsache, dass 11 Prozent der Berliner Unternehmen EU-Mittel akquirieren und damit über dem Bundesdurchschnitt liegen, dokumentiert außerdem eine besondere Kooperationsfähigkeit. Überhaupt ist die Bedeutung der Universitäten und Hochschulen sowie die Förderung von Netzwerken für das Innovationsgeschehen gar nicht zu überschätzen – auch vor dem Hintergrund, dass mittlerweile 17 Prozent den Mangel an qualifizierten Fachkräften als Innovationshemmnis sehen.

Die Kooperationsbereitschaft der Berliner Wirtschaft mit den Universitäten und Forschungseinrichtungen ist überdurchschnittlich. Die Unternehmen arbeiten aber auch besonders gerne mit ihren Kunden zusammen, um Innovationen zu entwickeln. Überrascht Sie das?

Christian Rickerts: Wer nah am Markt und an seinen Kundinnen und Kunden arbeitet und entwickelt, ist auch besonders schnell und zielgerichtet tätig. Hier bestätigt sich wieder, dass die Berliner Wirtschaft tatsächlich sehr flexibel ist.
Insgesamt freue ich mich, dass die Unternehmen trotz voller Auftragsbücher und lebhaftem Tagesgeschäft so stark in ihre Zukunft am Wirtschaftsstandort Berlin investieren. Das ist speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen sicherlich nicht immer einfach, zahlt sicher aber aus.


Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben