"Digitale Kopien von analogen Unterlagen sind nicht das Ziel"

Kinokarte per Mausklick, virtueller Museumsbesuch mit 3D-Brille: Die Digitalisierung ist im Kulturbereich angekommen und verändert ihn. Wer gut aufgestellt ist, kann die Chancen nutzen, neue Zielgruppen erreichen und Geschäftsprozesse wirtschaftlicher gestalten. Für viele Kulturschaffende sind die neuen technologischen Möglichkeiten allerdings Neuland. Um die Digitalisierung des Berliner Kulturbetriebs voranzubringen, plant die Senatsverwaltung für Kultur und Europa jetzt einen Innovationsfonds und hat die Technologiestiftung als Partnerin mit ins Boot geholt. Hintergrund und Ziele des Fonds erläutert der Senator für Kultur und Europa Klaus Lederer im Interview. 

© Senatsverwaltung für Kultur und Europa

Gerade im Kulturbetrieb ist der Grad der Selbstausbeutung schon jetzt sehr hoch. Ist es da nicht sehr schwierig, sich im laufenden Betrieb auch noch um neue Technologien zu kümmern?

Dr. Klaus Lederer: Tatsächlich wissen alle Akteure, dass sie sich mehr um das Thema Digitalisierung kümmern müssten und werden dann zu oft doch wieder von den Tagesaufgaben aufgefressen. Aber das Thema Digitalisierung ist zu wichtig, zu grundlegend, um es immer weiter hinauszuschieben. Ganz abgesehen von den zu gewinnenden neuen künstlerischen Möglichkeiten. Denn wer das Thema angeht, gewinnt Zeit, weil er effektiver arbeiten, mehr Menschen mit weniger Aufwand erreichen und Themen besser aufbereiten kann. – Um diesen Weg konkret zu unterstützen, richten wir den Innovationsfonds ein, der zum einen die Erarbeitung digitaler Strategien in Kultureinrichtungen, zum anderen innovative und modellhafte Projekte zur digitalen Vermittlung kultureller Inhalte unterstützt.

Außerdem finde ich es wichtig, dass Kultur alle Möglichkeiten nutzt, Menschen barrierefrei zu erreichen. Und dafür ist die Digitalisierung ein sehr gutes Vehikel. Ich bin sicher, dass der Zugang durch Handy und Computer niedrigschwelliger wird für viele, die sonst mit dem Kulturbetrieb nicht in Berührung kommen. 

Digitalisierung von Geschäftsprozessen, digitale Museen und Konzerthallen und damit völlig neue Produkte: ein weiter Bogen. Wird der Innovationsfonds alle diese Bereiche berücksichtigen?

Dr. Klaus Lederer: Wir sind in der Konzeptionsphase und das heißt, wir werden im Dialog mit der Szene moderne Veranstaltungsformate entwickeln, die informieren, aber auch ausprobieren zulassen. Ganz praktisch zu erleben, was Digitalisierung kann, scheint mir unerlässlich zu sein. 

Gleichzeitig werden wir Pilotprojekte aufsetzen, die für digitale Entwicklung im Kulturbereich stehen. Dabei sind wir nicht auf bestimmte Bereiche festgelegt – weder, was die Kulturszene angeht noch die Inhalte. Nur eines steht von vornherein fest: Digitale Kopien von analogen Unterlagen zu fördern, ist nicht das Ziel des kommenden Innovationsfonds. (Denn darum kümmert sich ja bereits das Forschungs- und Kompetenzzentrum Digitalisierung Berlin (digiS), dessen Arbeit wir im vergangenen Jahr verstetigt haben.) Ich möchte Projekte fördern, die die grundsätzlich neuen Möglichkeiten des Digitalen nutzen und in ihre Strategien integrieren. 

Wie sehen die nächsten Schritte in der Konzeptphase aus? Wie kann man sich weiter informieren und im Kontakt bleiben?

Dr. Klaus Lederer: Zunächst erfasst die Technologiestiftung den Status quo und den Bedarf. Das geht natürlich am besten im direkten Dialog mit den Verantwortlichen und Stakeholdern. Deshalb werden zuerst Gespräche mit landes- und bezirksgeförderten Kultureinrichtungen und den Vertreterinnen und Vertretern der freien Szene geführt, um zu erfassen, wo die Akteure stehen. 

Danach werden in Workshops Prototypen für digitale Werkzeuge entwickelt und anschließend als Pilotprojekte erprobt. Besonderen Wert lege ich darauf, dass keine Einzellösungen gefunden werden. Mir ist wichtig, dass verschiedene Einrichtungen und Akteure von den entwickelten Werkzeugen profitieren können. Egal, ob das ein neues Datenmanagementsystem oder eine völlig neue Idee ist.

Alle, die am Projekt interessiert sind, können sich über die Projekt-Website und die Social Media-Kanäle melden. Wir sind offen für neue Ideen und freuen uns über konstruktiven Input, der diese Konzeptionsphase zu einem großartigen Auftakt für den Innovationsfonds machen kann.