Innovative Unternehmen bereiten den Weg

Im April haben wir die Berliner Innovationserhebung 2019 vorgelegt. Sie zeigt: Die Stadt baut ihre Position als deutsche Innovationshauptstadt aus. Rund 4,65 Milliarden Euro haben die Unternehmen für Innovationsprojekte ausgegeben und sind auch für innovative Trends wie KI besonders offen. Interview über die Zahlen mit Ramona Pop, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Die Technologiestiftung gibt seit 2013 jährlich Erhebungen heraus, die die Entwicklung des Berliner Innovationsgeschehens deutlich machen. Was fällt für Sie ins Auge?

Ramona Pop: Beeindruckend ist die ständig zunehmende Bedeutung von Forschung und Entwicklung für das Wirtschaftsgeschehen. In nur sechs Jahren – von 2012 bis 2018 – sind die Ausgaben der Unternehmen für Forschung und Entwicklung bundesweit um mehr als ein Drittel, um fast 37 Prozent, gestiegen. In Berlin ist der Anstieg mit über 40 Prozent noch deutlicher.

Der Standort Berlin hat den allgemeinen Megatrend zu Hightech gut für sich genutzt, um sein Profil zu schärfen. Wir haben in den letzten Jahren konsequent auf Innovation gesetzt, gezielt vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen gefördert und Netzwerke für Innovationsverbünde geschaffen. So werden aus Forschung und Entwicklung schneller Innovationen im Sinne neuer Produkte und Dienstleistungen. Das zahlt sich im wahrsten Sinne des Wortes aus: Im Maschinen- und Fahrzeugbau beispielsweise werden in Berlin mittlerweile 43 Prozent der Umsätze mit Innovationen gemacht.


Tatsächlich belegen die Zahlen zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) , die in dieser Erhebung ja besonders gut untersucht wurde, dass Berlin besser aufgestellt ist als die meisten anderen Standorte. Sind Sie mit diesen Zahlen zufrieden?

Ramona Pop: Die KI-Szene boomt in Berlin wie in keiner anderen europäischen Metropole. Die Zahlen zeigen vor allem aber auch, wie lange auch heute noch Entwicklungen brauchen, bis sie sich voll durchsetzen. Rund die Hälfte der Berliner Unternehmen, die KI einsetzen, haben bereits vor 2016 damit gearbeitet. Die angebotenen Produkte und Dienstleistungen dürften ausgereift und damit sehr konkurrenzfähig sein. Unsere Aufgabe ist es, Forschung und Entwicklung zu fördern, die Rahmenbedingungen für innovative Entwicklungen zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sie auch über einen längeren Zeitraum möglich sind.

Darüber hinaus müssen wir schauen, dass wir die ansässige, sehr innovative Digitalwirtschaft weiter mit den traditionellen Betrieben vernetzen, damit diese von der Entwicklung profitieren. Innovative Unternehmen bereiten den Weg für den gesamten Standort. In den Hightech-Bereichen sind auch für die nächsten Jahre die größten Wachstumspotenziale zu erwarten.

Als die Unternehmen für die Innovationserhebung nach Hemmnissen gefragt wurden, sprachen sie vor allem von der Sorge, hinreichend qualifiziertes Personal zu bekommen. Das war vor der Pandemie. Wie schätzen Sie die Situation heute ein?

Ramona Pop: Zurzeit ist der weitere Verlauf der Corona-Pandemie kaum voraussehbar. Was man aber tatsächlich heute schon sagen kann, ist, dass die Pandemie die Digitalisierung weiter befördern wird. Der Druck, Prozesse noch stärker zu digitalisieren und Kunden digitale Lösungen anzubieten, wird noch mal wachsen.

Insofern bleiben Themen wie die Vernetzung der jungen, innovativen Startup-Szene mit den kleinen und mittleren Unternehmen und auch die Nachwuchsförderung wichtig. Wir müssen diese innovationspolitischen Themen auch in der momentanen Situation unbedingt im Auge behalten.