Ich habe mich kreativ richtig ausgelebt

Zehn Jahre lang hat der Informatiker Felix Hartard im Bereich Consulting und Projektmanagement gearbeitet. Ausgefüllt hat ihn diese Arbeit nicht. Schließlich hat er gekündigt. Sechs Wochen Praktikum in der Offenen Werkstatt im CityLAB haben den Entschluss, sich umzuorientieren, gefestigt. Ein Interview.

Informatiker sind gefragt auf dem Arbeitsmarkt. Trotz der günstigen Bedingungen möchtest Du jetzt in einen anderen Bereich wechseln. Wie kommt das?

Felix: Ich habe in den letzten zehn Jahren viel Zeit vor dem Computer verbracht, IT-Konzepte geschrieben, Angebote erstellt und viele Aufgaben übernommen, bei denen ich kaum Kontakt zu anderen hatte. Diesen Kontakt habe ich zum Schluss sehr vermisst. Jetzt suche ich einen Weg, meine fachliche Kompetenz zusammenzubringen mit dem Bedürfnis, mit anderen zusammenzuarbeiten.

Meine Kompetenz ist ja gefragt: Überall wird davon gesprochen, wie wichtig Digitale Bildung ist. Als Informatiker kann ich eine Menge Wissen weitergeben. Ich würde gerne in Workshops Grundlagen vermitteln, zusammen mit anderen Ideen entwickeln und Prototypen bauen. Das Team könnte aus Kindern und Jugendliche bestehen, aber die Erwachsenbildung wäre für mich auch interessant. Ich könnte mir genauso gut vorstellen, eine Werkstatt zu leiten.

Fachlich wäre das alles für mich kein Problem. Aber weil ich keine didaktische Ausbildung oder praktische Lehrerfahrungen habe, ist es gar nicht so einfach, was Passendes zu finden. Und Corona macht die Arbeitssuche doppelt schwer.

Dass ich jetzt die Möglichkeit hatte, im Rahmen eines Praktikums mitten in der Coronakrise in der Offenen Werkstatt mitzuarbeiten, war für mich deshalb ein echter Lichtblick. Und das Praktikum hat mir die Sicherheit gegeben, dass der Wechsel für mich richtig ist. Ich habe die Zeit genossen, mich kreativ richtig ausgelebt.


Was hast Du denn gemacht?

Viele Sachen haben sich einfach ergeben. Für die Kolleg*innen hier habe ich einfach mal eine funktionierende Abrollvorrichtung für den 3D-Drucker gebaut – erstaunlich, dass so etwas nötig ist. Solche kleinen Sachen kamen immer wieder mal vor und machen mir viel Spaß. Aber es gab natürlich auch größere Herausforderungen.

Ich habe zum Beispiel die nächsten Offene Werkstatt am 25.09. inhaltlich vorbereitet, bei der es darum gehen wird, den Fahrraddynamo zu nutzen, um ein Handy oder andere Geräte zu laden. Es kann bei einer Fahrradtour ja durchaus mal nützlich sein, sich damit auszukennen. Und gleichzeitig lernt man, wie man aus der Wechselspannung des Dynamos eine Gleichspannung macht.

Ich habe auch für Lehrende eine Einführung zu einer IoT-Plattform geschrieben, Motto: Train the trainer. Und ich habe in der Werkstatt des CityLABs mal richtig aufgeräumt. Das hat auch Spaß gemacht. Die organisch gewachsenen Strukturen hier konnten eine Reorganisation durchaus gebrauchen…


Die sechs Wochen sind jetzt allerdings vorbei. Wie geht es jetzt für Dich weiter?

Tja, es ist schade, dass die Zeit so schnell vorbeigegangen ist. Aber ich muss auch schauen, dass ich weiter Erfahrungen im Bildungsbereich sammle. Ich werde jetzt ein zweites Praktikum machen, bei den Jungen Tüftlern in Kreuzberg.  Ich bin echt gespannt darauf, was mich da an Leuten und Themen erwartet.