Heiße Wochen in Berlin – auch für „Gieß den Kiez“

Die letzten beiden Sommer in Berlin waren vor allem eins: heiß. Mit Gieß den Kiez hat das CityLAB Berlin Ende Mai eine Web-App gelauncht, die den Berliner Stadtbäumen helfen soll. Auf der Website giessdenkiez.de können Bürger*innen über 625.000 Straßen- und Anlagenbäume des Baumkatasters Berlin zunächst erkunden und sich über Baumart, Alter und Wasserbedarf der Bäume informieren. Wer besonders aktiv werden möchte, kann darüber hinaus Bäume adoptieren und gießen.

Seit dem Launch der Beta-Version des Prototypen gab es seitens der öffentlichen Verwaltung und der Zivilgesellschaft reges Interesse. Viele Zeitungen wie beispielsweise die Berliner Zeitung oder internationale Online-Blogs berichteten – auch das ARD Mittagsmagazin war vor Ort. Während für einige Bürger*innen die Bewässerung von Bäumen neues Terrain ist, gibt es bereits Gießgruppen am Boxhagener Platz oder in der Hufeisensiedlung in Berlin, die sich schon seit mehreren Jahren ehrenamtlich in Ihrer Nachbarschaft engagieren. Sie helfen mit Not-Bewässerungen aus, um Stadtbäume zu retten und ihren Kiez grün zu halten.

Gieß den Kiez in Zahlen (Stand: 20.08.20)


über 625.000 Berliner Straßenbäume
3.474 adoptierte Bäume
4.317 gegossene Bäume
14.659 Gieß-Aktionen
1.575 registrierte Nutzer*innen
1.433 gießende Nutzer*innen
497 Nutzer*innen auf dem Gieß den Kiez-Slackchannel

 

Bäume: Teil der Infrastruktur und Helfer in der Not

Wer bei der Hitze der letzten Tage von der asphaltierten Straße in eine Grünanlage wechselt, kann es hautnah erleben: Schlagartig wird es kühler, das Licht ist nicht so grell und die Luft besser. Dabei sorgen Bäume nicht nur für saubere Luft, schattige Plätze im Sommer und ein schöneres Stadtbild, sondern bieten darüber hinaus auch Schutz vor Wind und Regen und sind Lebensräume für Tiere und kleinere Pflanzen. Sie binden außerdem CO2 und filtern Feinstaub aus der Luft. Durch die Verdunstungsprozesse der Bäume wird die Luftfeuchtigkeit erhöht, es entsteht Kalt- und Frischluft.

Doch leider befinden sich unsere Stadtbäume selbst im Stress: Der Stadtklimaeffekt, also das Ungleichgewicht zwischen Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Winden und anderen Parametern lässt sich in den letzten Jahren leider sehr gut in Berlin beobachten. Insbesondere junge Bäume, deren Wurzelwerk noch nicht komplett ausgebildet ist, sind auf viel Regen und zusätzliches Gießen angewiesen – besonders bei den langanhaltenden Hitzeperioden der letzten Tage.

Die bezirklichen Straßen- und Grünflächen Berlins sind zwar für die Pflege und Bewässerung der Bäume, vor allem während der ersten drei Lebensjahre, zuständig – doch auch sie haben mit den sich zuspitzenden Wetter-Extremen zu kämpfen. Die Gieß den Kiez-Plattform kann daher für die Koordinierung der Gieß-Aktionen genutzt werden, um besonders notdürftige Bäume frühzeitig zu identifizieren und priorisieren.

Mittlerweile 3.474 Bäume adoptiert

Viele Berlinerinnen und Berliner haben in den letzten Jahren eine enge Beziehung zu den Bäumen in ihrer Straße entwickelt und in trockenen Phasen gegossen. Mit unserer Plattform haben die Baumfreunde nun erstmalig die Möglichkeit, ihre Bemühungen untereinander zu koordinieren und sich über die optimale Baumpflege zu informieren. Klickt man einzelne Bäume auf der interaktiven Karte der Web-App an, öffnen sich Dialogfenster mit Informationen zum Baum: um was für eine Baumart handelt es sich, wie alt ist dieser Baum, wie viel Wasser benötigt er und wie viel Niederschlag hat der Baum in den letzten 30 Tagen an diesem Standorten erhalten. Dabei werden die Niederschlagsdaten täglich durch die Nutzung einer Schnittstelle zum Deutschen Wetterdienst aktualisiert. Für die Baumdaten nutzt die Plattform den Open Data Datensatz „Baumkataster“ des offiziellen Geodatenportals von Berlin. Wer einen Baum gegossen hat, kann dies in die Web-App eintragen, so dass andere Nutzer*innen sehen können, wie viel Wasser der Baum in den letzten Wochen erhalten hat. Wer sich längerfristig um einen Baum kümmern möchte, kann über die Gieß den Kiez Plattform auch Bäume adoptieren und somit verdeutlichen, dass er sich für einen besonderen Baum verantwortlich fühlt.

Dabei steigen die Nutzerzahlen stetig an: Mittlerweile wurden über 3.400 Bäume adoptiert, 14.659 Gießaktionen eingetragen und 4.317 verschiedene Bäume gegossen. Von den 1.575 Nutzer*innen gießen tatsächlich über 90% auch wirklich mindestens einen Baum – die Berliner*innen nutzen die Plattform also rege.  Auf dem Slack-Kanal, der parallel zum Launch der Website für die Community eingerichtet wurde, tauschen sich zusätzlich fast 500 Leute über das Thema und die App aus.

Plattform zeigt, wie Offene Daten das Miteinander in der Stadt verändern können

Wir freuen uns sehr über die Resonanz - nicht nur, weil es wichtig für die Lebensqualität in unserer Stadt ist, sondern vor allem, dass den Stadtbäumen geholfen wird. Darüber hinaus zeigt die Plattform ganz praktisch, was man alles mit den Daten, die Verwaltung zur freien Nutzung öffentlich zur Verfügung stellt, erreichen kann. Durch Gieß den Kiez kann das Miteinander und der Wissenstransfer in der Stadt verbessert und darüber hinaus der Austausch zwischen den Akteuren gefördert werden.

Die Plattform ist eine quelloffene Open Source Software und kann auf dem GitHub der Technologiestiftung gefunden und für eigene Zwecke verwendet werden. Städte wie Leipzig, haben die Karte bereits adaptiert und auch die Grünen in Düsseldorf denken bereits über eine Umsetzung für ihre Smart City nach.