Gemeinsame Datengrundlage zu Wohnungslosigkeit schaffen

Auch wohnungslose Menschen können von mehr und/oder visualisierten Daten profitieren. Denn die Daten machen Zusammenhänge sichtbar und helfen, passgenaue Konzepte gegen Wohnungslosigkeit zu entwickeln. Oder sie können ganz einfach die Vergabe von Übernachtungsplätzen vereinfachen. Im Rahmen der 4. Strategiekonferenz zur Wohnungslosenhilfe, die die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales am 30.09. im CityLAB veranstaltete, gab es einen Workshop, der die Bandbreite des Themas umriss, den Handlungsbedarf zeigte und am Ende zu einem regen Austausch von Telefonnummern führte.

Verwaltung und Sozialträger sind wechselseitig (noch) Black Boxes

Die Frage, wie die Datenlage verbessert werden kann, war Thema eines der angebotenen anschließenden Workshops. Und schnell wurde klar: Mehr Daten sind sicher sinnvoll, manches wäre aber auch schon damit getan, sich im Umgang mit den vorhandenen Daten stärker auszutauschen und abzustimmen, zum Beispiel einheitliche Kriterien zu entwickeln, sowie Daten zu teilen. Und – das war Workshop-Moderator David Kraft, SenIAS, wichtig: Hier ist nicht nur die Verwaltung gefragt, die Daten zur Verfügung stellen muss.

Die Verwaltungen verfügen vor allem über Leistungsdaten, die nur bestimmte Aspekte des Themas Wohnungslosigkeit erfassen. Die Sozialträger haben einen anderen Blick auf das Thema und entsprechend auch andere Daten. Doch wer welche Daten mit welcher Motivation erfasst und unter welchen Gesichtspunkten auswertet, bleibt weitgehend unklar. Für die Verwaltung sind viele Sozialträger Black Boxes und umgekehrt.

Gemeinsam die Datengrundlage zu verbessern und sich hinsichtlich der Auswertungskriterien besser abzustimmen, ist also ein dringendes Thema, das – hier herrschte Einigkeit – im Rahmen eines einstündigen Workshops nicht zu lösen ist. Es war dann aber doch beeindruckend, wie schnell mit dem Rundum-Blick aus dem Handbuch „Öffentliches Gestalten“ Hindernisse benannt und erste Ideen dazu formuliert wurden, wie man zu einer gemeinsamen Datengrundlage kommen kann. Am Ende wurden Telefonnummern ausgetauscht, um sich für weitere Absprachen zu treffen.

 

ODIS und das Handbuch „Öffentliches Gestalten“ sorgten für den richtigen Input

Mit diesem Ergebnis sind auch meine Kolleg*innen Victoria Boeck von der Open Data Informationsstelle für die Berliner Verwaltungen (ODIS) und Joshua Pacheco zufrieden, die den Workshop mit ihren Anregungen begleitet hatten.

Victoria hatte zur Einstimmung an einigen Beispielen vorgestellt, was Offene Daten sind, welche technischen Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit die in den Daten steckenden Informationen genutzt werden können, und was man alles mit ihnen machen kann. Die gezeigten Beispiele waren eindrucksvoll und gingen von der Visualisierung der Daten zur Grundsicherung über die Auswertung der Öffentlichen Förderung 2009 bis 2017 bis zum Stadtplan von Los Angeles, der mit Daten zur Wohnungslosigkeit ergänzt wurde und das Problem sichtbar macht.

Joshua hatte mit dem Rundum-Blick aus dem Handbuch „Öffentliches Gestalten“ eine Methode zur Verfügung gestellt, mit der man sich dem Thema „Innovation“ sehr niedrigschwellig nähern kann. Das hat gut funktioniert.

Das Handbuch, das im CityLAB in Zusammenarbeit mit Politics for Tomorrow entstand, hat damit seine Funktion erfüllt und wieder gezeigt, dass es bei Innovationsprozessen ein sehr guter Begleiter sein kann. Hier findet man viele Hinweise, Anregungen und Checklisten, die es einem erleichtern, eingefahrene Wege gedanklich zu verlassen und Neues zu anzugehen.