„Etwas gesellschaftlich Relevantes tun“

Aus Medellín, wo er mit einem Stipendium der Stiftung Mercator einige Zeit im städtischen Innovationslabor arbeitete, bewarb sich Mirko Hohmann um eine Stelle im CityLAB Berlin. Mit Erfolg: Ein Jahr lang arbeitete er im Team. Jetzt will er sich verändern, aber das CityLAB wird er in bester Erinnerung behalten und viele Erkenntnisse mitnehmen. Ein Interview.

Urspünglich wolltest Du nur kurz als Fellow im CityLAB arbeiten. Dann wurde daraus sehr viel mehr. Wie kam es dazu?

Seit meinem „Public Policy”-Studium haben mich digitale Technologien und ihr Einfluss auf unsere Gesellschaft  fasziniert. Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen Einfluss steuern müssen, damit die technologischen Lösungen einen positiven Beitrag zu unserem Zusammenleben zu leisten.

Aber das ist  alles sehr theoretisch. Das CityLAB hat mir die Möglichkeit geboten, ganz konkret an der Schnittstelle zwischen Zivilgesellschaft und Stadtentwicklung zu arbeiten, die Überlegungen in greifbare Projekte fließen zu lassen und etwas gesellschaftlich Relevantes zu tun. Ein gutes Beispiel ist das Projekt Gieß den Kiez, das ich mit aufgebaut habe. Dort können sich die Berliner*innen über unsere Straßenbäume informieren und diese gemeinsam gießen. Die Plattform zeigt, wie die Bürger*innen ihre Umgebung mitgestalten können, und sie hilft den Bäumen. Es hat mich begeistert, dass ich mit meiner Arbeit vieles von dem tun konnte, was ich für wichtig halte, und ich freue mich sehr, dass das Projekt so gut aufgenommen worden ist. Mittlerweile haben die Berliner*innen über 2.300 Bäume adoptiert - viele gleich mehrfach.


Was nimmst Du für Dich mit aus diesem Jahr?

Ich habe bei jedem Projekt inhaltlich eine Menge gelernt – sei es über Naturschutz oder beispielsweise auch bei der Vorbereitung meiner Workshops „Sicher im Netz“. Was mir besonders wichtig erscheint, ist aber eher übergreifend und grundsätzlich: nämlich die Art, Dinge anzugehen.

Im CityLAB wird viel mit Prototypen gearbeitet. Die Themen werden angepackt, ein erster Entwurft entwickelt und getestet. Im Lauf des Projekts gibt es ergebnisoffene Sprints, bei denen man Zwischenergebnisse mit den anderen diskutiert und ein Feedback erhält. Das bedeutet, dass man am Anfang nicht alles schon vollständig festgelegt hat und dann nur festhalten oder scheitern kann.

Es ist  inspirierend, im ständigen Austausch mit Menschen anderer Disziplinen zu arbeiten und zu sehen, wie sich Projekte entwickeln. Allerdings braucht man die Bereitschaft, einfach loszulegen und auszuprobieren – ohne den Anspruch, die Lösung schon zu haben. Ich möchte diese Arbeitsweise für mich unbedingt mitnehmen.


Eine Hands-On-Mentalität ist also gefragt im CityLAB. Wir suchen ja zurzeit für Dich eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger. Was würdest Du denen ansonsten mit auf den Weg geben?

Wie gesagt: Es braucht die Motivation, Dinge anzupacken. Manchmal braucht man auch einen langen Atem, weil neue digitale Prozesse auch Bedenken hervorrufen können. Da mussten wir oft beharrlich sein. Wichtig ist auch technisches Verständnis. Ohne Affinität zu oder Interesse an technologischen Fragen geht es nicht.

Und dann gibt es für die Stelle wichtige Argumente: zum einen das Team. Ich bin hier vor einem Jahr sehr offen empfangen worden und ich erinnere mich gerne an das ersten Abend, den ich nach der Arbeit mit den anderen auf dem Tempelhofer Feld verbracht habe. Natürlich gab es wie in jedem Team auch Konflikte und unterschiedliche Meinungen, aber diese konnten wir ansprechen und konstruktiv angehen. 

Außerdem hat mir die inhaltliche Spannbreite bei der Arbeit sehr gut gefallen. Unser Team ist überschaubar und durch das kollaborative Arbeiten gibt es immer die Möglichkeit, Einblicke in anderen Projekte zu gewinnen.

Letztlich hat sich das CityLAB im ersten Jahr zu Knotenpunkt für digitalen Wandel in Berlin entwickelt und entsprechend konnte ich viele spannende Akteure kennen lernen. Auf all diese Erfahrungen werde ich in Zukunft zurück greifen können.

 

Live kann man Mirko als Mitglied des CityLAB-Teams noch mal beim digitalen Sommerfest des CityLABs am Freitag erleben. Dort diskutiert er mit Birgit Beyer vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg und Christian Hönig vom BUND Berlin über Themen rund um das Gieß den Kiez-Projekt.

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